Dresdner Bank, Commerzbank und Postbank

Gedankenspiele über eine Dreierallianz

Von Daniel Schäfer und Marcus Theurer

28. März 2008 Noch ist es nur die Gerüchteküche, die in der deutschen Finanzbranche so stark brodelt wie schon lange nicht mehr. Doch bald könnte aus den von Investmentbankern und Medien durchexerzierten Sandkastenspielen rund um Fusionen und Übernahmen in der deutschen Bankbranche Realität werden. Denn der Münchener Finanzkonzern Allianz arbeitet fieberhaft an einer Lösung für die wenig erfolgreiche Dresdner Bank. Zu schmerzhaft sind die Milliardenabschreibungen bei der Investmentbanksparte Dresdner Kleinwort mittlerweile für den größten deutschen Versicherer. Die Allianz hat die Dresdner Bank vor sieben Jahren für mehr als 24 Milliarden Euro gekauft.

Zu den zahlreichen Fusionsszenarien, die derzeit öffentlich diskutiert werden, gesellt sich nun eine weitere Variante: In der Bankbranche wird nach Informationen der F.A.Z. über einen lange Zeit undenkbaren „großen Wurf“ gesprochen: eine Dreierallianz, bestehend aus Commerzbank, Dresdner Bank und der Deutschen Postbank. Bislang sind es Planspiele, entsprechende Verhandlungen hat es noch nicht gegeben.

Doch in der Allianz-Zentrale in München diskutieren Vorstandschef Michael Diekmann und seine Kollegen offenbar dieses Szenario, das die deutsche Bankenlandschaft grundlegend verändern würde. Das Modell würde vorsehen, die Dresdner Bank als Sacheinlage in die Commerzbank einzubringen. Das so neu formierte Institut würde mit der Allianz als Großaktionär anschließend eine Mehrheit an der demnächst zum Verkauf stehenden Postbank erwerben.

Diekmann: “Es  ist schon länger klar, dass das Bankgeschäft entweder gestärkt... Postbank-Vorstandsvorsitzender Klein: “Wir brauchen Klarheit“ Ist für den Vorstandschef der Dresdner Bank Herbert Walter noch Platz in der ... Der künftige Commerzbank Vorstandschef Blessing kennt die Dresdner Bank aus f...

Die größte deutsche Filialbank könnte entstehen

Dadurch würde eine zweite große Bankenmacht neben der Deutschen Bank und zugleich die mit mehr als 26 Millionen Kunden größte deutsche Filialbank entstehen. Der Allianz-Vorstand rund um Diekmann weiß, dass ein simples „Weiter so“ angesichts der wenig fruchtbaren Zusammenarbeit mit der Dresdner Bank nicht möglich ist. „In der Allianz ist schon seit einem Jahr klar, dass das Bankgeschäft entweder gestärkt oder abgestoßen wird“, heißt es in Konzernkreisen. Für beide Varianten hat sich der Allianz-Konzern vor zwei Wochen gerüstet, indem er die Aufspaltung des Geldhauses in die Investmentbank Dresdner Kleinwort sowie den Privat- und Geschäftskundenbereich beschloss. Die Sparten sind künftig organisatorisch getrennt, und für beide wird über unterschiedliche Lösungsmodelle diskutiert.

Am ambitioniertesten, weil mit einem enormen Kraftakt und einem riesigen Integrationsaufwand verbunden, wäre sicherlich ein Dreierbündnis. Schon vor acht Jahren, im Sommer 2000, ist der Versuch einer Fusion von Dresdner Bank und Commerzbank gescheitert. Auch damals war die Allianz bereits involviert. Hinzu kommt dass die Allianz sowohl über die Filialen der Postbank als auch über die der Commerzbank ihre Versicherungspolicen nicht ohne weiteres verkaufen könnte. Die Postbank ist exklusiv und langfristig an Talanx und HUK-Coburg gebunden, die Comerzbank ist mit AMB Generali verbandelt. Die Konkurrenten müssten deshalb von der Allianz teuer ausgekauft werden.

