Schausteller

Die Angst vor dem Kirmessterben

Deutschland gilt als das Land der Volksfeste. Über 5.000 kleine Schaustellerunternehmen beschäftigen hierzulande insgesamt rund 45.700 Mitarbeiter. Doch die Menschen geben von Jahr zu Jahr weniger Geld auf dem Rummel aus. Der Schaustellerbund befürchtet ein größeres Kirmessterben.

Lesermeinungen zum Beitrag

18. Juli 2008 09:44

Mal was neues einfallen lassen...

Tom Scott (SCT1)

Tja, es ist auch immer dasselbe. Ein Bockwurststand wechselt den Krepes Stand ab. Und dazwischen immer einen Bier-Stand. So richtig gute Fahrgeschäfte sind rar geworden. Die Kirmes in D sind fast alle nur noch zu Fressmeilen verkommen. Echte Innovationen? Fehlanzeige. Das Beste Beispiel ist das Deutsch Französiche Volksfest, welches in diesen Tagen öffnet. Ich gehe nur wegen der typisch französischen Küche in einem nachgebautem franz. Papp-Dorf dorthin. Die wird aber ganz hinten auf dem Volksfest angeboten. Der Rest ist Fressmeile und Karussels von der Stange. Wenn ich den jährlich besuche, jage ich ohne nach links und rechts zu gucken nach hinten und lasse da etwa 60,-€ zu zweit. Der Rest sieht von mir keine müde Mark, denn Bratwurst bekomme ich auch vorm Tegel Center...

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
17. Juli 2008 21:19

Wir sind früher (vor 10 Jahren) gern

Michael Arndt (Mikel1962)

mit unseren Kindern auf eine Kirmes gegangen. Den Vorrednern ist Nichts hinzuzufügen: Heute ist man an einem Abend rasend schnell 100,00 EURO los, das Ambiente ist alt und schmuddelig und ein Großteil der Besucher kommt nicht gerade familienfreundlich rüber (besonders am Abend, da wäre es eigentlich noch am schönsten).

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
17. Juli 2008 19:35

Und nochwas...

Christian Knoche (christian.knoche)

...das nicht nur die Kirmes betrifft. Wenn mal in Deutschland etwas schlechter läuft, dann geht gleich das große "Heulen und Zähneklappern" los. Warum eigentlich? Wir leben in einer Marktwirtschaft. Sozial soll sie angeblich sein, das heißt aber noch lange nicht das wirklich jedes noch so abgehalfterte Auslaufmodell von irgendwelchen Geschäften auf alle Ewigkeit künstlich weiterbeatmet werden muss. Weil es schon immer so war und weil ja unmöglich jemand arbeitslos werden darf. Der Markt will es nicht mehr, also ab dafür! Wo zerstört wird entsteht Raum für Neues. Und wer den Trend nicht bemerkt oder nichts dagegen unternimmt ist halt zum Teil auch selbst Schuld. Um viele Dinge ist es eigentlich gar nicht schade. Das gilt auch für völlig unrentablen Abbau von Kohle in Deutschland und so manch anderen Unsinn, mit dem für Milliarden von Steuergeldern einige tausend Wählerstimmen gekauft werden. Steuerhilfen für die notleidenden Fahrgeschäfte wird es sicherlich nicht geben, das wurde bereits alles für mittelprächtige Banken verbraten, die wesentlich größere Trends nicht erkannt haben. Warum durften die eigentlich nicht Pleite gehen? Das hätte doch bestimmt auch positive Auswirkungen gehabt.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
17. Juli 2008 18:43

Ein Trend?

Dennis Boller (Ranma)

Woran liegt es. Zusammengefaßt an den steigenden Kosten. Zum einen wird der eigene Geldbeutel immer schmaler, so daß man sich einen ausgiebigen Kirmessbesuch zweimal überlegt. Zum anderen müssen, ja müssen, die Schausteller die Preise erhöhen, wenn sie am Ende der Kirmess noch ein Plus haben wollen. Das Fazit ist ganz einfach. Eine Fahrt im Fahrgeschäft kostet im Schnitt 4-5 Euro. Der Preis für eine Currywurst liegt nur knapp drunter. Ein Familien mit zwei Kindern ist dann schnell 50 Euro und mehr los. 50 Euro die kaum noch jemand über hat. Davon unabhängig scheint der Trend auch zu sein, daß es immer weniger Fahrgeschäfte und immer mehr Sauf- und Freßbuden gibt. Ich kann hier jetzt nur für Norddeutschland reden. Aber das ist der Trend ich beobachte. Und es werden immer weniger Buden. Das steigert auch nicht gerade die Lust auf die Kirmess. Zudem scheint das Modell "Kirmess" aus der Mode zu kommen. Alles in allem werden wohl viele Schausteller auf der Strecke bleiben, sich die Anzahl der Festivitäten in Deutschland stark reduzieren.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
17. Juli 2008 18:21

Rummel für welche Zielgruppe?

