01. Juli 2009 Elvis, Kurt Cobain und Jimi Hendrix: Es kommt häufig vor, dass Musiker erst nach ihrem Tod reich werden. Michael Jackson war zwar schon zu Lebzeiten sehr wohlhabend. Allein durch Plattenverkäufe verdiente der am Donnerstag im Alter von 50 Jahren gestorbene King of Pop während seiner Karriere vermutlich mehrere hundert Millionen Dollar. Doch am Ende hatte Jackson angeblich eine halbe Milliarde Dollar Schulden. Einen Teil davon können seine Erben nun mit den Einnahmen aus aktuellen Plattenverkäufen ausgleichen. Die Verkaufszahlen steigen stündlich.
Wenige Tage nach seinem Tod erobern mehrere Alben von Michael Jackson in nahezu allen Charts die Top Ten. Ob in Großbritannien, Portugal, Finnland, Kanada, Neuseeland oder Norwegen: Im iTunes-Store steht an oberster Stelle der Top Ten ein Jacko-Titel. Meist sind es Best-of-Alben wie The Essential, Number Ones und King of Pop. Im Online-Shop Musicload stehen derzeit sechs Alben in der Top-Ten-Liste. Die Umsätze stiegen zur Vorwoche deutlich um einen zweistelligen Prozentsatz an, sagt eine Unternehmenssprecherin.
Neun der zehn Bestseller-Plätze
Bei Amazon wird der Ansturm auf Jacksons Musik noch deutlicher. Noch immer sind bei uns neun der zehn Bestseller-Plätze im Bereich Musik von Michael Jackson belegt, sagt eine Pressesprecherin. Als anschauliches Beispiel führt Amazon die Kompilation King of Pop an. Dieser Topseller im Bereich CD lag am Tag vor seinem Tod noch auf Rang 918. Selbst im Bereich der Herrenmode liegt das Michael-Jackson-Shirt nun auf Platz eins.
Das Marktforschungsunternehmen Media Control spricht von einem noch nie dagewesenen Run auf Michael-Jackson-Songs. Seit seinem Bestehen habe Media Control in so kurzer Zeit noch für keinen Künstler so viele Verkäufe in so kurzer Zeit registriert. Schon bei den Downloads gebe es mehr als 100 000 Verkäufe. Dass 22 Jackson-Songs in den Charts plaziert sind, sei weltrekordverdächtig. Am besten schneide dabei die Single Thriller ab, die 1984 in Deutschland nur Platz 21 erreichte.
Laut Wall Street Journal, das sich auf Zahlen des Marktforschungsunternehmens Nielsen SoundScan beruft, wurden binnen vier Tagen allein in den Vereinigten Staaten 415.000 Jackson-Alben verkauft. Mehr als die Hälfte davon seien Downloads. Zudem seien 2,7 Millionen einzelne Titel heruntergeladen worden.
Ein immenser Run
Von diesen Verkäufen profitiert vor allem die Plattenfirma Sony Music. Die Firma hat die Rechte an nahezu allen Michael-Jackson-Werken. Exakte Zahlen über den aktuellen Umsatz könne man nicht nennen, sagt ein Firmensprecher, aber es sei schon ein immenser Run auf die Tonträger des King of Pop. Sony Music sei zurzeit dabei, die Alben zur Verfügung zu stellen. Die Kunden kaufen momentan alles leer, sagt der Sprecher. Erst Anfang dieser Woche sei wieder Ware herausgegangen.
Noch an Jacksons Todestag veröffentlichte Sony Music The Collection, eine neue Sammlung in einer 5-CD-Box. Dass das Erscheinungsdatum mit dem Todestag zusammenfalle, ist Sony Music zufolge ein Zufall: Wegen einer Vorlaufzeit von zwei bis drei Monaten sei es technisch gar nicht möglich, so schnell auf dieses Ereignis zu reagieren. Zudem fließen Millionen Dollar an Broadcast Music Inc. (BMI). Das Unternehmen ist eine Art amerikanische Gema und nimmt Lizenzgebühren für mehr als 375.000 musikalische Urheber ein. Broadcast Music rechnet mit einer Verdreifachung der Einnahmen für Jacksons Songs.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP
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