Übernahmekampf

Die Position des Continental-Chefs wackelt

Von Carsten Knop und Henning Peitsmeier

21. Juli 2008 Im Übernahmekampf zwischen dem Autozulieferer Continental in Hannover und dem fränkischen Familienkonzern Schaeffler sucht der Conti-Vorstandsvorsitzende Manfred Wennemer einen Kompromiss. Sein Ziel ist es, einen Eklat auf der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung von Continental am kommenden Mittwoch zu vermeiden, der zu seinem Rücktritt führen könnte. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung aus gut unterrichteten Kreisen erfahren hat, würde Wennemer seinen Posten zur Verfügung stellen, wenn es zu keiner Einigung kommt.

Auch einen Nachfolger für Wennemer gäbe es schon: Es wäre Karl-Thomas Neumann. Der 47 Jahre alte frühere Volkswagen-Manager ist derzeit als Mitglied des Conti-Vorstands zuständig für die Division Automotive Systems und zusätzlich Vorsitzender der Geschäftsleitung der Frankfurter Tochtergesellschaft Continental Teves.

Zunächst soll aber versucht werden, die Schaefflers und ihren Geschäftsführer Jürgen Geißinger doch noch davon zu überzeugen, sich mit einer Beteiligung an Conti zu begnügen. Allerdings liegen die Vorstellungen über die Höhe dieser Beteiligung unter den Parteien weit auseinander. Während Wennemer sein Angebot einer Beteiligung von 20 Prozent an Conti im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung wiederholt hat, verweist Schaeffler auf sein am vergangenen Dienstag angekündigtes Übernahmeangebot: „Die Zielsetzung, ein strategischer Großaktionär der Continental AG zu werden und dafür mehr als 30 Prozent der Anteile zu erwerben, gilt unverändert“, heißt es in einer Mitteilung von Schaeffler. Schließlich sei man kein reiner Finanzinvestor und schon formaljuristisch an das Übernahmeangebot gebunden.

Schaeffler hält den Angebotspreis für angemessen

Fraglich sei doch auch, ob ein Aktionär, der nur mit 20 Prozent an der Continental AG beteiligt sei, dem Unternehmen überhaupt die gewünschte Stabilität im Aktionärskreis verleihen könne. „Da die angestrebte Stabilisierung der Aktionärsstruktur im Interesse der Continental AG liegt, appelliert die Schaeffler-Gruppe an Herrn Wennemer, das Gespräch auf dieser Grundlage aufzunehmen“, heißt es in der Mitteilung von Schaeffler weiter. Zudem wird betont, dass die Finanzierung des Angebots und seine Rückführung durch die eigene Finanzkraft gesichert sei: „Eine Zerschlagung wird es daher nicht geben. Continental soll als eigenständiger Konzern erhalten bleiben, mit Sitz in Hannover.“

Zu diesen Punkten sei Schaeffler bereit, konkrete Gespräche zu führen, um Besorgnisse auszuräumen. Den Angebotspreis hält Schaeffler für angemessen: „Und wir erwarten, dass er für die Aktionäre interessant ist.“ Geißinger und seine Familienaktionäre wissen dabei, dass die Zeit für sie spielt. Wennemer hingegen steht unter Zeitdruck. Gelingt es ihm nicht, seinen eigenen Aufsichtsrat unter dem Vorsitz von Hubertus von Grünberg von einer Verteidigung gegen das fränkische Familienunternehmen zu überzeugen, könnte er zur Aufgabe gezwungen sein. Grünberg hat sich bisher nicht ablehnend zur Offerte der Schaeffler KG geäußert - und ihm wird Sympathie für den Verbund mit den Franken nachgesagt, von deren Plänen er schon längere Zeit wusste.

„Continental hat keine Chance“

Vielen erscheint es sehr fraglich, ob Wennemer eine Beteiligung in der von Schaeffler angestrebten Höhe akzeptieren würde, zumal diese nach der Vermutung gut unterrichteter Kreise eher bei 49 Prozent liegen dürfte. Denn diese Variante soll Schaeffler dem Conti-Vorstand auch schon beim ersten Treffen vor gut einer Woche so vorgeschlagen haben.

Das Treffen an jenem Freitagabend am Frankfurter Flughafen sei dann aber „aus dem Ruder gelaufen“, heißt es. Wennemer habe die Gespräche abgebrochen, als ihn die Schaefflers mit der Tatsache konfrontierten, mit der Hilfe von Banken schon unmittelbaren Zugriff auf mehr als 30 Prozent der Aktien zu haben. Enttäuscht ist Wennemer in diesem Zusammenhang besonders über die Dresdner Bank. Sie ist Hausbank von Conti, hat Schaeffler aber bei dem Übernahmeversuch geholfen. „Das kann ich nicht verstehen“, sagte Wennemer der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Angesichts dieser Entwicklung stellt sich die Frage, ob Wennemer und Geißinger überhaupt an einem Strang ziehen können. Geißinger gilt als ebenso ehrgeizig wie Wennemer. Der Finanzvorstand eines großen deutschen Autoherstellers war am Wochenende schon überzeugt, dass am Ende alles auf die Schaefflers hinausläuft: „Continental hat keine Chance.“



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, www.conti-online.com

 
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