Nach der Teilung

Ungeliebte WestLB

Von Werner Sturbeck

21. August 2007 Eines der Probleme der WestLB ist das zähe Leben von Vorurteilen. Nach wie vor gilt das in den neunziger Jahren noch hinter der Deutschen und der Dresdner Bank folgende Düsseldorfer Kreditinstitut als von der Landesregierung gesteuert und benutzt. Dabei programmierte bereits die 2002 noch rot-grüne Landesregierung in Düsseldorf den Rückzug. Wie auch der Anfang 2004 angetretene, inzwischen abberufene Vorstandsvorsitzende Thomas Fischer den neuen Charakter einer privatwirtschaftlich agierenden Bank propagiert.

Die WestLB AG war 2006 nur noch die Nummer neun im Markt, längst überholt von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW, an Position 6) und der Bayerischen Landesbank (8). Der wesentliche Grund ist die 2002 nach jahrelangem heftigem Druck aus Brüssel erfolgte Teilung der Westdeutschen Landesbank Girozentrale. Die daraus entstandene WestLB AG und die NRW-Bank wären rein rechnerisch zusammen noch so groß wie die LBBW. Jedoch widmen sie sich unterschiedlichen Aufgaben.

Rüttgers hält Abstand zur WestLB

Die staatliche Förderbank NRW-Bank gehört dem Land. Ihr Aufsichtsrat ist entsprechend besetzt. Dagegen wahrt im WestLB-Kontrollgremium einzig Finanzminister Helmut Linsen (CDU) die Vermögensinteressen des Landes, das noch mit 38 Prozent beteiligt ist. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hält großen Abstand zur Bank. Die anderen Aufseher auf der Anteilseignerbank rekrutieren sich überwiegend aus dem Sparkassensektor, dem gut 50 Prozent der Aktien gehören.

Der Gründungsvorstandsvorsitzende Jürgen Sengera hatte 2003 ein Konzept zur Börsenreife der WestLB etwa im Jahr 2007 präsentiert. Wenige Monate später wurden riesige Verluste mit riskanten Finanzierungsgeschäften im angloamerikanischen Raum bekannt, die die WestLB an den Rand des Ruins brachten. Die nordrhein-westfälischen Sparkassen mussten 1,5 Milliarden Euro Eigenkapital nachschießen und lösten dadurch das Land als Großaktionär ab.

Pensionär reaktiviert

Beim Regierungswechsel 2005 in Düsseldorf sah die schwarz-gelbe Koalition den Verkauf der WestLB-Beteiligung für ihre erste Legislaturperiode vor. Für sie war Fischer der neue Hoffnungsträger, der mit seinen Erfahrungen im Vorstand der Deutschen Bank und bei einem LBBW-Vorgängerinstitut die WestLB mittelfristig zu einem wieder attraktiven Verkaufsobjekt machen sollte.

Fischer ist freilich wie seine Vorgänger am jeweiligen Geschäftsmodell gescheitert. Nach rund 5 Milliarden Euro Eigenkapitalverlust in den Jahren 2002 und 2003 vorwiegend aus internationalen Investmentbanking-Geschäften sollte sich die WestLB AG auf Dienstleistungen für Sparkassen und den gehobenen Mittelstand konzentrieren. Dem großen, mit internationalen Geschäften vertrauten Fachkräftestamm wurde die Rolle als europäische Geschäftsbank zugestanden. Das Sparkassengeschäft und der nur schwer zurückzugewinnende Mittelstand aber bringen bei weitem nicht die Erträge, um mit den noch fast 6000 Beschäftigten ein attraktives Ergebnis zu erwirtschaften. Also wurden andere, im Geschäftsmodell nicht vorgesehene Räder gedreht. Nun waren es Spekulationen im Aktien-Eigenhandel, die 2007 einen Verlust in Höhe von 400 Millionen Euro verursachen dürften. Auch diesmal dürfte der ganze WestLB-Vorstand über die neue Affäre stürzen. Mit Fischer-Nachfolger Alexander Stuhlmann haben die Eigentümer für maximal ein Jahr einen Pensionär reaktiviert.



Text: St./F.A.Z., 21.08.2007, Nr. 193 / Seite 13
Bildmaterial: AP, dpa

 
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