VW-Vorstand

Pischetsrieders Vertragsverlängerung auf der Kippe

Zukunft offen: Pischetsrieder, Wulff, Piech

Zukunft offen: Pischetsrieder, Wulff, Piech

01. März 2006 Die Verlängerung des Vertrages von VW-Chef Bernd Pischetsrieder steht nach Ansicht von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech auf der Kippe. Er sehe im Kontrollgremium ein Stimmenverhältnis von zehn zu zehn, sagte Piech dem „Wall Street Journal Europe“.

Im VW-Aufsichtsrat verfügen Kapital- und Arbeitnehmerseite über je zehn Stimmen, Piech kommt als Vorsitzendem ein doppeltes Stimmrecht zu. Daher könnte die Kapitalseite Pischetsrieders Vertragsverlängerung theoretisch gegen die Arbeitnehmer durchsetzen. Er selbst werde mit der Kapitalseite für eine Verlängerung des Vertrages stimmen. Die Verlängerung könnte aber auf starken Widerstand der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat stoßen, sagte Piech. Die Erneuerung des Vertrags sei offen.

Piech: Ich folge den Aktionären, das ist alles

Piech: Ich folge den Aktionären, das ist alles

Die beiden VW-Großaktionäre, der Sportwagenbauer Porsche und das Bundesland Niedersachsen, strebten die Verlängerung an. „Ich folge den Aktionären, das ist alles“, sagte der ehemalige Vorstandschef von Europas größtem Autobauer. „Ich kenne kein Unternehmen in Deutschland, wo jemand mit zehn Arbeitnehmer-Gegenstimmen überleben konnte.“

Porsche und Betriebsrat halten sich bedeckt

Ein Sprecher der niedersächsischen Staatskanzlei lehnte einen Kommentar ab. Auch Hauptaktionär Porsche wollte Pischetsrieder am Mittwoch öffentlich nicht den Rücken stärken. „Das sind Themen, die im Aufsichtsrat zu besprechen sind“, sagte ein Sprecher zur Zukunft des von Piech selbst vor vier Jahren an die VW-Spitze geholten Managers. Bislang hatte sich der seit kurzem im VW-Aufsichtsrat vertretene Porsche-Chef Wendelin Wiedeking gemeinsam mit der niedersächsischen Landesregierung für eine weitere Amtszeit von Pischetsrieder ausgesprochen. Von der Landesregierung war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Die VW-Arbeitnehmervertreter diskutieren derzeit nicht über den Konzernchef. „Das Thema steht zur Zeit nicht an und wir werden Spekulationen zu Personalien keine neue Nahrung geben“, erklärte der Konzern- und Gesamtbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh am Mittwoch.

Piëchs Hinterlassenschaft

Piëch, der früher selbst VW-Vorstandschef war, hat seinemNachfolger eine Reihe von Problemen hinterlassen: Zu hohe Produktionskosten, unpassende Modellzyklen, teure Träume von Luxusmarken, falsche Modellpolitik in China. Die Zustimmung der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat zu teuren Prestigeprojekten wie dem Luxusfahrzeug Phaeton soll sich Piëch, der als Technik-Enthusiast gilt, mit großzügigen Zugeständnissen an Betriebsrat und IG Metall gesichert haben.

Volkswagen hat einen radikalen Sanierungskurs angekündigt. 20.000 Arbeitsplätze stünden auf dem Prüfstand. Seit längerem wird spekuliert, Pischetsrieders Vertrag könnte nicht verlängert werden. Audi-Chef Martin Winterkorn wird bereits als Nachfolger gehandelt. Der Chef der VW-Premium-Tochter hatte allerdings am Dienstag auf dem Genfer Autosalon Spekulationen über einen Wechsel zurückgewiesen. Er wolle lieber die Erfolge der Ingolstädter VW-Ertragsperle weiter genießen und nicht nach Wolfsburg wechseln.

Audi-Chef will Audi-Chef bleiben: Martin Winterkorn

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Pischetsrieders Kontrakt als Vorstandschef von VW läuft 2007 aus. Der Vertrag kann vom Aufsichtsrat frühestens unmittelbar vor der Hauptversammlung am 3. Mai in Hamburg verlängert werden. Pischetsrieder war Piech 2002 an der Spitze des Wolfsburger Unternehmens gefolgt, letzterer wechselte an die Spitze des Kontrollorgans. Piech stellt sich im kommenden Jahr nicht mehr zur Wiederwahl als Aufsichtsratschef, strebt aber eine weitere Amtszeit als normales Mitglied an, wie er der Zeitung sagte.

Text: FAZ.NET mit Material von Reuters, Dow Jones, AP
Bildmaterial: dpa/dpaweb, picture-alliance/ dpa/dpaweb

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