28. August 2008 Die Deutsche Lufthansa beschleunigt ihre Auslandsexpansion und will die belgische Fluggesellschaft Brussels Airlines übernehmen. Es gebe konstruktive Verhandlungen, zunächst 45 Prozent für 65 Millionen Euro zu erwerben, teilte die Lufthansa am Donnerstag in Frankfurt mit. Kaufoptionen sollen es ermöglichen, zwei Jahre später die komplette Gesellschaft zu übernehmen. Brussels Airlines soll dabei eine eigenständige Airline im Lufthansa-Konzern bleiben.
Brussels Airlines ist die Nachfolgegesellschaft der staatlichen Fluggesellschaft Sabena, die 2001 Konkurs anmelden musste. Zudem umfasst Brussels Airlines den früherem Billigflieger Virgin Express. 2007 kam Brussels Airlines auf 5,8 Millionen Passagiere und beschäftigte 3000 Mitarbeiter. Zum Vergleich: Lufthansa zählte 2007 im Gesamtkonzern knapp 63 Millionen Passagiere und hat mehr als 100 000 Mitarbeiter. Brussels Airlines ist bislang in keiner Luftfahrtallianz und fliegt von der Drehscheibe Brüssel Ziele in Europa und Afrika an. Vor allem das Afrika-Geschäft dürfte das Lufthansa-Programm gut ergänzen.
Die Landerechte dürfen nicht verfallen
Erst Mitte vergangenen Jahres hatte Lufthansa die Übernahme der Schweizer Swiss abgeschlossen. Ende 2007 hatte sie zudem den Einstieg beim amerikanischen Billigflieger JetBlue verkündet. Anfang dieser Woche erklärte die Lufthansa offiziell ihr Interesse an der österreichischen Fluggesellschaft Austrian Airlines. In Großbritannien ist Lufthansa an British Midland beteiligt und könnte ihren Anteil dort aufstocken.
Der Einstieg in Belgien soll formal über eine Kapitalerhöhung der Muttergesellschaft SN Airholding erfolgen. Durch die Übernahme von zunächst weniger als 50 Prozent wäre dann gesichert, dass die wichtigen Landerechte an außereuropäischen Flughäfen nicht verfallen. Nach Neuverhandlungen über die Rechte könnte Lufthansa dann den Rest mit Hilfe von Kaufoptionen übernehmen. Der Preis dieser Optionen soll an die Wertentwicklung von Brussels Airlines gebunden sein. Auch bei der Swiss-Übernahme war ein solches schrittweises Vorgehen vereinbart worden. Der Einstieg steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung von Gremien und Kartellbehörden.
Text: dpa
Bildmaterial: ddp
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