Von Johannes Winkelhage
04. September 2007 Angesichts gestiegener Energiepreise und strenger Klimaschutzvorschriften gewinnt ökologisches Bauen an Bedeutung. So stellen die Anbieter von Fertighäusern die ökologischen Vorzüge ihrer Produkte bereits deutlich in den Vordergrund. Dabei fördern handfeste wirtschaftliche Gründe die Tendenz zum grünen Bauen. Dabei geht es im Wesentlichen um die Heizung in den Häusern. Mehr als drei Viertel des Energieverbrauchs im Haushalt werden darauf verwendet. Auf die Warmwasseraufbereitung entfallen meist nur 12 Prozent des Energieverbrauchs, 10 Prozent auf die Hausgeräte, und nur 1 Prozent wird für die Beleuchtung benötigt.
Angesichts der Tendenz zu weiter steigenden Preisen für Öl, Gas und Strom und Preiserhöhungen für das Heizen mit Holz lautet die Devise: Runter mit dem Verbrauch - durch effizienteren Einsatz der Ressourcen bei gleichzeitiger Dämmung der Außenhaut der Gebäude. Wärmepumpen, Erdsonden zur Energiegewinnung oder andere Formen der Effizienzsteigerung gehören bereits zum Vokabular der Bauinteressenten. Das zeigt Wirkung: Die Erfolge bei der Energieeinsparung sind gegenüber den meisten älteren Häusern beträchtlich.
In den monatlichen Kosten nicht zu unterbieten
Gerade im Fertighausbau haben sich immer mehr Systemanbieter etabliert. Sie konzentrieren sich vor allem auf die Entwicklung und den Bau von Niedrigenergiehäusern. Ähnlich den Autoherstellern unterbieten sich mittlerweile auch die Häuslebauer mit Niedrigstwerten beim Energieverbrauch. Die Analogie ist unübersehbar. Auf Zukunft gebaut. Das Zwei-Liter-Viebrockhaus, heißt es in der Werbung des gleichnamigen Herstellers. Bei Libella ist das Drei-Liter-Haus in den monatlichen Kosten nicht zu unterbieten. Die Häuser verbrauchen nur noch die genannte Menge an Litern Heizöl je Quadratmeter und Jahr, ohne dass gefroren werden muss.
Der sparsame Umgang mit Energie entwickelt sich zum wichtigsten Argument bei den Verhandlungen mit Kunden, sagt Markus Schreyögg, Vorstandsmitglied bei Kampa-Haus, dem größeren deutschen Fertighaus-Hersteller, zu dem auch die Marke Libella gehört. Entsprechend wird Kampa nach Angaben von Schreyögg die gesamte Produktpalette im Rahmen des jetzt begonnenen Restrukturierungsprozesses auf niedrigen Energieverbrauch trimmen. Unsere Passivhauswand wird Standard in der gesamten Produktpalette, die dann vollständig die Kriterien der Förderbank des Bundes, der KfW, erfüllen wird, sagt er. Immerhin 36 Zentimeter dick ist die Fertighauswand, die die Wärme drinnen und die Kälte draußen halten soll. Geliefert wird - wie bei Fertighäusern üblich - in großen Einheiten, die auf der Baustelle wie ein Lego-Bausatz zusammengesetzt werden. Das hat Konsequenzen.
Darlehen zu günstigen Konditionen
Früher konnten die Bauherren durch Eigenleistung beim Fertighausbau größere Teile der Arbeiten selber leisten und dadurch eine Senkung der Kosten erreichen. Durch die komplexere Wärmedämmung, die auf absolute Dichtigkeit und Passform beim Zusammenbau der Bauteile angewiesen ist, um zum Beispiel Wärmebrücken zu vermeiden, reduziert sich der Anteil der potentiellen Eigenleistung nach Angaben von Branchenbeobachtern immer weiter. Dadurch werden die Häuser für die Bauherren tendenziell teurer.
Da hilft es nur bedingt, dass die KfW für solche Projekte Darlehen zu günstigen Konditionen zur Verfügung stellt. In einer Vielzahl von Programmen fördert diese sowohl den ökologischen Neubau als auch die Sanierung oder den Umbau von bestehenden Gebäuden. Darunter werden in dem Programm Ökologisch Bauen die Grenzwerte KfW40 und KfW60 definiert, die die Einordnung der Niedrigenergiehäuser und ihrer Sparpotentiale ermöglichen. So darf der Primärenergiebedarf der Häuser in den beiden Programmen die Werte von 40 oder 60 Kilowattstunden je Quadratmeter im Jahr nicht überschreiten.
