Kraftwerke

Gasprom drängt auf den deutschen Strommarkt

Von Andreas Mihm

Gemeinsam mit Eon will Gasprom ein Gaskraftwerk in Lubmin an der Ostsee bauen

Gemeinsam mit Eon will Gasprom ein Gaskraftwerk in Lubmin an der Ostsee bauen

09. November 2007 Der halbstaatliche russische Gaskonzern Gasprom drängt auf den deutschen Strommarkt. „Wir haben mehrere Projekte in Deutschland in Vorbereitung“, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Konzerns, Alexander Medwedew, dieser Zeitung in Berlin. „Mindestens zwei davon sind weit fortgeschritten.“ Für Unternehmensübernahmen, an denen dem Energiekonzern ein großes Interesse nachgesagt wird, gebe es keine konkreten Pläne: „Wir führen derzeit in Europa keine entsprechenden Gespräche.“

Konkret nannte Medwedew, der für das internationale Geschäft des Energiekonzerns zuständig ist, den Bau eines Gaskraftwerks zusammen mit Eon-Ruhrgas in Lubmin an der Ostsee. Als weiteren Standort für ein Gaskraftwerk untersucht Gasprom Germania einen Standort im brandenburgischen Eisenhüttenstadt. Gasprom will neben dem Gasgeschäft künftig auch stärker in die Bereiche Ölproduktion und Stromerzeugung einsteigen. „Wir wollen Gas verkaufen, aber auch Elektrizität“, sagte Medwedew. Er machte klar, dass Gasprom an den Kraftwerken beteiligt sein wolle, auch wenn sie von Partnern betrieben werden könnten. Gasprom will ferner sein Geschäft mit Endkunden in Industrie und Haushalten in Westeuropa ausbauen.

Beiden Zielen käme der Konzern mit dem Bau von Gaskraftwerken in einem großen Markt wie Deutschland einen Schritt näher. Die Politik, die immer wieder den Bau neuer Kraftwerke verlangt und neue Stromanbieter willkommen geheißen hatte – auch um den Wettbewerb auf dem Strommarkt zu intensivieren –, könnte durch das Gasprom-Engagement in Argumentationsnöte kommen. Einerseits wäre damit ein neuer Anbieter auf dem Markt, der zudem umweltfreundlich Strom herstellen würde, anderseits wüchse der schon große Einfluss des Konzerns auf die deutsche Energieversorgung. Gut ein Drittel des hierzulande verbrauchten Gases und Öls stammt aus Russland, beim Gas wird der Anteil in den kommenden Jahren voraussichtlich stark wachsen, weil andere Bezugsquellen versiegen und die Nachfrage insgesamt zunimmt. Medwedew verweist denn auch auf eine über 35 Jahre währende Partnerschaft und verlässliche Gasversorgung.

Gaskraftwerk in Eisenhüttenstadt

Für den Bau von Gaskraftwerken spricht vor allem die Tatsache, dass bei der Verbrennung von Gas erheblich weniger Kohlendioxid freigesetzt wird, als das bei der Umwandlung von Braun- oder Steinkohle in Strom geschieht. Kohlekraftwerke müssen künftig erheblich mehr Emissionszertifikate kaufen, was den Preis treiben wird. Gaskraftwerke sind überdies in der Herstellung vergleichsweise preiswert. Allerdings scheuen viele Kraftwerksbetreiber die Investition, weil sie die Brennstoffkosten nicht auf Jahrzehnte verlässlich kalkulieren können. Zudem steigen die Gaspreise. Als größtem Gasproduzenten der Welt fiele Gasprom eine solche Kalkulation wohl leichter.

Die von Gasprom erwogenen Kraftwerksstandorte liegen nahe an zugänglichen Gasquellen. Unweit von Lubmin, wo mehrere Versuche privater Anbieter zum Bau eines Gaskraftwerks gescheitert waren, soll 2010 die neue Ostseepipeline anlanden. Hier wollen Eon und Gasprom nach Brancheninformationen eine Anlage von mehr als 1000 Megawatt bauen. Die wäre groß genug, um eine Million Einwohner ein Jahr lang zu versorgen. In Vorpommern will Gasprom Germania auch einen großen Gasspeicher errichten.

In Eisenhüttenstadt erwägt Gasprom, zusammen mit der luxemburgischen Soteg in einem 50:50-Gemeinschaftsunternehmen ein Gaskraftwerk zu bauen. Hauptabnehmer wäre wohl der Stahlkonzern Arcelor-Mittal. Eine Absichtserklärung datiert vom Frühjahr. Zusammen mit Soteg wolle Gasprom auch Elektrizität für Luxemburg produzieren, sagte Medwedew. An Soteg sind Arcelor und Eon-Ruhrgas mit je 20 Prozent beteiligt. Mit Eon verhandelt Gasprom seit Jahren über den Zugang zu einem sibirischen Gasfeld. Doch können sich die beiden Partner – Eon-Ruhrgas ist mit rund 6 Prozent an Gasprom beteiligt – nicht über die Konditionen einigen.

Text: ami./F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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