23. Oktober 2008 Die schlechten Quartalszahlen von American Express waren womöglich nur ein erstes Warnsignal: Auf die Vereinigten Staaten könnte eine Welle weiterer Kreditausfällen zurollen, die den angeschlagenen Banken zusätzliche Verluste in Milliardenhöhe bescheren würden. Betroffen wären nicht nur führende Kreditkartenemittenten wie J.P. Morgan Chase oder die Bank of America, sondern auch Investoren aus der ganzen Welt, die mit Forderungen aus Kreditkartendarlehen besicherte Wertpapiere gekauft haben.
Amerikanische Haushalte schieben derzeit rund 950 Milliarden Dollar Schulden, die durch Kreditkartenzahlungen entstanden sind, vor sich her – und es gibt schon Hinweise darauf, dass sich die Zahlungsmoral wegen der angespannten Finanzlage vieler Familien und aufgrund des Anstiegs der Arbeitslosigkeit verschlechtert. Wie die Ratingagentur Moody’s mitteilt, hat sich der Anteil jener Kreditkartenschulden, die von den Banken als uneinbringlich abgeschrieben werden, zwischen August vergangenen Jahres und August dieses Jahres von 4,61 Prozent auf 6,82 Prozent erhöht – das entspricht einem Anstieg von 48 Prozent. 4,6 Prozent der Kreditkarteninhaber waren mit ihren Zahlungen 30 Tage oder mehr in Verzug, verglichen mit 3,83 Prozent im August 2007.
Es wird noch schlechter werden
In Amerika ist es nicht üblich, dass Kreditkartenumsätze am Monatsende per Lastschrift vollständig eingezogen werden; stattdessen bekommen die Kunden eine Rechnung geschickt, auf der die Gesamtschulden und ein fälliger Mindestbetrag für die Rückzahlung vermerkt sind. Das sind häufig rund 10 Prozent der ausstehenden Summe.
Wir haben den Höhepunkt der Ausfälle noch nicht gesehen. Es wird noch schlechter werden, bevor sich die Dinge zum Besseren wenden“, sagt William Black von Moody’s. Die Ratingagentur, die viele der Wertpapiere benotet, die mit Kreditkartenforderungen verbrieft wurden, ist pessimistisch für die kommenden Monate: Die Arbeitslosenquote werde bis zum vierten Quartal 2009 von derzeit 6,1 Prozent auf 7,3 Prozent klettern. Damit werde sich die Abschreibungsquote der Kreditkartengesellschaften auf 8,5 Prozent der ausstehenden Schulden erhöhen.
Damit droht sich nun auch bei den Kreditkarten zu rächen, was zum Kollaps des Marktes für zweitklassige Hypothekendarlehen geführt hat: eine Aufweichung der Darlehensstandards und eine aggressive Expansionspolitik der Kreditkartengesellschaften, die viele Kunden zu einer höheren Verschuldung ermuntert haben. Als Schwierigkeit kommt hinzu, dass die Gesellschaften fast über keine Sicherheiten verfügen, im Gegensatz zu den Hypothekendarlehen, wo zumindest die Immobilie als Sicherheit dient. Allerdings bleibt es dabei, dass die überwiegende Anzahl der Kreditkarteninhaber ihre Schulden pünktlich und vollständig zurückzahlt. Der durchschnittliche Darlehensbetrag beträgt 1673 Dollar.
Fed will Verbraucher vor immer mehr Schulden schützen
Die amerikanische Notenbank Federal Reserve und der Kongress planen seit einiger Zeit, Verbraucher besser zu schützen und davor zu bewahren, immer mehr Schulden anzuhäufen. Die Fed beispielsweise hat vorgeschlagen, dass Strafgebühren für verspätete Zahlungen erst nach 21 Tagen erhoben werden dürfen und nicht mehr, wie derzeit üblich, schon nach einigen Tagen. Der Kongress will erreichen, dass eine Erhöhung des Kartenzinses nur für künftige Umsätze gilt und nicht für solche, die schon getätigt wurden. Wann diese strengeren Vorschriften in Kraft treten werden, ist allerdings noch nicht klar.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: REUTERS
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