Technologie

Siemens streicht mindestens 2.400 Stellen

19. September 2005 Einen Tag nach der Bundestagswahl hat der Siemens- Konzern den Abbau tausender Arbeitsplätze verkündet. Allein beim IT- Dienstleister SBS sollen in Deutschland in den nächsten beiden Jahren 2.400 Stellen gestrichen werden, teilte der Siemens- Vorstandsvorsitzende Klaus Kleinfeld am Montag in München mit. SBS-Chef Adrian von Hammerstein nimmt seinen Hut. Insgesamt wird sich der Konzern durch Stellenstreichungen und Abspaltungen in seinen Krisensparten voraussichtlich von mehr als 10.000 Jobs trennen. Siemens ist mit mehr als 160.000 Beschäftigten in Deutschland einer der größten Arbeitgeber.

Weiteren Arbeitsplatzabbau im größeren Stil soll es in der Kommunikationssparte Com geben. Zudem gliedert Siemens in der Logistiksparte L&A einen Geschäftsbereich mit 5.000 Beschäftigten in eine eigenständige Gesellschaft aus, um sich wahrscheinlich von diesem Geschäft zu trennen. Die IG Metall kündigte Widerstand an. „Die Beschäftigten sind sehr verunsichert“, sagte Aufsichtsrat Wolfgang Müller. Die Geschäftsführung setze zu stark auf kurzfristige Renditeverbesserungen. Siemens hatte in den vergangenen Jahren bereits zehntausende von Stellen gestrichen.

Stellenabbau bei Com möglicherweise noch größer als bei SBS

Will Siemens sanieren - Klaus Kleinfeld

Will Siemens sanieren - Klaus Kleinfeld

Vorstandschef Kleinfeld sagte, die Krisensparten sollten schnell auf einen Kurs profitablen Wachstums gebracht werden. „Die notwendigen Maßnahmen setzen wir konsequent um.“ Nur erfolgreiche Geschäfte könnten Arbeitsplätze sichern und schaffen. Kleinfeld betonte, daß der Termin kurz nach der Bundestagswahl Zufall sei. Man habe das Vorgehen mit Arbeitnehmervertretern absprechen müssen, dies erfordere seine Zeit. „Der Beratungsbedarf ist immens, dafür haben wir unseren eigenen Kalender.“ Die Gewerkschaft hatte spekuliert, Siemens nehme auf Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer Rücksicht, der wirtschaftspolitischer Berater von Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel ist.

Im defizitären Kommunikationsbereich Com könnte der Stellenabbau nach Einschätzung in Branchenkreisen noch größer ausfallen als bei SBS. Einschnitte seien hier unter anderem wegen der schwachen Inlandskonjunktur und der Kaufzurückhaltung bei mittelständischen Kunden notwendig, hieß es bei Siemens nach einer Sitzung des Zentralvorstands. „Damit sind Personalanpassungen verbunden, zu denen das Unternehmen Gespräche mit Arbeitnehmervertretern und IG Metall führt.“ Eine Größenordnung wollte Kleinfeld mit Verweis auf die laufenden Verhandlungen nicht nennen. In Branchenkreisen war von 3.000 bis über 4.000 Arbeitsplätzen die Rede. Siemens gab lediglich bekannt, daß Vertrieb und Service im Firmenkundengeschäft bei Com umstrukturiert werden sollen.

Kollatz für Hammerstein bei SBS

Bei L&A gliedert Siemens wie bereits angekündigt das Produkt- und Systemgeschäft für Materialfluß-Lösungen in die neue Dematic GmbH aus. „In dieser Aufstellung soll das neue Unternehmen flexibler am Markt agieren und partnerschaftliche Lösungen anstreben.“ Da das Geschäft künftig in der Bilanz nur noch unter „sonstige operative Aktivitäten“ auftaucht, dürfte eine Trennung aber wahrscheinlich sein. Mit Wirkung zum 1. Oktober wird der Bereich L&A aufgelöst. Das verbliebene Geschäft wird auf andere Sparten verteilt.

Bei SBS will Siemens die Kosten bis 2007 um 1,5 Milliarden Euro drücken. Dabei gibt es auch einen Führungswechsel. Hammerstein lege sein Amt auf eigenen Wunsch nieder, hieß es. Die Leitung von SBS werde Christoph Kollatz übertragen. Der 44jährige verantwortet bisher das Geschäftsgebiet Intelligente Verkehrssysteme bei den Industriellen Dienstleistungen. Wo die Stellen in Deutschland bei SBS gestrichen werden sollen, ließ Siemens offen. Der Bereich hat ein starkes Standbein in München und wegen des Service-Geschäfts Standorte in zahlreichen deutschen Städten.

Text: dpa
Bildmaterial: F.A.Z., picture-alliance/ dpa/dpaweb

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