9300 Fertighäuser werden übergeben
Ist diese Bedingung erfüllt, gibt es für jede Wohneinheit einen Kredit von höchstens 50.000 Euro zu besonderen Konditionen, der meist über die Hausbank oder auch über den Finanzierungsarm der Fertighaushersteller vermittelt wird. Derzeit liegt der Effektivzins für diese Förderung zwischen 3,09 und 3,75 Prozent für die KfW40- und zwischen 4,46 und 4,80 Prozent für die KfW60-Häuser - und damit nicht mehr so deutlich unter dem Niveau preiswerter Hypothekenkredite auf dem freien Markt wie früher.
Die Konzentration der Branche auf das Energiethema zeigt inzwischen Wirkung und trifft offensichtlich den Geschmack der Kunden. So kletterte der Anteil der Fertighäuser an den Baugenehmigungen bis Mai 2007 auf knapp 15 Prozent. Im Jahr 2004 lag er bei 13 Prozent. Damit gibt sich die Branche aber noch lange nicht zufrieden.
Der Bundesverband Deutscher Fertigbau rechnet damit, dass der Anteil dieser Bauform in den kommenden Jahren auf mehr als 20 Prozent steigen wird. Schon heute wird dieser Wert in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz überschritten. 1,5 Milliarden Euro Umsatz machen die Mitgliedsunternehmen nach Schätzungen des Verbandes mit annähernd 9300 Fertighäusern, die in diesem Jahr voraussichtlich an die Bauherren übergeben werden.
Eine bessere Dämmung hat ihren Preis
Auch der Verband weist darauf hin, dass der Auftragswert je Haus steigt, was nicht zuletzt auf die verringerte Eigenleistung zurückzuführen ist. Aber auch die bessere Dämmung hat ihren Preis. Allerdings steigt auch die Bereitschaft, höherwertig zu bauen - dies wird von 76 Prozent der Mitgliedsunternehmen im Verband bestätigt. Dabei setzen die Bauherren in den Fertighäusern auf die moderne Technik der Energieeffizienz. So werden 31 Prozent der neuen Fertighäuser nach Angaben des Verbandes mit einer Wärmepumpe ausgeliefert, und jedes vierte Haus hat eine Solaranlage auf dem Dach. Weitere 6 Prozent der Bauherren entscheiden sich für eine Heizung mit Biomasse.
Die Energieversorgung durch diese Techniken funktioniert regelmäßig dadurch optimal, dass allein durch die optimale Ausrichtung des Hauses entsprechend der Sonneneinstrahlung ein großer Teil des bisherigen Energieaufwandes eingespart werden kann. Schreyögg beziffert das Sparpotential allein durch diese Maßnahme auf 50 Prozent.
Ein innovatives Dämmverfahren mit Holzspänen
Neben der Energieeffizienz werden den Bauherren von der Fertighausbranche aber auch andere mehr oder weniger grüne Attribute beim Produkt Fertighaus geboten. So setzt der Anbieter Baufritz auf einen ganzheitlichen Ansatz und rechnet vor, dass zum Beispiel die Kohlendioxyd-Bilanz seiner Häuser deutlich positiv ausfällt. Das bedeutet, dass für die Produktion weniger CO2 aufgewandt wird, als in dem eingesetzten Material gespeichert ist. Rund 25 Kubikmeter Holz sind im Durchschnitt in einem Fertighaus verbaut. Verwendet wird meist Fichte aus heimischer Produktion.
Außerdem hat Baufritz ein innovatives Dämmverfahren mit Holzspänen zum Patent angemeldet, seine eigene Produktion vollständig an ökologischen Kriterien orientiert und bietet den Käufern zusätzlich noch Schutz vor Elektrosmog. Sogar die Gestaltung des Hauses nach den Prinzipien der altchinesischen Harmonielehre des Feng Shui ist möglich. Das spart zwar keine Energiekosten, soll bei den späteren Bewohnern aber Energie freisetzen. Als einziger Anbieter gibt der Hersteller auch eine Rücknahmegarantie: Sollte das Haus einmal ausgedient haben, wird es abgeholt, zerlegt und kompostiert.
Text: F.A.Z., 05.09.2007, Nr. 206 / Seite 19
Bildmaterial: dpa
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