15. Mai 2008 Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller hat dem zweitgrößten deutschen Geldhaus zu seinem Abschied ehrgeizige Ziele vorgegeben. Kapitalerhöhungen sollen die Kassen für milliardenschwere Übernahmen füllen und es bleibt unser Ziel und unsere Herausforderung, die Commerzbank zur echten Nummer eins auf dem deutschen Bankmarkt zu machen, sagte Müller am Donnerstag auf der Hauptversammlung. Großes Lob gab es von Aktionärsvertretern für den 63-Jährigen, der in den Aufsichtsrat wechselt.
Die Aktionäre sollen die Ermächtigung zu Kapitalerhöhungen erteilen, die sich zusammengerechnet auf bis zu 10 Milliarden Euro belaufen können. Um bei Transaktionen im Zuge einer möglichen Konsolidierung der deutschen Bankenlandschaft Chancen für unsere Aktionäre nutzen zu können, benötigen wir erweiterte Kapitaloptionen, sagte Müller, der mit dem Ende des Aktionärstreffens nach sieben Jahren den Chefposten an Martin Blessing übergibt und an die Spitze des Aufsichtsrats wechseln soll.
Wir müssen optimal vorbereitet sein
Müller betonte, bei den Kapitalmaßnahmen handele es sich um reine Vorratsbeschlüsse, um flexibles Handeln zu ermöglichen. Wir müssen optimal vorbereitet sein, um die Möglichkeiten nutzen zu können, die sich in Zukunft bieten. Dabei habe Preisdisziplin höchste Priorität, versicherte der Manager den rund 2.500 Aktionären in der Jahrhunderthalle in Frankfurt-Höchst.
Das Institut hat ebenso wie die Deutsche Bank Interesse an einer Übernahme der Postbank signalisiert. Zu Spekulation über weitergehenden Zusammenschlüsse wollte sich Müller nicht weiter äußern. Die Bank habe in der Vergangenheit Sondierungsgespräche geführt und werde dies auch in Zukunft tun. Konkrete Ergebnisse gebe es aber nicht.
Am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen
Aktionärsschützer lobten Müller überschwänglich. Der Bank ist es unter seiner Führung gelungen, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen, sagte Carsten Heise von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die DSW werde die Wahl Müllers in den Aufsichtsrat unterstützen, obwohl die Aktionärsschützer einen übergangslosen Wechsel vom Vorstand in das Kontrollgremium grundsätzlich ablehnen. Aber auf eine Wunderwaffe darf kein Aufsichtsrat verzichten, sagte Heise.
Thorsten Krämer, Vertreter des Investors Crocodile Capital, bat Müllers Nachfolger Blessing: Machen Sie auf diesem Weg weiter. Die Kapitalmaßnahmen lehnte er allerdings ab. Aus Sicht seines Hauses mache eine Übernahme der Postbank keinen Sinn. Müller betonte, die Vorschläge seien nicht auf ein spezielles Kaufobjekt ausgerichtet.
Bewegte Zeiten
Ich übergebe die Bank in einer Position der Stärke, betonte Müller. Mit Blick auf die letzten sieben Jahre könne er sich an sehr bewegte Zeiten, an äußerst schwierige Situationen und Momente des Glücks erinnern.
Im vergangenen Jahr hatte das Institut trotz der Krise einen Rekordgewinn von 1,92 Milliarden Euro erwirtschaftet. Im ersten Quartal 2008 war der Konzernüberschuss um 54 Prozent auf 280 Millionen Euro eingebrochen, hauptsächlich infolge neuer Abschreibungen auf minderwertige US-Immobilienkredite. Damit stand die Bank allerdings deutlich besser da als viele Konkurrenten, die teils tiefrote Zahlen berichten mussten.
Text: AP
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