Von Roland Lindner, New York
16. Mai 2008 Gespielt wird immer, ob in guten oder in schlechten Zeiten. Das ist in den Vereinigten Staaten ein ungeschriebenes Gesetz. Auch wenn Amerikaner das Gefühl haben, den Gürtel enger schnallen zu müssen, am Glücksspiel sparen sie nicht. Es ist ein Phänomen: Mal wird es von Experten mit der Hoffnung der Menschen auf bessere Zeiten begründet, mal mit übermächtigem Spieltrieb. Jedenfalls sind selbst in den strukturschwächsten Regionen Amerikas die Kasinos bestens besucht. Und als die Boom-Stadt schlechthin gilt in Amerika seit Jahren die Spielermetropole Las Vegas.
Nun aber erhält das Bild der konjunkturresistenten Glücksspielindustrie Risse: Die aktuelle Wirtschaftskrise in den Vereinigten Staaten erfasst auch die Kasinobetreiber, und das bekommt selbst der Himmelsstürmer Las Vegas zu spüren. Plötzlich gibt es hier in der Wüste Nevadas Insolvenzen, Zwangsversteigerungen und Baustopps - eine völlig ungewohnte Situation für eine Stadt, die seit Jahren nichts als explosives Wachstum erlebte.
Alle Zahlen gehen nach unten
Vorläufiger Höhepunkt: Der Betreiber des berühmten Kasinohotels Tropicana stellte Anfang dieser Woche einen Insolvenzantrag. Das Tropicana gehört zu den Traditionsadressen auf der Amüsiermeile Strip und wurde schon im Jahr 1957 eröffnet. Erst Anfang vergangenen Jahres wechselte es zusammen mit einer Gruppe anderer kleinerer Kasinos für einen Milliardenbetrag den Besitzer. Und der Transaktion war ein intensiver Bieterwettstreit vorangegangen. Zuletzt türmten sich aber bei der neuen Betreibergesellschaft die finanziellen Schwierigkeiten, und in der vergangenen Woche wurde eine fällige Zinszahlung versäumt.
Wenig ermutigend waren auch die Quartalsberichte, die in den vergangenen Tagen von den Inhabern der größten Kasinos der Stadt vorgelegt wurden: Der Kasinokonzern MGM Mirage, an dem der Investor Kirk Kerkorian einen Mehrheitsanteil hält, meldete am Dienstag einen Umsatzrückgang um 2 Prozent. Zu MGM Mirage gehören einige der bekanntesten Adressen auf dem Strip, darunter die Häuser Bellagio, MGM Grand und Mirage. Die meisten wichtigen Kennzahlen sahen schlechter aus als noch vor einem Jahr. Ob Umsätze an den Spieltischen, durchschnittliche Hotelzimmerpreise oder Auslastung, überall ging es nach unten.
Immer weniger Geschäftsreisende
Das zum Kasinokonzern Las Vegas Sands gehörende Venetian, eines der Prunkstücke auf dem Strip, schaffte im ersten Quartal eine Auslastung von 91,1 Prozent. Das wäre für die meisten anderen Hotels ein Traumwert, für das Venetian ist es ein Alarmsignal, denn das Haus ist an Vollauslastung gewöhnt und war im Vorjahr noch zu 98,8 Prozent ausgebucht. Las Vegas Sands ist mehrheitlich im Besitz von Sheldon Adelson, der zu den reichsten Amerikanern gehört. Auch der Kasinobetreiber Wynn Resorts enttäuschte: Im Wynn Las Vegas, einem der teuersten Häuser der Stadt, gingen die Glücksspielumsätze zurück. Die schwachen Zahlen der Unternehmen werden von der regionalen Spielaufsichtsbehörde bestätigt. Zuletzt meldete die Behörde für den Strip zwei Monate hintereinander rückläufige Spielumsätze.
Der MGM-Vorstandsvorsitzende Terry Lanni gab zu, dass seine Häuser von den allgemeinen Konjunktursorgen in Amerika nicht unberührt geblieben sind. Amerikaner halten sich mit Reisen nach Las Vegas zurück, und wenn sie doch kommen, geben sie weniger Geld aus. Noch mehr Sorgen als die Privatreisenden machen ihm aber die Geschäftskunden, die für Las Vegas in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden sind. Las Vegas ist heute einer der bedeutendsten Standorte für Messen und Konferenzen in Amerika. Nun aber kürzen Unternehmen hier ihre Ausgaben und schicken weniger Mitarbeiter zu den Veranstaltungen.
