Banken

Vom Kassenschalter zur Internetbank

Banken zählen zu den größten Anwendern moderner Technologie

Banken zählen zu den größten Anwendern moderner Technologie

15. August 2005 Was das Erscheinungsbild der Filialen von Banken und Sparkassen anbelangt, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten wenig verändert: Ein Kassenschalter, ein paar Plätze für die Kundenberatung, einige Ständer mit Broschüren und Formularen.

Doch der äußere Eindruck täuscht. Das Bankgeschäft ist eine Hochtechnologie-Branche mit hohem Innovationstempo.

Banken zählen zu den größten Anwendern moderner Informationstechnologie. Früher spielte sich das größtenteils hinter den Kulissen ab, in der Depotverwaltung oder der Abwicklung des Zahlungsverkehrs. Doch bieten die Banken ihren Kunden seit einigen Jahren die Option, die modernen Technologien ganz direkt zu nutzen: Das gilt insbesondere für die Abwicklung von Bank- und Wertpapiergeschäften über Telefon, Handy oder Internet.

Zum Beispiel kann ein Kunde heutzutage in Sekundenschnelle Aktien in Frankfurt oder auch an der Wall Street kaufen oder verkaufen - per Mausklick. Kaum eine andere Branche hat das Internet so früh und so umfassend als Vertriebsweg genutzt wie die Finanzindustrie. Ein weiterer Innovationsschub ist zu erwarten, wenn die „digitale Signatur“ größere Verbreitung findet. Dann können zum Beispiel auch Eigenheimfinanzierungen von A bis Z online abgewickelt werden - vollständig papierlos.

Klassiker und Innovationen

Auch was die Finanzprodukte anbelangt, gibt es ein Nebeneinander von „Klassikern“ - etwa dem traditionellen Sparbuch - und Innovationen. Banken und Sparkassen kreieren fortlaufend moderne Anlageprodukte. Ein Beispiel dafür sind Zertifikate - Wertpapiere, die die Eigenschaften von Aktien und Optionen in vielfältigen, teilweise hochkomplexen Varianten kombinieren. Das ermöglicht dem Anleger, sein Geld in Papiere mit vergleichsweise hohen Renditen anzulegen - freilich unter Inkaufnahme spezieller Risiken.

Auch bei der Unternehmensfinanzierung ist Innovation Trumpf. Beispielsweise offerieren immer mehr Banken Mittelständlern Mezzanine-Kapital - eine Finanzierungsform, bei der sich die Eigenschaften von klassischem Fremd- und Eigenkapital nach individuellem Bedarf mischen lassen. Gleichzeitig gehen sie dazu über, herausgelegte Kredite in Portefeuilles zu bündeln und als „aktivabesicherte Wertpapiere“ am Kapitalmarkt zu plazieren. Ähnlich wie die Zertifikate zeichnen sich auch diese Wertpapiere durch neuartige Chance-Risiko-Kombinationen aus. Um ihren Absatz zu sichern, schneidern die Banken diese Papiere paßgenau auf die individuellen Bedürfnisse institutioneller Großanleger zu.

„Financial Engineering“

Für derartige Produkte müssen Unmengen von Daten mit Hilfe hochgezüchteter mathematischer Modelle verarbeitet werden. Ähnliches gilt für die interne Steuerung der Bankrisiken. Für diese Aufgaben benötigen die Finanzinstitute hochqualifizierte Mitarbeiter, die sich auf das moderne „Financial Engineering“ verstehen. Inzwischen gibt es in Deutschland Universitäten, die Studiengänge für Finanzmathematik und „Quantitative Finance“ anbieten.

Text: bf., F.A.Z., Samstag, 13.08.2005, Nr. 187 / S. V18
Bildmaterial: dpa

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