Von Hans-Christoph Noack
25. Juli 2008 Moderieren ist seine große Stärke, doch das reicht in diesem Fall augenscheinlich nicht. Stefan Lauer, Personalvorstand der Deutschen Lufthansa, ist in einer schwierigen Lage. Die als Warnstreik bezeichnete Arbeitsniederlegung bei den Konzerngesellschaften Eurowings und Cityline mit fast 1000 gestrichenen Flügen in dieser Woche ist gerade beendet. Nun kommt beim Boden- und Kabinenpersonal der nächste Arbeitskampf. Die Urabstimmung von Verdi endete am Donnerstag, und gerade hat an diesem Freitag die Gewerkschaft in Berlin eine breite Zustimmung verkündet (Streik bei Lufthansa in der Urlaubszeit).
Dass zum Wochenbeginn gestreikt wird und Lufthansa-Flüge ausfallen, darüber haben die Strategen in der Verdi-Zentrale entschieden. Am Mittwoch hatte Lauer noch einen Vorstoß unternommen, den Arbeitskampf abzuwenden. Er appellierte an Verdi, den Tarifkonflikt mit Hilfe eines Schlichters beizulegen. Das wies die Gewerkschaft zurück und teilte mit, der Plan für einen neutralen Schlichter sei nicht neu. Lufthansa habe schon während der Verhandlungen versucht, eine Schlichtung ins Gespräch zu bringen. Nun läuft alles auf einen weiteren Arbeitskampf hinaus, der täglich Millionen kostet.
Kummer gewohnt
Lauer, der seit 2000 dem Konzernvorstand angehört, ist Kummer gewohnt. Schon einmal, im Frühsommer 2001, haben die Piloten mit Streiks wochenlang den Flugbetrieb behindert. Am Ende musste Schlichter Hans-Dietrich Genscher eine Lösung finden, welche die Deutsche Lufthansa im folgenden Geschäftsjahr umgerechnet rund 100 Millionen Euro kostete und das Ergebnis verhagelte. Lauer ging nicht ganz unbeschädigt aus dem Konflikt hervor. Manche in der Fluglinie haben seinen Kurs im Stillen kritisiert. Nun befindet sich der 53 Jahre alte Volljurist wieder zwischen allen Fronten. Die Forderung von Verdi mit 9,8 Prozent hat er mit einem Angebot von 6,7 Prozent für die Bodenmitarbeiter beantwortet. Für das Kabinenpersonal will Lauer die Tarifeinheit herstellen und hat ein gleichwertiges Angebot unter Vorbehalt angekündigt. Die Mehrzahl der Kabinenbeschäftigten ist bei Ufo, einer Abspaltung von Verdi, organisiert. Dort läuft der Tarifvertrag bis Ende des Jahres, was Lauers Angebotsvorbehalt erklärt. Denn er will nicht zwei unterschiedliche Tarifentgelte für die gleiche Arbeit einer Stewardess im gleichen Flugzeug haben. Verdi erklärte darauf die Verhandlungen als gescheitert, weil die Gewerkschaft verlorenes Terrain beim Kabinenpersonal zurückgewinnen will.
Bei den Piloten liegt die Sache anders. Hier will die Vereinigung Cockpit eine nicht öffentlich bezifferte Gehaltserhöhung und - unausgesprochen - die Einführung größerer Regionalflugzeuge bei Cityline nur dann zulassen, wenn die Piloten auf das Niveau der Lufthansa-Passagepiloten angehoben werden. Diesen gordischen Knoten, dessen eine Ende Tariferhöhung und das andere Ende Konzernstrategie heißt, muss Lauer entwirren. Dies dürfte noch schwieriger zu bewältigen sein als die Tarifschlacht von 2000.
Aus dem Büro des Frankfurter OB
1990 kam der ehemalige Büroleiter des Frankfurter Oberbürgermeisters Wolfram Brück (CDU) zu der Fluggesellschaft, zunächst als Leiter der Führungskräftebetreuung. Ein Jahr später ernannte ihn der frühere Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Jürgen Weber zum Leiter seines Zentralbüros. 1994 wurde Lauer Chef der Konzern- und Organisationsentwicklung. Es folgte eine Reorganisationsaufgabe als Chef der Lufthansa Cargo. Im Konzernvorstand ist der dreifache Vater seit fast acht Jahren zuständig für Personal und Dienstleistungen. Der Kunstliebhaber ist Mitglied des Präsidiums der BDA sowie Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Personalführung. In der Vergangenheit hat sich Lauer zu tarifpolitischen Entwicklungen wie den kleinen, aber durchschlagskräftigen Spezialgewerkschaften geäußert. Hier forderte er in einem Gespräch mit dieser Zeitung anlässlich des Lokführerstreiks neue Spielregeln. Es sei wichtig, Regelungen zu finden, damit in Deutschland "keine Verhältnisse wie früher in England" einkehren und kleine und gut organisierte Gewerkschaften mit wenig Aufwand große Streiks mit entsprechender Wirkung organisieren könnten. Nun liegt es auch an ihm, ob sich diese englische Krankheit bei der Lufthansa ausbreiten kann.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Rainer Wohlfahrt
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