Bauboom gerät ins Stocken
Diese Abhängigkeit von Geschäftskunden könnte nach Meinung von Experten ein Grund dafür sein, warum Las Vegas nicht mehr so immun gegen konjunkturelle Schwächephasen scheint. Außerdem wird Las Vegas heute nicht mehr wie früher vom Glücksspiel dominiert. Weit mehr als die Hälfte des Geschäfts machen die Kasinobetreiber inzwischen mit teuren Unterhaltungsshows, Restaurants oder Clubs, und gerade bei diesen Dingen könnten die Besucher nach Meinung von Analysten zum Sparen geneigt sein.
Der seit Jahren dauernde Bauboom in Las Vegas gerät zum ersten Mal ins Stocken. Zwar wird in der Stadt noch immer an allen Ecken gebaut, beispielsweise am City Center von MGM Mirage, das mehr als 8 Milliarden Dollar kosten soll. Manche Projekte sind aber gefährdet oder werden ganz abgebrochen. Das im Bau befindliche Cosmopolitan Resort am Strip wurde zur Zwangsvollstreckung freigegeben, weil die Bauherren mit der Zahlung eines Kredits an die Deutsche Bank in Verzug geraten waren. Die Pläne für das Crown Las Vegas, das mit einem mehr als 320 Meter hohen Turm ein neues Wahrzeichen für die Stadt werden sollte, sind vorerst auf Eis gelegt.
Lichtblicke dank der Dollar-Schwäche
Viele Unternehmen sehen sich jetzt gezwungen, Besucher mit Kampfpreisen anzulocken. So sind mittlerweile einige bekannte Adressen am Strip nicht mehr viel teurer als einfache Motels in der Provinz im Mittleren Westen. Hotelzimmer im Luxor oder Excalibur kosten an manchen Tagen nur 50 Dollar je Nacht, und wer rechtzeitig bucht, spart noch einmal 10 Dollar. Besucher von Las Vegas können sich auch darüber freuen, dass es so leicht wie noch nie ist, Tische in angesagten Restaurants zu ergattern oder in Szeneclubs hineingelassen zu werden.
Lichtblick für die Kasinobetreiber sind die Ausländer: Wegen der Dollar-Schwäche werden Reisen nach Amerika immer billiger. Im Wynn war zum Beispiel im ersten Quartal fast jedes dritte Hotelzimmer von Ausländern belegt, im Vorjahr war es nur jedes fünfte. Keinerlei Abschwächung scheint es auch bei den überdurchschnittlich reichen Besuchern zu geben, an denen die Glücksspielindustrie am meisten verdient. Das obere Ende ist niemals verwundbar, sagte Sands-Eigentümer Adelson kürzlich. Auch MGM-Chef Lanni bestätigte, dass dieses Segment sich auch im vergangenen Quartal prächtig entwickelt habe. Die Zurückhaltung macht sich dagegen bei denjenigen bemerkbar, die um kleine Beträge spielen. Wynn meldete besonders starke Umsatzrückgänge bei den einarmigen Banditen mit einem Spieleinsatz von 25 Cent.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP
Streik bei Lufthansa in der ![]()
Staatsministerin Hildegard Müller wird Energie-Lobbyistin
Ballmer bläst zur Milliarden-Attacke gegen Google
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.394,38 | -0,72 |
| TecDax | 721,98 | +0,06 |
| DowJones | 11.349,28 | -2,43 |
| Nasdaq | 2.280,11 | -1,97 |
| STOXX 50 | 3.333,46 | -0,63 |
| Nikkei 225 | 13.334,76 | -1,97 |
| S&P 500 Zert. | 12,50 | -2,34 |
| Euro/Dollar | 1,57 | +0,11 |
| Bund Future | 110,72 | -0,20 |
| Gold | 928,15 | +0,05 |
| Öl | 124,98 | -1,22 |
