Von Ulrich Friese und Michaela Seiser
03. Juli 2009 Für die Deutsche Lufthansa tun sich Probleme bei der geplanten Übernahme von Austrian Airlines (AUA) auf. Die EU-Kommission will das vor Monaten angekündigte Vorhaben genauer unter die Lupe nehmen. Auf die Ankündigung aus Brüssel reagierte die Lufthansa überrascht und Fondsmanager an der Börse enttäuscht. Die Aktie der größten deutschen Fluglinie, die einen Marktwert von rund 4 Milliarden Euro erreicht, verlor am gestrigen Donnerstag zeitweise um 1,5 Prozent.
Die Wettbewerbshüter begründeten ihr Vorgehen mit Bedenken, dass das Vorhaben von Lufthansa und AUA auf einigen Flugstrecken zwischen Wien und Frankfurt zu höheren Ticketpreisen und verringertem Flugangebot führe. Sie kündigten deshalb eine genauere Untersuchung an, die bis zu 90 Tage dauern kann. Der Aufschub bringt die Manager beider Fluglinien in die Bredouille. So hatte die Lufthansa ursprünglich eine Genehmigung mit Auflagen bis zum 1. Juli erwartet. Dabei hatte der Anbieter aus Frankfurt beim geplanten Kauf des verlustreichen Konkurrenten aus Wien eine Genehmigung der EU-Kommission bis zum 31. Juli vertraglich vereinbart. Wird diese Bedingung nicht erfüllt, kann die Lufthansa vom Kauf zurücktreten. Damit wäre die Existenz der sanierungsreifen Nationallinie bedroht.
Nervosität in der Chefetage der AUA
Die Nervosität in der Chefetage der AUA ist daher entsprechend groß. Eigentümern und Managern der maroden Gesellschaft bereitet nicht nur das wettbewerbsrechtliche Verfahren, sondern auch die Untersuchung der staatlichen Restrukturierungsbeihilfen“ durch die Republik Österreich von einer halben Milliarde Euro Probleme. Die Ergebnisse beider Verfahren sollen in den nächsten Wochen gleichzeitig verkündet werden, heißt es in Brüssel. Hinzu kommt, dass durch die überraschende Insolvenz der Billigfluglinie Sky Europe die kritisch beäugte Zusammenarbeit von Lufthansa und AUA zusätzliche Brisanz erhält. Bislang nutzte Sky Europe den Flughafen Wien als Drehkreuz und war einer der wichtigsten nationalen Konkurrenten. Österreichischen Regierungsvertretern galt der Billigflieger als Beleg dafür, dass es auch nach der AUA-Übernahme zu keinen Wettbewerbsverzerrungen kommen werde. Doch mit dem plötzlichen Aus für Sky Europe“ fällt dieses Argument fällt weg.
Je länger sich die Genehmigung der EU hinzieht, umso schwieriger wird die finanzielle Lage der AUA. So können die 500 Millionen Euro an Staatsbeihilfen erst dann fließen, wenn die EU den Zuschuss formal absegnet. Die hochverschuldete Staatslinie fuhr im vergangenen Jahr einen Verlust von fast 430 Millionen Euro ein. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres fiel ein weiterer Minusbetrag von 88 Millionen Euro an.
Ein neuer Investor ist nicht in Sicht
Sollte die Übernahme durch die Lufthansa scheitern, würde die AUA nach den Notfall-Plänen ihres Managements drastisch schrumpfen. Damit stünde auch ein Großteil der rund 8000 Arbeitsplätze zur Disposition. Ein neuer Investor ist nicht in Sicht. Dass der Verkauf an die Lufthansa an zu harten Auflagen der EU-Wettbewerbshüter scheitern könnte, sorgt in Österreich für Unruhe. Der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) Christoph Leitl wies am Donnerstag auf die nationale Dimension des Vorhabens hin. Danach gehe es um viel mehr als 'nur' um die AUA“. Die Qualität des Wirtschaftsstandorts Österreichs stehe auf dem Spiel.
Vergleichsweise gelassen gibt sich Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ): Ich glaube, dass die nächsten zwei Wochen Klarheit bringen werden", sagte er nach der jüngsten Hiobsbotschaft aus Brüssel. So habe ihm EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso zugesagt, dass er sich persönlich um das brisante Vorhaben zwischen Lufthansa und Aua kümmern werde. Die selbstbewussten Worte des Regierungschefs sorgten bei der Brüsseler Behörde für Irritationen. Dort wurde moniert, dass namhafte Politiker aus Wien die Kartellbehörde auf diese Weise öffentlich unter Druck setzen wollten.
Ähnlich verärgert reagierten Mitarbeiter von Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes auf die Kritik von Bernard Gustin, dem Geschäftsführer der belgischen Fluglinie Brussels Airlines. Der forsche Luftfahrtmanager geißelte die Prüfungen der EU-Kommission in einem Gespräch mit dieser Zeitung als ein Ärgernis“ und einen quälenden Prozess“, der notleidende Fluglinien in Existenznöte bringen könnte. (F.A.Z. vom 24. Juni). Gustins Worte wurden von der Behörde in Brüssel als Warnung verstanden, die seit Monaten verhandelte Übernahme der AUA durch die Lufthansa nicht zu verzögern. Doch der erhoffte Effekt blieb aus. Allen Interventionen der Beteiligten zum Trotz kündigte die EU-Kommission jetzt eine weitere Prüfung der AUA-Übernahme an.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP
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