Bisher keine ernsthaften Gespräche zwischen den Banken

Dennoch hätte das Dreierbündnis für Diekmann den Charme, dass er Zugriff auf die sehr gut zur Allianz passenden - weil eher dem Massensegment zugehörigen - Kunden der Postbank hätte. Im Konzern heißt es, die Allianz habe mit der Dresdner Bank und ihrer eher gehobenen Privatklientel eigentlich die falsche Bank gekauft. Mit einem Erwerb der Postbank oder gar der Kombination aus Postbank und Commerzbank würde die Allianz Zugriff auf eine Massenkundschaft haben.

Noch ist alles in einem sehr frühen Stadium. Ernsthafte Gespräche zwischen den Banken hat es noch nicht gegeben. Und bislang hat der neue Vorstandschef der Deutschen Post, Frank Appel, kein grünes Licht für einen Verkauf der Mehrheitsbeteiligung an der Postbank gegeben. Die in den vergangenen Monaten mit inoffiziellen Sondierungen beschäftigte Investmentbank Morgan Stanley hat noch kein Mandat für einen Verkaufsprozess. Der Postbank-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Klein hatte jedoch kürzlich im Gespräch mit dieser Zeitung auf eine rasche Lösung gedrängt: „Wir brauchen Klarheit.“

Klein wäre einer Verbindung mit der Dresdner Bank wohl nicht abgeneigt. Dem vormaligen Dresdner-Bank-Manager käme in einer neugeformten Bankeinheit mit der Allianz als Großaktionär eine führende Rolle zu. Auch der künftige Commerzbank-Vorstandssprecher Martin Blessing kennt die Dresdner Bank aus seiner Zeit als Chef der ehemaligen Advance Bank gut. Dass für den jetzigen Dresdner-Bank-Vorstandsvorsitzenden und Allianz-Bankvorstand Herbert Walter in dieser Kombination Platz wäre, wird in Bankenkreisen angezweifelt. Doch auch ein Verkauf der Dresdner Bank ist nicht ausgeschlossen. In der Allianz gab es bereits Überlegungen, die Dresdner an die italienische Großbank Unicredit und deren deutsche Sparte Hypo-Vereinsbank (HVB) weiterzureichen. Im Gegenzug wollte die Allianz mit den europäischen Unicredit-Filialen im Versicherungsvertrieb kooperieren.

Erster Verkaufsversuch der Allianz bereits im vergangenen Herbst

Um die durch die Krise auf den internationalen Finanzmärkten schwer gebeutelte Investmentbank Dresdner Kleinwort ranken sich ebenfalls Spekulationen. Ein Verkauf käme der Allianz gelegen, doch ein Käufer für das unrentable und in ihrer Marktpositionierung unattraktive Haus ist kaum zu finden. Nach Informationen dieser Zeitung hat die Allianz im Herbst vergangenen Jahres einen ersten Verkaufsversuch gestartet. Die Verhandlungen mit dem auf die Finanzbranche spezialisierten amerikanischen Beteiligungsfonds JC Flowers scheiterten allerdings an unterschiedlichen Preisvorstellungen. Flowers hatte kürzlich mit dem chinesischen Staatsfonds CIC über eine milliardenschwere gemeinsame Beteiligungsstrategie verhandelt.

Vielleicht erklärt sich durch diese Verbindung ein von den Chinesen prompt dementierter und auch in Konzernkreisen schon aus politischen Gründen als wenig plausibel bezeichneter Bericht der „Süddeutschen Zeitung“, wonach CIC mit der Allianz über einen Komplettkauf der Dresdner Bank verhandle. Als weitere Variante für das in der Dresdner Kleinwort gebündelte Großkunden- und Kapitalmarktgeschäft steht eine direkte Abspaltung (“Spin-off“) an die Börse zur Debatte. Dabei würden die Aktien des neuen Unternehmens unter den Allianz-Aktionären verteilt. Dagegen freilich spricht das derzeit äußerst ungünstige Kapitalmarktumfeld.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp, Henning Bode, REUTERS

 
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