Kreditkartenunternehmen

Visa plant größtes Börsendebüt

25. Februar 2008 Der weltgrößte Kreditkartenanbieter Visa wird bei seinem geplanten Börsengang möglicherweise Aktien im Wert von knapp 19 Milliarden Dollar emittieren. Das teilte Visa am Montagabend in einer Meldung an die amerikanische Börsenaufsicht SEC mit.

Damit wäre Visa der größte Börsendebütant in der amerikanischen Aktiengeschichte. Den bisherigen Rekord bei einer Erstemission hält das Mobilfunkunternehmen AT&T Wireless, das 2000 bei seinem Börsengang 10,6 Milliarden Dollar einsammelte.

Volumen übertrifft bisherige Erwartungen

Das Volumen des geplanten Visa-Börsendebüts übertrifft die bisherigen Erwartungen deutlich. Im November hatte Visa in einer Mitteilung an die SEC noch von rund 10 Milliarden Dollar gesprochen. Visa will insgesamt 406 Millionen Aktien zum Preis von 37 Dollar bis 42 Dollar emittieren.

Bei starker Nachfrage haben die Emissionsbanken die Option, weitere 40,6 Millionen Aktien zu erwerben. Ein genauer Zeitpunkt für den Börsengang steht noch aus. Erwartet wird er allerdings noch in diesem Frühjahr. Heimatbörse wird die New York Stock Exchange sein, wo Visa-Aktien unter dem Kürzel V gehandelt werden sollen. Mastercard, der nächstgrößte Konkurrent von Visa, war im Mai 2006 an die Börse gegangen. Der Aktienkurs des Unternehmens hat sich seither verfünffacht. Der kleinere Rivale erlöste damals 2,4 Milliarden Dollar.

Im Eigentum von mehr als 10.000 Banken

Zur Zeit gehört Visa seinen weit über 10.000 Mitgliedsbanken. Gemäß dem bei der SEC eingereichten Angebot stehen gut die Hälfte aller Visa-Aktien zum Verkauf. Der Konzern sei der weltweit führende Anbieter im elektronischen Zahlungsverkehr, heißt es in den Unterlagen.

Der tatsächliche IPO-Erlös hängt vom endgültigen Ausgabepreis ab, der entsprechend der Nachfrage noch exakt festgelegt werden muss. Die Rekordsumme von 19 Milliarden Dollar würde auch die Ausgabe der zusätzlichen Aktien beinhalten. Dann wäre es laut Finanzdatenanbieter Bloomberg der weltweit zweitgrößte Börsengang hinter der chinesischen Bank ICBC im Jahr 2006.

Visa kommt auf knapp doppelt so viele Zahlungstransaktionen im Jahr wie der größte Wettbewerber Mastercard. Seit der Erstnotiz von Mastercard im Mai 2006 hat sich der Aktienkurs rund verfünffacht auf zuletzt über 203 Dollar. Mastercard ist damit an der Börse knapp 27 Milliarden Dollar wert. Am Montag gab die Mastercard-Aktie im frühen Handel leicht nach.

Keine Änderung in Europa

Erste offizielle IPO-Schritte unternahm Visa bereits im vergangenen Sommer. Als börsennotiertes Unternehmen wäre der Anbieter unabhängiger und könnte leichter Kooperationen eingehen. In Europa soll Visa im Besitz der Mitgliedsbanken bleiben und als Lizenzpartner des börsennotierten amerikanischen Unternehmens arbeiten.

Erst im Herbst hatte sich Visa nach einem jahrelangen Kartellstreit mit seinem Konkurrenten American Express auf einen Vergleich mit einer milliardenschweren Zahlung an den Rivalen geeinigt. Der Wettbewerber hatte Visa vorgeworfen, ihn bei Banken in illegaler Weise blockiert zu haben.

Visa verdoppelte im Schlussquartal 2007 seinen Konzerngewinn auf 424 Millionen Dollar bei 1,4 Milliarden Dollar Umsatz. Mastercard verdiente auch durch hohe Gewinne aus einem Anteilsverkauf 304 Millionen Dollar bei einem Umsatz von 1,1 Milliarden Dollar.



Text: nks./F.A.Z., dpa
Bildmaterial: Visa

 
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