BMW

Reithofer arbeitet an der Rendite

Von Henning Peitsmeier und Georg Meck

12. September 2007 Auf der IAA hat es BMW-Chef Norbert Reithofer leicht, das Publikum zu begeistern. Viel Beifall gibt es für die Präsentation des sportlichen Geländewagens X6, eine Mischung aus dem erfolgreichen X5 und einem viertürigem Coupé, die BMW auch noch in einer umweltfreundlicheren Hybridversion zeigt.

Doch schon bald muss Reithofer andere für sich gewinnen, muss Aktionäre und Analysten mit einer neuen Strategie überraschen, die BMW aus dem Abwärtstrend zieht: Der Absatz des Münchner Konzerns steigt, die Rendite aber sinkt. Die Analysten murren, die BMW-Aktie entwickelt sich dürftig. Die Erwartungshaltung der Finanzmärkte ist deshalb groß. Und sie wird von BMW geschürt, auch von Reithofer selbst: „Für unsere neue Strategie haben wir im eigenen Haus jeden Stein umgedreht, haben unsere Wettbewerber ebenso analysiert wie verschiedene Märkte, und daraus haben wir einen Maßnahmenkatalog entwickelt“, sagt er dieser Zeitung und fügt hinzu: „Den stellen wir im Herbst vor.“

Wenn er auf Zeit spielt, so hat dies einen einfachen Grund: Die neue Strategie, der große Wurf, ist noch nicht in allen Details fertig. Worum es im Großen und Ganzen geht, sagt Reithofer gern: „Wir wollen nachhaltiges, profitables Wachstum schaffen, das ist die entscheidende Herausforderung.“

An der neuen Langfriststrategie getüftelt

Von Reithofer wird viel erwartet, er muss nun den Weg für die kommenden fünf Jahre und darüber hinaus aufzeigen. Zwar ist der heute 51 Jahre alte Manager schon seit Jahrzehnten im Konzern, an der Spitze des Vorstandes steht er aber erst seit einem Jahr. Doch auch in seinem ersten Jahr habe BMW einiges bewegt: „Das Geschäftsjahr 2007 ist geprägt von 14 Modellanläufen, so viele wie nie zuvor. Beinahe im Wochentakt fließt neue Technik, auch im Zusammenhang mit Efficient Dynamics, in unsere Fahrzeugflotte ein“, nennt Reithofer ein Beispiel.

Es soll bloß nicht der Eindruck entstehen, bei BMW hätten sie nur an der neuen Langfriststrategie getüftelt und darüber das tägliche, operative Geschäft vergessen. Woran Reithofer bereits gearbeitet hat, ist die Reduzierung des Dollarrisikos: Das Werk im amerikanischen Spartanburg wird erheblich ausgebaut, auf deutlich mehr als 200.000 Einheiten, auch der neue X6 soll hier neben X5 und bald auch dem X3 vom Band rollen. Dieses sogenannte Natural Hedging soll das Amerika-Geschäft profitabler gestalten. Außerdem habe BMW Kurssicherung betrieben, für 2007 bestehe kein Dollar-Risiko mehr, sagt er.

„Wir werden Volumenaussagen treffen“

Zwischenzeitliche Unternehmensplanungen hat es bei BMW laut Reithofer immer gegeben, der letzte große Wurf nur liegt schon etwas länger zurück. Einen „Strategic Review“ nennt er die große Unternehmensplanung von vor gut sechs Jahren, im Jahr nach der Trennung von Rover, veranlasst von Reithofers Vor-Vorgänger Joachim Milberg. Damals entschied der Vorstand ebenfalls ein ganzes Maßnahmenbündel: Die Neueinführungen der Einser-Reihe und des sportlichen Geländewagens X3 sowie zwei neue Modelle der Sechser-Reihe. Außerdem kündigte Milberg damals ein Absatzziel von 1,4 Millionen Fahrzeugen im Jahr 2008 an, das dann zu einem Umsatz von 50 Milliarden Euro führen soll.

Benennt Reithofer also im Oktober auch neue Modelle, gibt er ebenfalls ein Umsatz- und Absatzziel für das Jahr 2015 vor? „Wir werden Volumenaussagen treffen“, sagt er. Mehr verraten will er nicht, auch nicht über mögliche Allianzen, über die im Moment spekuliert wird. Dass es Zeit wird, BMW neu auszurichten, gibt Reithofer zu. Dass allein die sinkende Rendite im Autogeschäft der Anlass sei, dass ihn womöglich auch noch der Großaktionär, die Familie Quandt, zu diesem Schritt gedrängt habe, weist der Vorstandsvorsitzende entschieden von sich: „Mit einem Gerücht möchte ich aufräumen: Den Zeitrahmen von zwölf Monaten für die neue Strategie haben wir uns selbst gesetzt, er ist uns nicht vom Aufsichtsrat vorgegeben worden.“

An der Spitze der Premiumhersteller

Überhaupt sieht Reithofer den Konzern im Moment oft zu Unrecht in der Kritik – wenn etwa seine Renditen im Automobilgeschäft mit denen von Wettbewerbern gemessen werden, schneide BMW nur deshalb schlechter ab, weil Äpfel mit Birnen verglichen würden. Bezogen auf die Rendite des Konzerns, sieht Reithofer sich an der Spitze der Premiumhersteller, da in diese Größe auch die hohen Gewinne der BMW-Bank Financial Services einfließen. Zahlen dazu nennt Reithofer nicht.

„Die Strategie des Jahres 2001 ist bis heute aufgegangen, und sie würde die BMW Group auch noch zwei, drei Jahre tragen“, bekräftigt Reithofer. Er weiß freilich, dass sich die Zeiten erheblich geändert haben. Die IAA des Jahres 2001 war eine andere als die des Jahres 2007, die insbesondere an die Umweltverträglichkeit des Automobils neue, kostspielige Ansprüche stellt. Um beispielsweise die Grenzwerte beim CO2-Ausstoß zu erreichen, müssen die Autokonzerne in modernste Motorentechnologie investieren.

„Gutes tun und darüber reden“

Ein großer Massenhersteller wie Toyota, der mehr als 9 Millionen Autos in der Welt verkauft, stemmt das allein; ein vergleichsweise kleiner Premiumanbieter, der wie BMW 1,4 Millionen Autos baut, braucht Partner. Den Vierzylinder-Motor für den Mini haben die Münchner mit Peugeot-Citroën entwickelt, die ungleich höheren Kosten für den Hybridantrieb, der im BMW X6 und auch im Siebener eingesetzt werden soll, lasten gleich auf drei Schultern, denn BMW hat ihn mit General Motors und Daimler-Chrysler initiiert.

Über all die künftigen Projekte und Vorhaben will BMW offensiver als bisher die Öffentlichkeit informieren. „Gutes tun und darüber reden“, lautet das Motto, das an die Stelle vornehmer Münchner Zurückhaltung treten könnte. Denn einen weiteren Vorstandsbeschluss zur neuen BMW-Strategie gibt es bereits: „Unsere Marketing- und Kommunikationsaufwendungen wurden beträchtlich aufgestockt, zum Beispiel für Printanzeigen, Fernsehspots und elektronische Medien.“



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, REUTERS

 
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TecDax 573,04 -5,15
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Nasdaq 1.754,88 -5,80
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