Banken

Lukrativer Bankenmarkt in Südosteuropa

15. November 2004 Rumänien und Bulgarien, die 2007 Mitglieder der Europäischen Union werden sollen, sind nicht nur wegen der höchsten Wachstumsraten in der mittel- und südosteuropäischen Region für Investoren interessant. Großes Expansionspotential gibt es auch im Bankgewerbe. Mit Enthusiasmus sprechen Analysten aus dem Investmenthaus Merrill Lynch vor allem von Rumänien. Dort reizt der große Markt mit seinen 22 Millionen Einwohnern und die Tatsache, daß noch zwei wichtige Banken zur Privatisierung anstehen. Das ausländische Interesse an der zur Privatisierung anstehenden Banca Comerciala Romana (BCR) und der rumänischen Sparbank (CEC), die beide bis zum Jahresende 2005 an strategische Investoren verkauft werden sollen, ist groß. Der Kampf um die letzte Chance, sich im südosteuropäischen Bankenmarkt einen Platz zu sichern oder Marktanteile hinzuzukaufen, dürfte den Preis für die Institute beträchtlich in die Höhe treiben. Die BCR vereinigt knapp 30 Prozent der gesamten Bankaktiva im rumänischen Markt auf sich; die CEC bringt dem potentiellen Käufer immerhin 6,7 Prozent des Marktes ein.

In Bulgarien indes ist die Bankenprivatisierung abgeschlossen, der Bankenmarkt befindet sich bereits zu fast 90 Prozent in ausländischer Hand. Aber auch ohne den zusätzlichen Reiz der Privatisierung sehen die Banken auf beiden Märkten rosigen Zeiten entgegen. Die Zinsmargen sind hoch. Darüber hinaus gibt es in beiden Staaten viel Wachstumspotential, da sowohl das Privatkundengeschäft als auch das Geschäft mit Unternehmen weitgehend unterentwickelt ist. In allen relevanten Kennziffern - wie Kreditvergabe im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) oder Bankeinlagen im Verhältnis zum BIP - erreichen Rumänien und Bulgarien kaum mehr als 50 Prozent desjenigen Standards, der in den neuen EU-Mitgliedsländern Ungarn, Polen und Tschechische Republik derzeit üblich ist. Diese liegen ihrerseits noch weit unter den in der alten EU üblichen Kredit- und Einlagevolumen. Angesichts der robusten Wirtschaftsentwicklung erwartet Merrill Lynch in allen Geschäftsbereichen, vor allem aber im Privatkundengeschäft eine starke Zunahme der Nachfrage nach Finanzdienstleistungen. Am lukrativsten dürfte sich das Hypothekengeschäft entwickeln. Ost- und Südosteuropäer sind zwar zumeist Eigentümer ihrer Wohnungen, der Wohnstandard ist aber so dürftig, daß mit wachsendem Einkommen der Wunsch nach besseren Wohnverhältnissen zunimmt.

Rumänien war in den vergangenen drei Jahren mit Wachstumsraten von bis zu 46 Prozent der am schnellsten wachsende Markt Südosteuropas für Kredite an den Privatsektor. Merrill Lynch rechnet für die kommenden Jahre mit Wachstumsraten von mehr als 30 Prozent, so daß sich innerhalb von drei Jahren das Kreditvolumen, gemessen am BIP, von derzeit 16 Prozent auf mehr als 30 Prozent verdoppeln dürfte. Eine ähnliche Entwicklung wird auch für Bulgarien vorausgesehen. (C.K.)



Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.11.2004, Nr. 268 / Seite 13

 
Kursabfrage 
NamePunkteProzent
Dax 6.127,44 -2,42
TecDax 761,19 -4,17
DowJones 11.220,96 +0,29
Nasdaq 2.255,88 -0,14
STOXX 50 3.185,83 -2,72
Nikkei 225 12.212,23 -2,75
S&P 500 Zert. 12,28 -3,08
Euro/Dollar 1,43 +0,01
Bund Future 115,28 +0,12
Gold 802,80 +0,00
Öl 104,17 -3,09
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