Von Hans-Christoph Noack
20. November 2007 Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin hat in den ersten neun Monaten Umsatz und Gewinn gesteigert. Dennoch zeigte sich Joachim Hunold, Vorstandsvorsitzender der Fluglinie, am Dienstag in einer Telefonkonferenz nur bedingt zufrieden mit dem Erreichten. Zwar stiegen die Zahl der beförderten Passagiere um 12 Prozent, die Auslastung der Flugzeuge um 2,3 Prozentpunkte, der Umsatz um sieben Prozent, und der Nettogewinn erreichte mit rund 60 Millionen Euro einen Spitzenwert. Der Umsatz wuchs von 799,9 Millionen auf 857,6 Millionen Euro (plus 7,2 Prozent), das Ergebnis vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und Leasingkosten (Ebitdar) stieg um 12,5 Prozent von 155,4 auf 174,8 Millionen Euro.
Doch die verzögerte Integration der für 140.000 Euro (zuzüglich Schulden) übernommenen Ferienfluggesellschaft LTU führte zu höheren Kosten und verschlechterte die Auslastung der Flugzeuge. Weil notwendige Schritte - wie die Abstimmung der Flugpläne - wegen der Kartellamtsentscheidung erst später als geplant umgesetzt werden konnten, gingen die Kennzahlen wie der Umsatz je Passagier und der Erlös je angebotenen Sitzplatzkilometer leicht zurück. Er fiel um vier Prozent auf durchschnittlich 106 Euro.
Nur am unteren Ende unserer Planungen
Finanzvorstand Ulf Hüttmeyer sieht allerdings den Boden für den Verfall der Durchschnittserlöse gekommen. Der Erlös je angebotenem Sitzplatzkilometer (Yield) verringerte sich von 5,84 auf 5,77 Cent um 1,2 Prozent. In den beiden letzten Monaten dieses Jahres rechnet er mit einer Stabilisierung, spätestens soll sie im ersten Quartal des neuen Jahres einsetzen.
Trotz des guten Ergebnisses im dritten Quartal liegen die Neunmonatszahlen nur am unteren Ende unserer Planung, sagte Hunold. Die LTU-Integration führte zu 13,2 Millionen Euro Aufwand für einmalige Restrukturierungen. Parallelflüge von Air-Berlin- und LTU-Flugzeugen hätten nicht mehr zusammengelegt werden können. Hüttmeyer schloss nicht aus, dass die veranschlagten 20 Millionen Euro für die Integration von LTU übertroffen werden könnten. Allerdings summierten sich die Synergien, die bisher identifiziert worden seien, bis Ende 2008 auf rund 80 Millionen Euro. Im kommenden Jahr plant Air Berlin einen eher bescheidenen Passagierzuwachs von fünf bis 6,5 Prozent auf etwas mehr als 30 Millionen Fluggäste. Die Fluggesellschaft will sich auf die Steigerung der Profitabilität konzentrieren. Das Jahr 2008 wird das Jahr der Ergebnisverbesserung, betonten Hunold und Hüttmeyer in ihren Reden.
Durch effizientere Ausnutzung der Kapazitäten und des Personals, durch den Wegfall von Marktingaufwendungen für LTU sowie durch Streichung von unrentablen Strecken und nicht mehr passenden Flughäfen soll sich der Gewinn verbessern, damit der Kurs der Aktie sich auch wieder belebt. Der Wert der Air-Berlin-Aktie hat sich in den letzten sechs Monaten nahezu halbiert. Er verbesserte sich am Dienstag leicht auf etwas mehr als 10 Euro.
Keine Belastungen durch die Treibstoffkosten
Gegenwärtig sieht Hüttmeyer keine Belastungen durch die Treibstoffkosten im kommenden Jahr. Der Bedarf für die Konzernflotte sei durchschnittlich zu 55 Prozent gesichert. Durch die erhobenen Treibstoffzuschläge würde der Mehraufwand zu fast 100 Prozent auf die Fluggäste überwälzt, sagte Hüttmeyer.
Nachdem für die ersten neun Monate nun 31 Millionen Euro Gewinn erreicht wurden - das sind 3 Millionen weniger als im Vorjahreszeitraum -, liegt das Augenmerk des Vorstands auf dem Integrations- und Konsolidierungsprozess im kommenden Jahr. Schließlich wird - wenn das Kartellamt zustimmt - 2009 die Fluggesellschaft Condor übernommen. Dann kämen nicht nur neue Ziele und rund 30 Flugzeuge mehr hinzu. Die Zahl der Passagiere dürfte nach Aussage von Hüttmeyer dann 40 Millionen betragen. Die Lufthansa hatte - zum Vergleich - im vorigen Jahr eine Passagierzahl von 53,4 Millionen erzielt, einen Rekord für das Unternehmen.
Text: F.A.Z., 21.11.2007, Nr. 271 / Seite 14
Bildmaterial: ddp
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