04. März 2008 Volvo hat das vergangene Jahr mit einem Verlust von rund 160 Millionen Dollar (105 Millionen Euro) abgeschlossen. Das sagte Volvo-Chef Frederik Arp der F.A.Z. Erstmals hat die schwedische Tochtergesellschaft damit über die eigene finanzielle Situation Auskunft gegeben. Zuvor ging das Volvo-Ergebnis immer in der Premier Automotive Group auf, zu der noch die zum Verkauf stehenden Marken Land Rover und Jaguar gehören. Trotz des Verlusts sieht Arp Fortschritte. Im vierten Quartal haben wir schon wieder ziemlich exakt die Gewinnschwelle erreicht. Der 54 Jahre alte Manager steht seit Oktober 2005 an der Spitze von Volvo, davor war er Vorstandsvorsitzender des schwedischen Industriekonzerns Trelleborg.
Nachdem Ford-Vorstand Alan Mulally seine Verkaufspläne für Volvo aufgegeben hat, müssen die Schweden aus eigener Kraft den Weg aus der Verlustzone finden. Arp will dabei alle nötigen Maßnahmen der Effizienzsteigerung ergreifen, von der Forschung und Entwicklung bis hin zu den Kosten im Vertrieb. So soll beispielsweise das Händlernetz auf dem nordamerikanischen Markt etwas ausgedünnt werden. Aber einen großen Stellenabbau, wie ihn der Wettbewerber BMW vergangene Woche angekündigt hat, soll es bei den Schweden nicht geben. Derartige Pläne verfolgen wir nicht.
Abschreibung von 2,4 Milliarden Dollar
Ford hat 2007 eine Abschreibung von 2,4 Milliarden Dollar auf seine Volvo-Beteiligung vornehmen müssen. Drei Gründe waren laut Arp dafür ausschlaggebend: ein schwacher Dollarkurs, das für Volvo rückläufige und hart umkämpfte Amerika-Geschäft sowie steigende Rohstoff- und Materialkosten. Volvo leidet wie andere europäische Hersteller unter der Stärke des Euro. Der Wechselkursnachteil trifft Volvo hart, weil fast ein Viertel der Verkäufe von zuletzt 458 000 Fahrzeugen (plus 7,1 Prozent) in den Vereinigten Staaten abgesetzt werden. Eine Produktion im Dollarraum hat Volvo nicht. Arp bestätigte Überlegungen, wonach das Währungsproblem mit Hilfe der Muttergesellschaft gelöst werden soll: Ford könnte Volvo-Fahrzeuge in einer seiner amerikanischen Fabriken bauen.
Neuer Hoffnungsträger ist der in Genf vorgestellte Geländewagen XC 60. Im Herbst soll das Auto, das im belgischen Volvo-Werk in Gent gebaut wird, auf die Straßen kommen. Im kommenden Jahr will Arp von dem kompakten SUV 50 000 Einheiten verkaufen und damit vor allem jüngere und auch ökologisch bewusste Käufer an die schwedische Traditionsmarke binden. Die Chancen schätzt Arp hoch ein. Nicht zuletzt ist der große Bruder des XC 60, der XC 90, der meistverkaufte Volvo überhaupt. Auf einen Hybrid-XC 60 muss die Kundschaft allerdings noch warten. Angetrieben wird der XC 60 mit konventionellen, kräftigen Benzin- oder Dieselmotoren, die 285 PS beziehungsweise 163 oder 185 PS entfalten.
Bald könnte eine Sparversion folgen
Bald könnte eine Sparversion folgen, die sich mit Front- anstelle des teuren Allradantriebs begnügt. Für den sparsamen Diesel nennt Arp immerhin einen Kohlendioxid-Zielwert von 170 Gramm pro Kilometer, angeblich der beste Emissionswert in diesem Segment. Der BMW X3 liegt bei 175 Gramm. Für Arp ist das ein Beweis, dass es die Schweden mit ihrem per se umweltfreundlicheren Image sehr ernst nehmen. Die Volvo-DNA wird bestimmt durch eine Führerschaft in der Sicherheitstechnik, modernes, skandinavisches Design und eine hohe Qualität. Das Thema Ökologie gehört auch dazu, sagte Arp.
Offenkundig findet der amerikanische Eigentümer wieder mehr Gefallen an diesen Werten. Ford hätte Gerüchten zufolge mit dem Verkauf seiner 81 Jahre alten schwedischen Automarke mehr als 8 Milliarden Dollar erzielen können, nachdem der Konzern 1999 knapp 6,5 Milliarden Dollar bezahlt hatte. Mehrere potentielle Käufer, darunter BMW, der Finanzinvestor KKR sowie die schwedische Investmentgesellschaft EQT, schauten sich Volvo genau an, doch ihr Interesse kühlte rasch wieder ab. Für einen industriellen Partner wie BMW, der auf Heckantrieb setzt, hätten sich mit den frontgetriebenen Volvo-Modellen nicht die erhofften Verbundvorteile ergeben. Zudem ist Volvo mittlerweile eng verzahnt mit dem Ford-Konzern, nutzen die Autos aus Schweden viele baugleiche Teile mit Produkten anderer Schwestergesellschaften. Nachdem Ford bereits die Sportwagenfirma Aston Martin abgestoßen hat, sollen in diesen Tagen die Verhandlungen über den Verkauf von Jaguar und Land Rover an den indischen Tata-Konzern abgeschlossen werden. Mit der De-facto-Auflösung der Premier Automotive Group könnte Volvo zwei Technologiepartner verlieren. Der Hoffnungsträger XC 60 nutzt wichtige Module des Landrover Freelander. Für den Fall des Verkaufs gibt es eine klare Absprache: Volvo kann über Vereinbarungen weiterhin technologische Entwicklungen mit den Partnern teilen, sagte Arp.
Text: F.A.Z., 05.03.2008, Nr. 55 / Seite 14
Bildmaterial: REUTERS
„Deutschland ist besser gerüstet als ![]()
Obama will mit Konjunkturprogramm 2,5 Millionen Jobs schaffen
Düsteres Zukunftsbild: Merkel erwartet ein Jahr schlechter Nachrichten
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 4.127,41 | -2,20 |
| TecDax | 432,48 | +0,23 |
| DowJones | 8.046,42 | +6,54 |
| Nasdaq | 1.384,35 | +5,18 |
| STOXX 50 | 2.165,91 | -2,70 |
| Nikkei 225 | 7.910,79 | +2,70 |
| S&P 500 Zert. | 7,72 | -3,26 |
| Euro/Dollar | 1,26 | -0,07 |
| Bund Future | 120,75 | -0,58 |
| Gold | 799,25 | +0,00 |
| Öl | 48,25 | -1,65 |