Teurer Sprit

Bald jeder vierte Taxibetrieb vor der Pleite?

Von Philipp Krohn

Steigende Benzinpreise: “Ein weiterer Sargnagel für die Branche“

Steigende Benzinpreise: "Ein weiterer Sargnagel für die Branche"

17. Juli 2008 Deutsche Taxiunternehmen sehen in den gestiegenen Kraftstoffpreisen eine ernstzunehmende Bedrohung für ihr Gewerbe. Ein Viertel der rund 30.000 Betriebe in Deutschland sei derzeit existentiell gefährdet, berichtet der Deutsche Taxi- und Mietwagenverband BZP, der größte Branchenvertreter. Auch in der Transportbranche sehen Marktbeobachter 5 bis 7 Prozent der Unternehmen als unmittelbar bedroht an.

Noch im Jahr 2000 zählten die Taxiunternehmen rund 465 Millionen Personenfahrten. Durch die schwache Konjunktur war die Zahl bis 2004 zunächst auf 350 Millionen gesunken. Im vergangenen Jahr konnte sich das Niveau bei rund 395 Millionen Fahrten stabilisieren. "Jetzt erhalten wir aber erste Meldungen, dass die Vermittlungszahlen wieder zurückgehen", sagt Frederik Wilhelmsmeyer, stellvertretender BZP-Geschäftsführer.

Die Preise werden amtlich festgesetzt

"Die Preisentwicklung seit rund einem Jahr ist nur ein weiterer Sargnagel für die Branche", sagt Thomas Krause von der Hamburger Gutachterfirma Linne+Krause, der in dieser Tendenz eine Marktbereinigung sieht. Er beobachtet als Sachverständiger für Städte und Kreise die Entwicklung auf dem Markt. Schon vor dem Preisanstieg hat er die Lage für viele Unternehmen als prekär eingestuft. Für einen durchschnittlichen Hamburger Taxibetrieb, der mehrere Wagen über 65 000 Kilometer im Jahr fahren lässt, hat er im vergangenen Jahr einen Anstieg der Treibstoffkosten von 6100 auf mehr als 8000 Euro je Fahrzeug errechnet. Damit stieg der Anteil der Spritkosten an den Gesamtkosten von 11 auf mehr als 14 Prozent.

Auf ihre Preise haben die Taxibetriebe keinen unmittelbaren Einfluss. Sie werden in Landkreisen und Kommunen von den Bau- oder Ordnungsämtern festgesetzt und bedürfen der politischen Zustimmung beispielsweise durch einen Stadtrat. In ganz Deutschland zählt der Deutsche Taxi- und Mietwagenverband mehr als 800 Tarife. Viele Unternehmen schrecken aber vor höheren Tarifen zurück, weil sie noch mehr Kunden abhalten könnten. In Essen liegt die letzte Tariferhöhung sechs Jahre zurück, als die Preise von der Mark an den Euro angepasst wurden.

Die Krankenkassen sparen bei den Krankenfahrten

Insbesondere der Spardruck in den Krankenkassen mache den Betrieben zu schaffen, sagt Dirk Holl, Geschäftsführer des Taxiverbands Deutschland, der viele Anbieter in Baden-Württemberg vertritt. Die Kassen handeln Sondertarife mit den Unternehmen aus, die dann von den Behörden genehmigt werden müssen. "Auf dem Land machen Krankenfahrten bis zu 90 Prozent aller Beförderungen aus", sagt Holl. Seit der Gesundheitsreform aber können Krankenfahrten nur noch von Dialyse- oder Krebspatienten angerechnet werden. Zudem träten die Kassen als Nachfragemonopolisten auf, die ihre Konditionen durchsetzen könnten, beklagt der Verband. Gegen einzelne Taxiunternehmen wurden sogar schon Boykotte verhängt.

Der hohe Spritpreis könnte noch mehr Taxifahrer in die Schwarzarbeit treiben. Ihre Fahrtenbücher sind leicht manipulierbar. Deshalb forderte der Bundesrechnungshof vor zwei Jahren Maßnahmen, den millionenschweren Steuerbetrug in der Branche zu unterbinden.

Insbesondere in den Großstädten denken die Unternehmer über neue Geschäftsmodelle nach. "Blumen oder Pakete auszufahren und Schüler in die Schulen zu bringen gehört auf dem Land schon seit Jahrzehnten zum Geschäft", sagt Dirk Holl vom Taxiverband Deutschland. Taxi Bressler im nordhessischen Frankenberg hat so kürzlich sogar vom hohen Dieselpreis profitiert. Als die spanischen Lastwagenfahrer streikten, brachte ein Fahrer wichtige Komponenten in die Produktionsstätte eines Industriebetriebs, die auszugehen drohten. Taxi Bressler hat schon vor vielen Jahren einen Vertrag mit dem Konzern über regelmäßige Kurierfahrten abgeschlossen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp

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