12. September 2008 Rund 40.000 VW-Mitarbeiter haben nach Gewerkschaftsangaben am Freitag vor der Konzernzentrale in Wolfsburg für den Erhalt ihrer Mitspracherechte demonstriert. Die größte Kundgebung von Beschäftigten in der VW-Unternehmensgeschichte sollte vor allem eine Machtdemonstration gegen den neuen Großaktionär Porsche sein, der zuletzt 31 Prozent hielt und demnächst das Steuer bei Europas größtem Autobauer mehrheitlich übernehmen wird.
Porsche will daher das zuletzt überarbeitete VW-Gesetz abgeschafft sehen, das dem Land Niedersachsen noch immer ein Vetorecht bei Volkswagen einräumt und den Handlungsspielraum des Porsche-Managements damit einschränkt.
Aufsichtsratssitzung wurde unterbrochen
An der Großveranstaltung auf dem Werksgelände, für die die parallel stattfindende Aufsichtsratssitzung unterbrochen wurde, nahmen laut IG Metall Beschäftigte aus allen in- und ausländischen Werken teil. Auch Mitarbeiter des mit VW verbundenen Münchner Nutzfahrzeugkonzerns MAN seien nach Wolfsburg gereist. Der jahrelange Streit um die Sonderregelungen bei VW hatte in dieser Woche einen neuen Höhepunkt
erreicht.
Eigentlicher Adressat der Proteste ist jedoch Wendelin Wiedeking - das ist in Wolfsburg allgemein bekannt. Für die Porsche-Beschäftigten ist Wiedeking der Heilsbringer, weil er den Sportwagenbauer einst vor dem Ruin gerettet hat. Für die VW- und Audi-Mitarbeiter ist er ein Haudrauf, der sich mit markigen Sprüchen und harten Ansagen selbst ins Abseits manövriert hat. Und Wiedeking kämpft mit allen Mitteln für die Abschaffung des VW-Gesetzes. Insider glauben, dass VW-Chef Ferndinand Piëch den Porsche-Chef gerne loswerden würde und die Arbeitnehmer deshalb in ihrem Kampf unterstützt. Wie weit er dabei gehen wird, bleibt allerdings noch unklar (siehe dazu auch: Machtkampf im VW-Konzern: Rauchende Colts in Wolfsburg).
Huber: Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr VW-Gesetz
IG Metall Chef Berthold Huber verteidigte während der Großkundgebung das umstrittene VW-Gesetz vehement. Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr VW-Gesetz, sagte Huber am Freitag vor den Arbeitern, die Arbeitnehmer wollten an wichtigen Unternehmensentscheidungen beteiligt werden. Huber rief: Engstirnige Neoliberale à la McCreevy zerstören die Zukunft Europas, weil sie mit ihren Entscheidungen die Ablehnung der Menschen organisieren.
Der IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine forderte die EU-Kommission in Brüssel auf, das neue VW-Gesetz zu akzeptieren und die Arbeitnehmerrechte nicht weiter zu beschneiden. Es ist unerträglich, dass die EU-Kommission eine neoliberale Politik gegen ein breites Bündnis von CDU, SPD, Betriebsräten und
IG Metall durchsetzen will. Dagegen werden wir uns weiterhin zur Wehr setzen, erklärte Meine.
Porsche erhält derzeit Rückendeckung von der Europäischen Union. EU Kommissar Charlie McCreevy will die nächste Stufe in dem Verfahren gegen die Bundesregierung einleiten, um das Gesetz entsprechend dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs von Ende 2007 zu ändern.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, REUTERS