Kosmetik / Chemie

Tesa macht den Produktfälschern das Leben schwer

Tesa und der Holospot. Kleiner Chip und große Erwartungen

Tesa und der Holospot. Kleiner Chip und große Erwartungen

14. November 2003 Der Schaden ist immens: Durch den Verkauf gefälschter Produkte entgehen den Markenherstellern auf der ganzen Welt jedes Jahr 250 Milliarden Euro Umsatz, schätzt die UN-Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD. Hinzu kommen Steuerausfälle und beispielsweise bei Arzneimitteln gesundheitliche Schäden für Menschen, wenn falsche Arzneien unter einem Originalnamen verkauft werden oder gefälschte Ersatzteile in Autos oder Flugzeuge eingebaut werden.

"Bei Produktfälschern handelt es sich heute nicht mehr um Laien", sagt Joachim Süße, Vorsitzender der Geschäftsführung der Tesa Scribos GmbH, Hamburg/Heidelberg. "Wir haben es auf diesem Feld mit Profis zu tun, die viel Geld haben und auch Zugang zu Spitzentechnologie." Der Verbraucher könne daher in der Regel die Fälschung nicht vom Original unterscheiden. Das allein wird täglich 70 Menschen in den Entwicklungsländern zum Verhängnis, weil sie statt des Originalmedikaments eine Fälschung zu sich nehmen.

Digitalisiertes Hologramm

In Zukunft will auch die Klebesparte Tesa der Beiersdorf AG, Hamburg, ihren Teil dazu beitragen, den Fälschern das Leben schwerer zu machen. Und man will natürlich vom Weltmarkt für Produktsicherheit profitieren, den Süße auf ein Volumen von einer Milliarde Euro im Jahr beziffert, mit einer Wachstumsrate von 8 bis 10 Prozent. Die Anbieter der Sicherheitstechnik empfehlen den Herstellern das Aufbringen von Barcodes, von Hologrammen, von Farben, von DNA-Partikeln oder auch den Einbau von Chips. "All das hilft aber nur begrenzt. Diese Systeme sind entweder fälschungsanfällig, nicht datenspeicherfähig oder zu teuer", urteilt Süße.

Dabei sieht das Produkt von Tesa zunächst einmal wenig überzeugend aus: Es ist nur ein kleines blaues Etikett. Dieses Etikett habe es aber in sich - im übertragenen wie auch im wahren Sinn des Wortes. "Das erste Unterscheidungsmerkmal ist, daß wir unsere Produktinformationen nicht auf das Etikett aufbringen, sondern wirklich in das Etikett einbringen", sagt Steffen Nöthe, einer der vier Forscher, die seit 1998 an der Entwicklung des Produkts arbeiten. Man bedient sich der Holografie. Die in einem digitalisierten Hologramm gespeicherten Informationen zum Produkt werden also mit einem Laser-Schreibgerät unter die Filmoberfläche eingebrannt. Kratzer auf der Oberfläche zerstören die gespeicherte Information nicht. "Dazu eignet sich kein Film besser als der Tesafilm, der allerdings spezifiziert werden mußte." Neben dem Film aus dem Haus Tesa gehört der spezielle Schreibkopf zu dem eigens entwickelten Know-how der vor zwei Jahren gegründeten Firma Tesa Scribos.

Nachahmer gibt es noch nicht

Diese Technik erlaube es, viele Daten auf sehr kleinem Raum von einem Quadratmillimeter zu speichern, für jedes Produkt individuelle Daten einzuspeichern und Bilder unterzubringen wie Logos. Auch bei Beschädigung ist das Etikett mit dem Hologramm noch lesbar. Zum Lesen reichen ausreichend Licht und eine Lupe. Also kann auch der private Verbraucher das Etikett mit einer Lupe lesen und sich vergewissern, ob sein Medikament ein Original oder eine Fälschung ist. Die Daten können natürlich auch maschinell gelesen und weiterverarbeitet werden. Und selbst, wenn jemand das Etikett ganz entfernt, hat er nichts davon. Zum einen kann es kein zweites Mal aufgeklebt werden, um beispielsweise eine Fälschung als Original zu deklarieren. Und auf dem Original selbst hinterläßt es Spuren, die jederzeit erkennbar werden lassen, daß an dieser Stelle etwas entfernt worden ist.

Daß schnell Nachahmer mit einem ähnlichen Produkt auf den Markt kommen, fürchtet Nöthe nicht. Die Japaner hätten es versucht, der große amerikanische Mitbewerber 3M aus Amerika habe es nachmachen wollen. Bisher sei es niemandem gelungen, weil das ganze Verfahren an verschiedenen Stellen mit neuen Entwicklungen arbeite.

Neue Anwendung von Tesa

Beiersdorf, das sich die Entwicklung der Sicherheitsetiketten 10 Millionen Euro hat kosten lassen, erhofft sich von dem Produkt den Aufbau einer neuen Anwendungssparte für die Marke Tesa. Um sich nicht zu verzetteln, werde man zunächst der Pharmaindustrie und der Automobilindustrie das System anbieten, sagte Süße. Die Integration in bestimmte Produktionen erfordere spezielles Branchenwissen. Man habe bereits Kontakte zu Kunden aufgenommen. Die ersten Etiketten oder auch die ersten Etikettendrucker könne man von Mai 2004 an liefern.

Die Mannschaft für die Produktionsaufnahme stehe mit 40 Personen zur Verfügung. Und wenn in Heidelberg auch der Abschluß der Entwicklungsarbeiten der Etiketten gefeiert wurde, für die Forscher, die mit 25 Prozent Minderheitsgesellschafter des Unternehmens sind, ist die Arbeit nicht getan. Die Ursprungsidee, auf der Tesafilmrolle große Datenmengen, eventuell sogar Spielfilme, speichern zu können, sei nicht vergessen, nur wegen der Entwicklung der Sicherheitsetiketten in den Hintergrund getreten. Die Arbeit daran werde jetzt verstärkt.

Text: geg. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.11.2003, Nr. 266 / Seite 14
Bildmaterial: dpa

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