Auto-Show Detroit

Die Autobranche trifft sich unter besseren Vorzeichen

Detroit Auto Show 2004 - Mercedes-Benz SLR McLaren

Detroit Auto Show 2004 - Mercedes-Benz SLR McLaren

08. Januar 2004 Die Automesse in Detroit steht in diesem Jahr unter deutlich besseren Vorzeichen als 2003. Das vergangene Jahr war für die Autobauer weitaus erfolgreicher als vor zwölf Monaten befürchtet. Damals sagten viele Fachleute eine deutliche Eintrübung des Geschäfts insbesondere auf dem amerikanischen Markt voraus. Zwar startete die Branche tatsächlich schwach in das Jahr 2003, im weiteren Verlauf entwickelte sich das Geschäft aber immer besser.

Dabei gab es auch wieder Hoffnungsschimmer für die drei einheimischen Unternehmen General Motors (GM), Ford und die zum Daimler-Chrysler-Konzern gehörende Chrysler-Gruppe. Die drei Hersteller konnten im November ihren Marktanteil in Amerika leicht auf 59,5 Prozent ausbauen. In den vergangenen Jahren hatten die Amerikaner kontinuierlich gegenüber den europäischen und insbesondere den japanischen Wettbewerbern an Boden verloren.

Der Gesamtabsatz in Amerika für das Jahr 2003 wird wahrscheinlich nur wenig unter dem Niveau von 2002 liegen, als 16,8 Millionen Fahrzeuge verkauft wurden. Die meisten Expertenschätzungen liegen zwischen 16,5 und 16,7 Millionen Einheiten. Bisher sprechen alle Anzeichen dafür, daß auch das Geschäft im Dezember positiv verlaufen ist. Die endgültigen Verkaufszahlen werden am kommenden Montag erwartet.

Optimismus an der Börse

Für das laufende Jahr sind die Prognosen noch einmal deutlich zuversichtlicher. Branchenkenner zählen auf eine fortdauernde Konjunkturerholung und erwarten zum ersten Mal seit drei Jahren einen Anstieg der Absatzmenge. Die Prognosen liegen im Schnitt bei mehr als 17 Millionen Stück. Der Optimismus wird auch an der Wall Street geteilt. Die Aktien von Autoherstellern gehörten im vergangenen Jahr zu den großen Gewinnern und legten insbesondere vom Sommer an deutlich zu. Das Papier von Ford gewann im vergangenen Jahr mehr als 70 Prozent an Wert, GM und Daimler-Chrysler legten um mehr als 50 Prozent zu. Zahlreiche Analysten haben ihre Anlageurteile für Autohersteller in jüngster Zeit nach oben korrigiert.

Die Ergebnisrechnungen der Autohersteller lösen aber noch immer keine Begeisterung aus. So hatten es Ford und GM in ihren Berichten zum dritten Quartal nur den Finanzdienstleistungssparten zu verdanken, daß die Konzernergebnisse noch vorzeigbar waren. GM verzeichnete auf dem nordamerikanischen Automarkt gegenüber dem Vorjahr einen Gewinneinbruch um drei Viertel, Ford rutschte sogar tief in die Verlustzone. Chrysler konnte zwar nach einem hohen Verlust im zweiten Quartal wieder einen operativen Gewinn ausweisen. Ob aber das Ziel, im Gesamtjahr einen Gewinn zu erwirtschaften, erreicht wird, ist fraglich.

Rabattniveau nicht durchzuhalten

Die Autohersteller haben sich im vergangenen Jahr ihre Absatzzahlen mit nochmals höheren Rabatten erkauft, die die Ergebnisse belasteten. Das Marktforschungsinstitut CNW Research beziffert den Wert von Rabatten und anderen Finanzierungsinstrumenten für die ersten elf Monate auf 55,8 Milliarden Dollar. Das liegt um 16 Prozent über dem Wert des Vorjahreszeitraums. Die Kaufanreize haben nun im Schnitt 13 Prozent der Neuwagenpreise erreicht. Allein die drei amerikanischen Hersteller haben der Erhebung zufolge 36 Milliarden Dollar für Rabatte ausgegeben.

Es gilt als offene Frage, ob die Autoindustrie es schafft, das hohe Rabattniveau im kommenden Jahr nennenswert zu reduzieren. Für die Profitabilität der Autobauer ist dies aber entscheidend. Die Analysten von Standard & Poor's schreiben in einer gerade veröffentlichten Studie, daß das derzeitige Rabattniveau in der Industrie nicht durchzuhalten sei. Anzeichen für eine Senkung der Rabatte gibt es bislang nicht. Auch im Weihnachtsgeschäft gaben die Hersteller weiterhin großzügig Preisnachlässe.

Amerikaner konzentrieren sich auf Personenwagen

In Detroit werden die Unternehmen versuchen, mit neuen Produkten vom Preiskampf abzulenken. Die amerikanischen Autobauer werden in diesem Jahr einen Schwerpunkt auf Personenwagen legen. Hier ist ihr Marktanteil mittlerweile unter 50 Prozent gesunken, weil die japanischen Wettbewerber an Boden gewonnen haben. GM wird ein neues Modell der Marke Corvette vorstellen, Ford bringt eine neue Version des Mustang.

Japaner setzen auf SUVs und Minivans

Auf der anderen Seite werden die japanischen Hersteller ihre Bemühungen fortsetzen, den Amerikanern bei Transportautos wie Sport-Utility-Vehicles, Minivans oder Pick-up-Kleinlastern Konkurrenz zu machen. Honda wird beispielsweise zum ersten Mal ein Pick-up-Modell vorstellen. In diesen sehr profitablen Kategorien dominieren die Amerikaner heute noch klar. Um so mehr gilt für sie der Vormarsch der japanischen Hersteller als eine der größten Bedrohungen.

Standard & Poor's erwartet, daß Marktanteile und Gewinnmargen der amerikanischen Hersteller in diesem Bereich sinken werden. Insgesamt will die Autoindustrie in Detroit nach bisherigen Angaben in diesem Jahr 67 neue Modelle und damit sechs mehr als im vergangenen Jahr zeigen. In dieser Zahl sind auch die sogenannten Konzeptautos enthalten, bei denen noch nicht entschieden ist, ob sie tatsächlich auf den Markt kommen werden. Auch alle deutschen Autobauer (mit Ausnahme der zu GM gehörenden Marke Opel) werden in Detroit vertreten sein.

Auto-Show in Detroit

Die North American International Auto Show in Detroit wird an diesem Sonntag eröffnet, ist allerdings an den ersten drei Tagen nur für Journalisten zugänglich. Am 7. und 8. Januar sind die Messehallen für Fachbesucher aus der Automobilindustrie reserviert, die breite Öffentlichkeit hat vom 10. bis 19. Januar Zugang. Die Messe pumpt nach Schätzung der Organisatoren mehr als 550 Millionen Dollar in die Wirtschaft der Region um Detroit. Im vergangenen Jahr kamen 811 000 Besucher, knapp 7 Prozent mehr als im Jahr davor. In diesem Jahr hoffen die Organisatoren auf eine weitere deutliche Steigerung. Die Veranstaltung wurde im Jahr 1907 zum ersten Mal ausgetragen und findet in diesem Jahr zum achtundachtzigsten Mal statt.



Text: lid./Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.01.2004, Nr. 2 / Seite 13
Bildmaterial: AP, REUTERS

 

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