28. Juli 2005 Das Rätselraten hat ein Ende: Die vierte Baureihe des Sportwagenherstellers Porsche ist ein viertüriges, viersitziges Sport-Coupe mit dem Namen Panamera.
Dem Projekt, das vom Vorstand des Stuttgarter Autobauers seit Jahren verfolgt wird, erteilte der Aufsichtsrat gestern seine Zustimmung. Für das Auto, das von 2009 an auf die Straße kommen soll, werde Porsche einschließlich der Entwicklungsaufwendungen gut eine Milliarde Euro investieren, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.
Bis zu 1.000 zusätzliche Stellen
Profitieren werden von der Entscheidung die beiden deutschen Produktionsstandorte, das Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen ebenso wie das Werk in Leipzig, wo Porsche bereits den Geländewagen Cayenne sowie den Supersportwagen Carrera GT montiert. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hatte nie Zweifel daran gelassen, daß die Motoren der neuen Baureihe in Stuttgart produziert werden. Das neue Motorenwerk wurde gleich entsprechend groß konzipiert. Inwieweit die Belegschaft dafür Zugeständnisse machen mußte, wird sich zeigen, sobald am Freitag die Details zu dem bereits vor Wochen gefeierten Beschäftigungspakt bekanntwerden.
Insgesamt entstehen in Stuttgart sowie im nahe gelegenen Entwicklungszentrum Weissach durch die vierte Baureihe 400 zusätzliche Stellen. Am Standort Leipzig dagegen seien noch Detailgespräche zwischen Vorstand und Arbeitnehmern notwendig, heißt es bei Porsche. Dabei geht es offenbar um eine Verlängerung des Haustarifvertrags, der eine Laufzeit bis Juli 2006 hat. Sollte das Werk in Leipzig den Zuschlag erhalten, könnten dort rund 600 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. An der bereits vorhandenen Montagehalle würde dann ein größerer Anbau erforderlich sein.
Mittlerweile ist Porsche gut gepolstert
Einen Kooperationspartner unter den Autoherstellern hat Porsche für das Projekt nicht. Wir werden in Weissach für unsere vierte Baureihe eine eigene Plattform entwickeln. Um die Profitabilität zu gewährleisten, werden wir enger als bisher mit Systemlieferanten zusammenarbeiten, wird Wiedeking in der Porsche-Mitteilung zitiert. In der Vergangenheit wurde darüber spekuliert, daß der österreichische Zulieferer Magna Steyr die Karosserie bauen könnte; bestätigt wird das von Porsche aber noch nicht.
Die Zusammenarbeit mit einem anderen Autohersteller wäre für Porsche nicht neu: Beim Geländewagen Cayenne arbeitet das Stuttgarter Unternehmen eng mit dem Volkswagen-Konzern zusammen, der auf der gleichen Plattform den Touareg herstellt. Als Porsche sich in den späten neunziger Jahren für die dritte Baureihe entschied, war der Sportwagenhersteller allerdings weitaus labiler als heute. Die Eigenkapitaldecke war noch dünn, die aus dem laufenden Geschäft geschaffenen Mittel waren bei weitem nicht ausreichend, um den Entwicklungsaufwand von mehreren hundert Millionen Euro zu finanzieren, ohne damit ein großes Risiko für das Unternehmen einzugehen. Mittlerweile hingegen ist Porsche gut gepolstert: Allein 2,8 Milliarden Euro flüssige Mittel standen zum Geschäftsjahresende im vergangenen Sommer in der Bilanz, abzüglich Finanzschulden waren es noch 1,8 Milliarden Euro.
Fertigungstiefe in Leipzig dürfte zunehmen
Der deutsche Anteil an der Wertschöpfung der neuen Baureihe werde bei rund 70 Prozent liegen, sagte Wiedeking. Darin unterscheidet sich der Panamera vom Cayenne, der in wesentlichen Teilen im VW-Werk im slowakischen Bratislava gebaut wird.
Die Fertigungstiefe in Leipzig dürfte nun erheblich zunehmen, wie der Blick auf die Personalplanung zeigt. Während für den Panamera 600 Mitarbeiter gebraucht werden, sind es für die Endmontage des Cayenne in Leipzig nur rund 400 Beschäftigte - obwohl vom Cayenne in diesem Jahr rund 40.000 Fahrzeuge verkauft werden. Porsche will jährlich mindestens 20.000 Panamera verkaufen.
Text: sup., F.A.Z., 28.07.2005, Nr. 173 / Seite 9
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