Fluggesellschaften

British Airways und Iberia einigen sich auf Fusion

Von Marcus Theurer und Michael Psotta

Zwei Fluggesellschaften, die derzeit Verluste erwirtschaften: Iberia und British Airways

Zwei Fluggesellschaften, die derzeit Verluste erwirtschaften: Iberia und British Airways

12. November 2009 Nach monatelangen Verhandlungen haben sich die Fluggesellschaften British Airways und Iberia auf eine Fusion verständigt. Durch den Zusammenschluss würden Synergien von etwa 400 Millionen Euro entstehen, teilte Iberia am Donnerstagabend mit. Die Briten werden künftig 55 Prozent an dem neuen Konzern halten und die Spanier 45 Prozent. Aufsichtsratschef soll Antonio Vazquez von Iberia werden, während Willie Walsh von BA den Posten des Unternehmenschefs (CEO) erhält. Die Fusion solle Ende 2010 abgeschlossen sein.

Schon am Donnerstagmorgen hatten Spekulationen über einen bevorstehenden Zusammenschluss die Aktienkurse von British Airways (BA) und der kleineren Iberia an den Börsen in London und Madrid nach oben schießen lassen. Die spanische Zeitung "El País" berichtete am Nachmittag, das neue Unternehmen werde seinen Hauptsitz in London haben.

Seit Sommer 2008 wird verhandelt

Der Bund der Briten mit den Spaniern ist die größte Fusion in der europäischen Luftfahrtbranche seit dem Zusammengehen von Air France mit KLM vor fünf Jahren. BA, die drittgrößte Gesellschaft in Europa nach Air France-KLM und der Deutschen Lufthansa, hat seit dem Sommer 2008 mit der kleineren spanischen Iberia über einen Schulterschluss verhandelt. Beide Fluggesellschaften sind durch die Weltwirtschaftskrise schwer in Bedrängnis geraten, verzeichnen starke Rückgänge bei den lukrativen Geschäftsreisen und schreiben hohe Verluste. BA-Chef Willie Walsh hatte im Frühjahr sogar gewarnt, sein Unternehmen stecke "in einem Kampf ums Überleben".

BA und Iberia hoffen, zusammen ihre Kosten stärker senken und so die Geschäftseinbußen besser abfedern zu können. Die bisherige Finanzlage der Fusionspartner ist dagegen düster: BA hat in der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahrs 2009/2010 (31. März) einen Verlust vor Steuern von 292 Millionen Pfund (rund 320 Millionen Euro) erlitten und ein Umsatzminus von 13,7 Prozent auf 4,8 Milliarden Pfund verbucht. Außerdem macht BA ein milliardenschweres Loch in seiner betrieblichen Altersvorsorge-Kasse zu schaffen, das die Verhandlungen mit Iberia ebenfalls erschwert hat.

Die letzten bislang veröffentlichten Geschäftszahlen der Spanier aus dem Frühjahr sind ähnlich schlecht: Iberia wies im zweiten Quartal einen Verlust von 72,8 Millionen Euro und einen Umsatzrückgang um 22 Prozent auf 1,07 Milliarden Euro aus. Im dritten Quartal dürfte es nicht besser ausgesehen haben. Zudem musste die ehemalige spanische Staatslinie jüngst den Ausfall Hunderter Flüge verkraften. Dazu kam es durch Streiks des Kabinenpersonals, das eine vierprozentige Lohnerhöhung durchsetzen wollte. Auch bei BA drohen Streiks gegen den Sparkurs des Managements.

Iberia ist Marktführer auf Strecken nach Lateinamerika

Der tiefere Ursprung des Arbeitskampfes bei Iberia liegt indessen in den längerfristigen Sparbemühungen des erst seit Anfang Juli amtierenden Vázquez. Angesichts des verlustbringenden Fluggeschäfts, das im ersten Halbjahr täglich Fehlbeträge von rund 1 Million Euro erbrachte, muten diese Pläne zunächst nicht allzu brachial an. Vázquez will auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten und stattdessen durch Maßnahmen wie Einstellungsstopp und Frühverrentungen die Mitarbeiterzahl verringern. Auch ein Verzicht auf Lohnerhöhungen für zwei Jahre ist geplant.

Längerfristig allerdings ist Einschneidenderes vorgesehen: Iberia soll sich auf das lukrativere Geschäft mit Langstrecken konzentrieren. Auf den Strecken zwischen Europa und Lateinamerika ist die spanische Linie der Marktführer. Auf diese Verbindungen will sich Iberia auch mit höherwertigen Angeboten für Geschäftsreisende konzentrieren. Auf den Mittel- und Kurzstrecken dagegen plant Vázquez die Streichung weiterer Verbindungen sowie Einsparungen. Bis 2011 soll dieses Geschäft in eine neue Billigfluggesellschaft überführt werden. Vor allem hiergegen richtet sich der Zorn der Gewerkschaften, da die Löhne und Gehälter in der Billigfluggesellschaft deutlich unter den Tarifen von Iberia lägen.

Vázquaz, der zuvor als Vorstandsvorsitzender des spanisch-französischen Tabakkonzerns Altadis tätig war, sieht aber offenbar keinen anderen Ausweg als einen scharfen Sparkurs - und eine Verbindung mit BA. Ähnlich wie sein Kollege Walsh hob auch Vázquez kürzlich vor seinen noch 21.000 Mitarbeitern hervor: "Iberia geht unter, und wir müssen reagieren."

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP

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