Andreas Grünebaum (shorafix)

Wer möchte sich auch heute noch zum Beispiel auf der Frankfurter "Dippemess" den Kiefer einschlagen lassen oder sich als Zielscheibe für Psychopathen mit Messer und Pistole zur Verfügung stellen? Eltern mit Kindern meiden diese "Vergnügungen" immer mehr. Das verbleibende Klientel begnügt sich mit Saufgelagen und Keilereien. Kleinere Fahrgeschäfte bei lokalen Veranstaltungen haben dagegen meist gut zu tun. Und vor allem in den Freizeitparks boomt das Geschäft: Europapark, Disney, Phantasialand und viele weitere Freizeitparks platzen aus den Nähten. Auch kleinere Familienparks werden immer beliebter. Nur die Großkirmes wie Dippemess und Dom gehen den Bach herunter - vielleicht weil es dort für Familien nicht mehr sicher ist?

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
17. Juli 2008 17:24

Ich kann es bestätigen: Die Fahrgeschäfte sind alt und ungepflegt.

Malchus Giersch (der_rote_Hugo)

Und vor diesem Hintergrund sind 1,50 Euro pro Fahrt auf einem kleinen, abgehalfterten Kinderkarussell schlicht zu teuer. Dieser Preis wurde übrigens auf einem Stadtteilfest im Juni des Jahres gezahlt, wie es da auf einer großen Kirmes aussieht, möchte ich gar nicht wissen. Das uniforme und oft schlechte Essen tut in der Tat ein Übriges, um jeden Spaß an der Kirmes zu verderben. Die wenigen halsbrecherischen, neuen Fahrgeschäfte helfen da auch nicht weiter, ganz abgesehen davon, daß die nun wirklich nicht familienfreundlich sind. Wenn also ein durchschnittlicher Kirmesbesuch pro Person locker doppelt so teuer wie ein Eintritt in die oft gut gepflegten, kinderfreundlichen, ruhigen und phantasievollen Freizeitparks ist, die oft genau die gleichen Attraktionen wie auf dem Kirmesplatz bieten, aber z.B. ausgedehnte Ruhezonen und Picknikmöglichkeiten anbieten, ist es um das Kirmesgewerbe wahrlich nicht schade. Es hat, wie viele andere Branchen, den Sprung in die Zukunft (nicht in technischer, aber in Hinsicht auf die Kundenbedürfnisse) verschlafen. Junger Mann zum letzten Abbauen gesucht!

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
17. Juli 2008 17:12

Andere Gründe, andere Probleme

Christian Knoche (christian.knoche)

Erstens hat Deutschland ganz andere Probleme. Zweitens sollte man sich in der "Branche" vielleicht mal grundlegende Gedanken über andere Ursachen machen. Zum Beispiel, das man seit Jahren wenn nicht gar Jahrzehnten immer das Selbe anbietet und die Leute es einfach langweilig finden. Anlass zu Verdruss bietet sicher auch, dass die Preise solcher "Attraktionen" nicht auf Vergnügen sondern eher auf modernes Raubrittertum hindeuten, und zwar nicht erst seit den gestiegenen Energiekosten sonder seit der Euro-Umstellung. Hier hat nämlich jeder versucht, seinen Reibach zu machen, oft nachgerade unverschämt. Die werte "Gastronomie" bildet da keine Ausnahme. Energiekosten hin oder her, niemand hätte sich getraut für eine simple Bratwurst zwischen 7 und 8 DM zu verlangen, oder 10 DM um 10 mal mit alten Bällen auf Blechdosen zu werfen und dann irgendwelchen Mumpits im Wert von 2 Mark zu gewinnen. Aber man behielt einfach die Zahl fast unverändert bei, schrieb Euro dahinter und hat gedacht die Leute sind so blöd und merkens nicht. Pustekuchen, es ist schlicht die Quittung für eine absurde Preispolitik.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
17. Juli 2008 16:20

Ursachen

Werner Stettner (WStettner)

Und woran liegt es, dass die Deutschen immer weniger Geld für Freizeitaktivitäten a la Kirmes ausgeben? Ist dies auch eine Auswirkung des seit Jahren propagierten "Aufschwungs", der anscheinend nur die obere Schicht der dt. Gesellschaft erreicht hat, aber einen Bogen um 90% der Bevölkerung macht!?

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
1 - 8 von 8 Lesermeinungen
Suche in Beitrag Lesername oder Login
Datum bis
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche