Stahl

Thyssen-Krupp macht Druck auf Mittal Steel

Thyssen-Krupp auf Konfrontationskurs

Thyssen-Krupp auf Konfrontationskurs

27. Dezember 2006 Thyssen-Krupp ist auf Konfrontationskurs gegangen: Der Düsseldorfer Konzern hat Klage bei einem Gericht in Rotterdam eingereicht gegen den Stahlproduzenten Mittal Steel, um den eigenen Anspruch auf die kanadische Dofasco-Gruppe zu untermauern. Thyssen-Krupp wirft Mittal vor, eine Vereinbarung über den Verkauf von Dofasco gebrochen zu haben. Eine erste Anhörung in dem angestrengten Verfahren ist für den 11. Januar geplant.

Hintergrund ist ein sogenannter Letter Agreement, in dem Mittal den kanadischen Stahlproduzenten weiterreichen wollte für den Fall, daß er selbst bei Arcelor zum Zuge komme. Die Vereinbarung hat eine Gültigkeit von 15 Monaten und liefe im kommenden April aus.

Juristischer Winkelzug

Thyssen-Krupp hatte das Bietergefecht um die Kanadier gegen den Luxemburger Arcelor-Konzern Anfang des Jahres verloren. Während des vergeblichen Abwehrkampfes gegen Mittal Steel hatte Arcelor wiederum das in der Automobilproduktion gutaufgestellte kanadische Unternehmen in eine niederländische Stiftung eingebracht. Mit diesem als Giftpille zu verstehenden juristischen Winkelzug sollte Dofasco vor entsprechenden Zugriffen und Weiterverkäufen geschützt werden.

In dem Fusionspoker um Arcelor hatten der indische Stahl-Magnat Lakshmi Mittal und Thyssen-Krupp nämlich schon frühzeitig vereinbart, daß die Deutschen Dofasco für 3,8 Milliarden Euro erwerben könnten, sollte die Übernahme von Arcelor gelingen. Mit der Klage erhöht Thyssen-Krupp nun den Druck auf den indischen Stahlindustriellen Lakshmi Mittal.

Stiftungsvorstand sperrt sich gegen Selbstauflösung

Der Schritt kommt nicht ganz überraschend, hatte doch Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz schon anläßlich der Bilanzvorlage am 1. Dezember angekündigt, alle bestehenden Möglichkeiten ausschöpfen zu wollen, um die von Mittal Steel im Januar verbindlich zugesagte Veräußerung von Dofasco an den Düsseldorfer Industriekonzern herbeizuführen. Dazu gehört auch die gerichtliche Durchsetzung der Ansprüche, die sich aus dem Letter Agreement ergeben.

Nach der Ende Juni beschlossenen Fusion der beiden Stahlkonzerne haben die Verwaltungsräte von Arcelor und Mittal zwar dafür plädiert, die Stiftungslösung rückgängig zu machen, um den Verkauf doch noch zu ermöglichen. Doch sperrt sich der Vorstand der Stiftung dagegen, sich selbst aufzulösen und die 89 Prozent des Dofasco-Kapitals ausmachenden Aktien an Arcelor zurückzugeben.

„Überrascht und enttäuscht“

Basis der jetzt eingereichten Klage sind das Rechtsgutachten eines führenden unabhängigen niederländischen Stiftungsexperten sowie Stellungnahmen externer rechtlicher Berater. In dem Gutachten wird aufgezeigt, wie die Stiftung vorzeitig aufgelöst werden könnte. Mit dem Beschreiten des Rechtswegs wollen die Düsseldorfer wohl letztlich erreichen, daß Mittal beim Stiftungsvorstand den nötigen Druck macht, die Blockade aufzugeben und sich selbst wieder aufzulösen.

Die Klage ist nicht zuletzt deshalb von Brisanz, weil auch die amerikanischen Wettbewerbsbehörden im Besitzwechsel von Dofasco die beste Lösung für die erforderliche Reduzierung der Arcelor-Mittal-Aktivitäten auf dem amerikanischen Markt sehen. Der Anwalt von Mittal Steel zeigte sich „überrascht und enttäuscht“ über das Vorgehen Thyssen-Krupps. Man habe alles unternommen, dem Letter Agreement gerecht zu werden und die Auflösung der Stiftung zu betreiben, heißt es in einer Pressemitteilung. Auch Mittal Steel prüfe weiterhin einen möglichen Prozeß gegen die Stiftung, halte aber die Aussichten auf Erfolg für äußerst gering.

Dofasco soll Sprungbrett für Amerika-Markt werden

Die Übernahme des kanadischen Unternehmens ist Teil der ehrgeizigen Amerika-Strategie des Thyssen-Krupp-Konzerns. Dofasco sollte das Sprungbrett für diesen wichtigen Markt werden. Denn über die Akquisition erhielten die Düsseldorfer umgehend Zugang zum Kundenstamm der Kanadier und damit zur amerikanischen Autoindustrie. Zudem ist das Unternehmen im Besitz einer Eisenerzmine.

Unabhängig von diesem Übernahmevorhaben plant der Thyssen-Krupp-Vorstand parallel einen Stahlwerksneubau in Brasilien sowie einen Flachstahl- und Edelstahlkomplex im Süden der Vereinigten Staaten. Ziel ist, sich eine Position unter den führenden Produzenten hochwertigen Flachstahls zu sichern. Über den genauen Fahrplan der anstehenden Investitionen in Amerika soll der Aufsichtsrat im kommenden Mai befinden. Die Aktie gewann am Mittwoch mehr als 2 Prozent auf über 35 Euro und führte die Gewinnerliste im Aktienindex Dax an. Es sei für Thyssen-Krupp von entscheidender Bedetung, ob die 89 Prozent an Dofasco an Arcelor Mittal zurückübertragen werden könnten, hieß es bei Händlern.



Text: B.K. / F.A.Z.
Bildmaterial: ddp

 
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