Luftfahrt

TUIfly lehnt sich an die Lufthansa an

Von Hans-Christoph Noack

23. November 2007 In der deutschen Flugbranche bildet sich offenbar ein drittes Lager heraus: Neben der Gruppe um die Billigfluggesellschaft Air Berlin und die der Lufthansa rückt nun die zum Reise- und Schifffahrtskonzern TUI gehörende Fluggesellschaft TUIfly in den Fokus. TUIfly verhandelt mit der Kölner Billigfluglinie Germanwings über eine Fusion - mit einem Ergebnis könne in diesem Jahr nicht mehr gerechnet werden, ist zu hören. Außer Germanwings und TUIfly könnte die Regionalfluggesellschaft Eurowings, die für die Deutsche Lufthansa den Regionalflugverkehr ausführt, zu diesem Kreis dazustoßen. Eigentümer der Eurowings sind die Knauf-Beteiligungsgesellschaft in Dortmund mit 51 Prozent und die Lufthansa mit 49 Prozent der Anteile.

Zugleich besitzt die Lufthansa seit 2006 bei der Fluglinie die Mehrheit der Stimmrechte - aufgrund eines Stimmbindungsvertrages - und die operative Führung. Eurowings ist auf Regionalflüge mit kleineren Flugzeugen spezialisiert. Zusammen mit der Lufthansa City Line bildet die Gesellschaft das Rückgrat der Zubringerflüge aus Regionalflughäfen für die Lufthansa aus Deutschland und Europa.

Kein Kommentar aus den Unternehmen

Das neue, dritte Lager könnte nun zu jeweils 40 Prozent in Besitz der Lufthansa und der TUI sein, Knauf würde die restlichen 20 Prozent übernehmen. Das wird aber von den beteiligten Parteien nicht bestätigt. Sprecher der Unternehmen lehnten jeden Kommentar ab. Dieses mögliche Zusammengehen der noch verbliebenen deutschen Fluggesellschaften wäre für die Lufthansa und vor allem für die TUI eine gute Möglichkeit, ihre Interessen zu wahren.

Erste Gespräche hatte es schon vor Jahresfrist gegeben, damals aber auch noch unter Einbeziehung der Condor. Diese spielt nun keine Rolle mehr, da sie von 2009 an zu Air Berlin stoßen wird - vorbehaltlich der Kartellamtszustimmung. Condor wird damit das „rote Lager“ um Air Berlin, LTU und die frühere DBA vergrößern. Dann soll die neue Gesellschaft nach Vorstellungen der Air Berlin rund 40 Millionen Passagiere im Urlauber-, im europäischen Städte- und im Langstreckenverkehr nach Asien und Amerika bringen.

Ein Sanierungsfall

Die Lufthansa hat im vergangenen Jahr rund 53 Millionen Passagiere befördert und wird mit der konsolidierten Swiss auf mehr als 66 Millionen in diesem Jahr kommen. TUIfly gilt als Sanierungsfall und war - neben den bislang mäßigen Frachtraten in der Schifffahrt - eine der Hauptursachen für die schlechte wirtschaftliche Lage der TUI. TUIfly ist aus dem Zusammenschluss von HLX, der früheren TUI-Billigflugmarke, und Hapagfly, dem traditionellen Charterflieger Hapag Lloyd, vor einem Jahr entstanden. Sie hatte von Anfang an mit Überkapazitäten zu kämpfen. Zudem hatte sie es sich mit ihrem forschen Ton mit manchen Reiseveranstaltern verdorben und litt unter Auslastungsproblemen.

Grundsätzlich schätzen Reiseveranstalter, die eine Grundauslastung der Charter- und Billigflieger sichern, eine Auswahl von Fluglinien. Durch den Kauf von LTU und Condor durch Air Berlin hätte es auf der touristischen Langstrecke keine Alternative - außer Linienfluggesellschaften - in Deutschland gegeben. Mit der Bestellung für elf Boeing 787 für die Langstrecke hat die TUIfly einen Trumpf für die neu entstehende Airline zu bieten. Germanwings hingegen droht den Anschluss im sich rasch konsolidierenden Billigflugmarkt zu verlieren. Sie ist im Vergleich zu Easyjet, Ryanair oder Air Berlin zu klein.

Eine Flotte von 80 Flugzeugen

Die neue Fluggesellschaft würde über eine Flotte von rund 80 Flugzeugen verfügen. TUIfly betreibt derzeit 56 Boeing 737 und will 2007 rund 13,5 Millionen Passagiere befördern. Germanwings hat 27 Airbus 319 und 320 und rechnet mit 8 Millionen Passagieren. Die Air-Berlin-Gruppe kommt auf 126 Maschinen - mit Condor auf mehr als 150 Flugzeuge.



Text: F.A.Z., 24.11.2007, Nr. 274 / Seite 17
Bildmaterial: dpa

 
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