Commerzbank durchsucht

22. Juli 2005 Bei Ermittlungen zu einem internationalen Fall von Geldwäsche sind in Zürich und Zug Hausdurchsuchungen durchgeführt und Daten sichergestellt worden. Im Mittelpunkt steht offenbar die Commerzbank AG, über die Gelder ehemaliger russischer Staatsbetriebe gewaschen wurden. Wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Frankfurt sagte, ermitteln die Behörden derzeit gegen eine Reihe von Verdächtigen in mehreren europäischen Staaten, darunter auch die Schweiz, Liechtenstein und Zypern. Eine nicht näher beschriebene Tätergruppierung soll Vermögenswerte aus ehemaligen russischen Staatsbetrieben veruntreut und über Scheingesellschaften, verdeckte Treuhandverträge und Beteiligungsverhältnisse in verschiedene öffentliche Fonds überführt haben.

Mit den Geldern wurden weitere Beteiligungen an russischen Wirtschaftsunternehmen erworben. Die aus einer in Frankfurt sitzenden Gesellschaft operierenden Täter sollen über dieses System bereits seit mehreren Jahren Gelder gewaschen haben. Über die Höhe der Summe machte die Frankfurter Staatsanwaltschaft keine Angaben. Sie bestätigte aber, daß im Lauf des Verfahrens bereits Durchsuchungen bei der Commerzbank in Frankfurt und bei einem Verwalter von vier Anlagefonds stattgefunden hätten. Verhaftungen gab es bislang nicht. Die Commerzbank bestätigte, daß am 19. und 20. Juli 2005 von der Frankfurter Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Geldwäsche gegenüber fünf aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern Durchsuchungen in den Geschäftsräumen der Bank stattgefunden haben. Es handele sich um einen Fall, der mehrere Jahre zurückliegt. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt werde die Bank keine weitere Stellungnahme abgeben, da das Verfahren nicht abgeschlossen ist, hieß es weiter. Zudem wurden im Rahmen eines Rechtshilfeverfahrens insgesamt sechs Rechtsanwalt- und Treuhandbüros in Zürich und Zug durchsucht.

Die umfangreichen Ermittlungen stehen im Zusammenhang mit einem Justizstreit um den Besitz eines Aktienpakets von Megafon, einem der größten Mobilfunkbetreiber Rußlands. Gemäß Medienberichten sind in die Auseinandersetzung die private russische Alfa-Gruppe sowie ein Fond namens IPOC verwickelt, von dem es heißt, er werde über einen dänischen Anwalt vom russischen Telekom-Minister Leonid Reiman kontrolliert. Sowohl die Alfa-Gruppe als auch IPOC beanspruchen Eigentümerschaft an Megafon. Mit dem Fall beschäftigte sich im vergangenen Jahr auch ein Zürcher Schiedsgericht. Allerdings war hier die Alfa-Gruppe nicht Partei, sondern die LV Finance, welche die umstrittene Megafon-Beteiligung hielt.

Text: F.A.Z., 23.07.2005, Nr. 169 / Seite 17

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