Luftfahrt

Boeing trifft wegweisende Entscheidung im Flugzeugbau

Mit dem “Dreamliner“ will Boeing wieder Vorsprung gewinnen

Mit dem "Dreamliner" will Boeing wieder Vorsprung gewinnen

17. Dezember 2003 Nach den Affären der vergangenen Wochen richtet sich die Aufmerksamkeit bei dem Luft- und Raumfahrtkonzern nun wieder auf das operative Geschäft: Der elfköpfige Verwaltungsrat des Unternehmens hat über den Bau des neuen mittelgroßen Flugzeugtyps 7E7 beraten und sich amerikanischen Medienberichten zufolge entschieden, Aufträge für das neue Flugzeug entgegenzunehmen.

Das wäre ein wichtiger Meilenstein für das Projekt, obwohl der Verwaltungsrat die endgültige Freigabe für die Produktion des Flugzeugs noch geben muß, wenn das Unternehmen Aufträge gesammelt hat. Bis zum Redaktionsschluß dieser Ausgabe lag noch keine offizielle Mitteilung des Unternehmens vor.

Die neue Boeing-Generation „Dreamliner“

Der 7E7, der den Spitznamen "Dreamliner" hat, ist die wichtigste Produktneueinführung für Boeing seit langer Zeit. Eine völlig neue Flugzeugserie hat Boeing zuletzt im Jahr 1990 auf den Weg gebracht. Damals handelte es sich um das Modell 777. Zwei weitere zunächst geplante Großprojekte hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren gestrichen: Der Sonic Cruiser, der knapp unter Schallgeschwindigkeit fliegen sollte, sowie den 747X, der als Nachfolgemodell für die Serie 747 vorgesehen war.

Der 7E7 soll zwischen 200 und 250 Sitzen haben und würde zu einem Nachfolgemodell der Serie 757, die im kommenden Jahr eingestellt wird. Das Flugzeug wurde vor allem als Benzinsparmodell konzipiert. Angeblich soll das Flugzeug 20 Prozent weniger Benzin als andere Flugzeuge verbrauchen. Die Entwicklungskosten der Serie werden auf 10 Milliarden Dollar geschätzt.

Unter Analysten gilt der 7E7 als entscheidend für Boeing, um im Wettbewerb mit dem europäischen Konkurrenten Airbus wieder an Boden zu gewinnen. In diesem Jahr wird der vom Luft- und Raumfahrtkonzern EADS kontrollierte Wettbewerber wahrscheinlich erstmals mehr Flugzeuge ausliefern als Boeing. Airbus hat außerdem mittlerweile einen deutlich höheren Auftragsbestand als Boeing.

Produktion in der Nähe von Seattle

Medienberichten zufolge wird Boeing das neue Flugzeug in der Stadt Everett in der Nähe von Seattle bauen, wo das Unternehmen schon heute mehrere Modelle fertigt. Nach früheren Angaben benötigt das Unternehmen nur zwischen 800 und 1200 Mitarbeiter, um das Flugzeug zusammenzubauen. Nach Branchenschätzungen sind mindestens 100 Bestellungen notwendig, damit das Unternehmen mit dem Projekt fortfahren kann. Amerikanische Fluggesellschaften sollen bislang noch kein Interesse an dem neuen Jet haben.

Skandale und Chefwechsel

In den vergangenen Monaten hatte das Unternehmen mit mehreren Skandalen für Aufsehen gesorgt, in deren Folge Chief Executive Officer Phil Condit zurückgetreten ist. So gab es im Sommer eine Industriespionage-Affäre: Boeing soll interne Dokumente von Lockheed Martin genutzt haben, um einen Auftrag der Regierung zu erhalten. Zur Strafe dafür hat die amerikanische Luftwaffe Boeing im Juli Aufträge für Raketenstarts im Umfang von einer Milliarde Dollar entzogen und Lockheed Martin zugesprochen.

Im November kamen die Umstände der Anstellung einer früheren Mitarbeiterin der Luftwaffe in die Kritik. Boeing soll mit der Frau Einstellungsgespräche geführt haben, als sie noch in eine Boeing wichtige Auftragsvergabe eingebunden war. Bei dem Auftrag, dessen Volumen auf 18 Milliarden Dollar beziffert wurde, geht es um die Belieferung der Luftwaffe mit Tankflugzeugen. Vor zwei Wochen hat das amerikanische Verteidigungsministerium angekündigt, den Auftrag vorerst auf Eis zu legen. Für Boeing ist dieser Auftrag sehr wichtig, um die Produktlinie 767 am Leben erhalten zu können.



Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.12.2003, Nr. 293 / Seite 14 (lid.)
Bildmaterial: AP, Boeing, EPA, Press Association

 
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