03. November 2008 Die Commerzbank nutzt das von der Bundesregierung zur Stabilisierung des Finanzmarktes ins Leben gerufene Programm zur Stärkung ihrer Kapitalbasis. Darauf hat sich die Bank mit dem Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) verständigt. Der Fonds wird der Commerzbank eine stille Einlage in Höhe von 8,2 Milliarden Euro zur Verfügung stellen, teilt die Commerzbank mit . Diese werde komplett auf das Kernkapital angerechnet. Damit schraubt die zweitgrößte deutsche Privatbank ihre Kernkapitalquote auf 11,2 von 7,6 Prozent. Sie liegt nun höher als die der Deutschen Bank, deren Vorstandschef Josef Ackermann Hilfen des Staates vorerst kategorisch ablehnt (Deutsche Bank verzichtet - Ackermann: Wir sind stark genug).
Darüber hinaus wird der Commerzbank-Gruppe als Option eine Garantie für Schuldverschreibungen über 15 Milliarden Euro eingeräumt. Die Bank zahlt dafür nach eigenen Angaben einen marktüblichen Preis - pro Jahr 400 bis 500 Millionen Euro vor Steuern, wie Vorstandschef Martin Blessing am Montag in einer Telefonkonferenz erläuterte. Die Kapitalhilfe werde in zwei Tranchen zu je 4,1 Milliarden Euro mit unterschiedlichen Verzinsungen gewährt. Die stille Einlage soll mittelfristig zurückgeführt werden.
Keine Boni, keine Dividende
In der Pflichtmitteilung der Bank heißt es: Wir machen von den Instrumenten des Pakets Gebrauch, weil dies gut für die Bank, ihre Mitarbeiter und Kunden ist. Die Commerzbank sichert damit ihre Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich ab. Die Kapitalzufuhr in Form stiller Einlagen trage auch den Interessen der Aktionäre Rechnung, denn es finde keine Anteilsverwässerung statt. Mit der stillen Einlage beteiligt sich der Sonderfonds am Geschäft der Bank, ohne Anteilseigner zu werden. Ein stiller Gesellschafter tritt nicht nach außen in Erscheinung.
Die Vereinbarung mit dem Fonds sieht den Angaben zufolge außerdem vor, dass die Commerzbank in den Jahren 2009 und 2010 keine Dividende ausschüttet. Die jährlichen Festbezüge der Vorstandsmitglieder liegen derzeit bei 480.000 Euro und damit unter der von der SoFFin gesetzten Obergrenze in Höhe von 500.000 Euro. Die Gesamtbezüge des Vorstandssprechers werden auf 500.000 Euro begrenzt. Sein Fixgehalt habe bisher 480.000 Euro betragen. Boni werden für 2008 und 2009 nicht gewährt.
Die schärferen Anforderungen durch die Finanzkrise und die Belastungen aus dem Kauf der Dresdner Bank haben die Commerzbank unter den Rettungsschirm des Bundes gezwungen. Wir haben im Moment einen Paradigmenwechsel, der sich vollzieht und Änderungen im Wettbewerbsumfeld, sagte Vorstandschef Blessing weiter. Die Märkte verlangten mehr Eigenkapital von den Banken. Viele internationale Wettbewerber hätten in den letzten Wochen ihre Kapitalbasis mit Hilfe des Staates oder Investoren massiv gestärkt. Entweder mussten wir Wettbewerbsnachteile in Kauf nehmen oder ähnliche Schritte gehen.
Blessing hält an geplanter Dresdner-Übernahme fest
Die Commerzbank geht davon aus, dass sich durch die Kapitalspritze des Bundes an den Plänen für die Übernahme der Dresdner Bank nichts verändert. An den vertraglichen Bedingungen mit dem Dresdner-Mutterkonzern Allianz ändere sich nichts, betonte Blessing in der Telefonkonferenz mit Journalisten. Für Anfang des kommenden Jahres hat die Bank eine Kapitalerhöhung vorgesehen, mit der sie Teile des Dresdner-Deals finanzieren will. Für den ersten Schritt der Transaktion, also den Erwerb der gut 60 Prozent im Januar 2009, hat sie das Geld bereits zusammen. Blessing sagte, die Commerzbank könne die Übernahme auch aus den vom Staat erhaltenen 8,2 Milliarden Euro finanzieren. Es gebe hierfür keine Auflagen der Bundesregierung.
Zum Kapitalbedarf der Dresdner Bank wollte sich Blessing nicht äußern. Auf die Frage, ob die Dresdner ebenfalls Staatshilfe in Anspruch nehmen wolle, antwortete Blessing, er dürfe aus rechtlicher Sicht noch nichts dazu sagen.
Die Bundesregierung hat die Ankündigung der Commerzbank begrüßt. Das stärkt die Bank und schützt Anteilseigner und Arbeitnehmer genauso wie die Kreditversorgung der deutschen Wirtschaft, erklärte der Sprecher des Bundesfinanzministeriums, Torsten Albig, am Montag in Berlin. Er sprach von einem verantwortungsvollen Schritt der Commerzbank, sich unter den Rettungsschirm des Sondervermögens zu stellen.
Finanzwerte an der Börse im Plus
An der Börse profitieren Finanzwerte von der Entscheidung der Commerzbank. Bankenwerte zählten zu den Favoriten im Dax. Kapitalmarktexperte Heino Ruland von FrankfurtFinanz Partner kommentierte: Die Commerzbank schlüpft unter den Rettungsschirm und damit ergibt sich wieder eine höhere Sicherheit in dem Sektor. Das 'Problemkind Interbankenmarkt' dürfte sich damit weiter beruhigen. Andere Banken werden nachfolgen. Aktien der Commerzbank verteuerten sich am Mittag um 6,29 Prozent auf 8,960 Euro.
Die Resonanz auf das Rettungspaket des Bundes ist bislang schwach. Bisher hatten die Bayerische Landesbank und der angeschlagene Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate angekündigt, das Bankenrettungspaket der Bundesregierung in Anspruch nehmen zu wollen. Auch die WestLB und die HSH Nordbank haben Interesse angemeldet.
Verlust im dritten Quartal
Das dritte Quartal 2008 hat die Commerzbank mit einem Verlust von 285 Millionen Euro abgeschlossen, im Vorjahresquartal stand ein Gewinn von 339 Millionen Euro in den Büchern. Das operative Ergebnis lag bei minus 475 Millionen Euro. Im zweiten Quartal hatte das operative Ergebnis 484 Millionen Euro betragen (2007: 361 Millionen Euro).
Der Konzerngewinn der ersten neun Monate 2008 beträgt nach Angaben der Bank 0,9 Milliarden Euro. Im gleichen Zeitraum weist die Bank ein operatives Ergebnis von 444 Millionen Euro aus. Unter Berücksichtigung der im ersten Quartal 2008 angefallenen Restrukturierungsaufwendungen für die Essen Hyp verbleibt ein Ergebnis vor Steuern von 419 Millionen Euro. Im entsprechenden Zeitraum des exzeptionell guten Vorjahres waren es 2,3 Milliarden Euro.
Text: tor./FAZ.NET
Bildmaterial: ddp, dpa, REUTERS
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