Kabelnetzbetreiber

Unity Media liebäugelt mit der Börse

Von Marcus Theurer

Kabel neben Kabel: in der Technikzentrale in Köln

Kabel neben Kabel: in der Technikzentrale in Köln

11. Juli 2008 In der Kabelnetzbranche mehren sich die Hinweise auf einen möglichen Eigentümerwechsel beim zweitgrößten deutschen Betreiber Unity Media. Dafür komme im Falle einer Erholung an den Finanzmärkten auch ein Börsengang in Betracht, heißt es. Als denkbar gilt aber auch ein Verkauf an einen strategischen Investor. „Das Unternehmen hat signalisiert, dass ein Börsengang ein Thema ist“, heißt es auch in Bankenkreisen. Allerdings seien die Planungen in einem sehr frühen Stadium. In der Kabelbranche selbst halten sich die Gerüchte über Unity Media schon seit Wochen hartnäckig. Das Kölner Unternehmen wird seit einigen Jahren von den Finanzinvestoren BC Partners und Apollo Management kontrolliert. Deren Geschäft ist es, Beteiligungen mittelfristig zu halten und dann weiterzuverkaufen.

Parm Sandhu, der Vorsitzende der Geschäftsführung von Unity Media, wollte sich am Freitag nicht zu dem Thema äußern. „Wir kommentieren Marktspekulationen nicht“, sagte Sandhu dieser Zeitung. Im Frühjahr hatte der Unity-Chef allerdings gesagt, sein Unternehmen sei, abgesehen vom schlechten Finanzmarktumfeld, reif für die Börse. Ähnlich hatte sich für sein eigenes Unternehmen Adrian von Hammerstein, Chef des Marktführers Kabel Deutschland (KDG), geäußert.

Will Unity Media strategische Interessenten aus der Reserve locken?

Kurzfristig gilt ein Börsengang wegen der Finanzkrise zwar als kaum möglich. In einigen Monaten könnte dies nach Einschätzung von Analysten allerdings anders aussehen. „2009 könnte sich für die deutschen Kabelbetreiber ein Fenster für Börsengänge öffnen“, sagt Marcus Sander, Analyst vom Bankhaus Sal. Oppenheim. So sei im laufenden Geschäftsjahr bei den großen Kabelnetzbetreibern mit einem kräftigen Umsatzwachstum zu rechnen, was es erleichtern würde, potentielle Anleger zu überzeugen. Sal. Oppenheim rechnet in diesem Jahr bei Unity Media mit einem Umsatzplus von 11 Prozent. Jahrelang hatten sich die Kabelbetreiber dagegen im Wettbewerb um das Breitband-Internetgeschäft gegenüber der hierzulande dominierenden DSL-Technik schwergetan. Sal. Oppenheim taxiert den Unternehmenswert von Unity Media einschließlich Schulden auf 2,7 Milliarden Euro. Bisher ist in Deutschland mit dem kleineren Mainzer Anbieter Primacom nur ein Kabelunternehmen an die Börse gegangen.

In der Kabelbranche gilt es aber auch als sicher, dass Unity sich noch nicht auf einen Börsengang festgelegt hat. „Die Vorbereitungen für die Börse dürften auch dazu dienen, mögliche strategische Interessenten aus der Reserve zu locken“, sagt ein Kabelmanager. Denn nach einem Börsengang wäre eine Übernahme von Unity Media durch einen Käufer aus der Telekommunikations- oder Medienbranche deutlich schwieriger. Schon seit Jahren gilt der amerikanische Kabelunternehmer John Malone als möglicher Interessent für deutsche Netzbetreiber. Vor einigen Monaten gab nach Brancheninformationen zudem auch Gespräche zwischen Unity und dem kleineren baden-württembergischen Betreiber Kabel BW. Dieser wird vom Finanzinvestor EQT kontrolliert.

Die deutschen Kabelgesellschaften haben in den vergangenen zwei Jahren im Wettbewerb mit DSL-Anbietern aufgeholt. Lange Zeit hatten sie dagegen fast ausschließlich davon gelebt, Programme im analogen Fernsehen und Radio zu übertragen. Erst viel später als in anderen Ländern brachten große Netzbetreiber wie Unity, KDG und Kabel BW sogenannte Triple-Play-Angebote auf den Markt – also Digitalfernsehen, Breitband-Internetzugang und Telefonanschluss in einem Paket. Ihr Marktanteil ist wegen des Spätstarts im Breitband-Internetmarkt trotz steigender Kundenzahlen noch gering.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Unternehmen, Unity Media

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