Mineralölfirmen in der Kritik

Spritpreis vor Ostern auf Jahreshoch

Nicht gerade preisgünstig: Griff zur Zapfpistole

Nicht gerade preisgünstig: Griff zur Zapfpistole

09. April 2009 Mehrere Autoclubs haben die Mineralölkonzerne wegen Preiserhöhungen kurz vor der Osterreisewelle kritisiert. „Die Preise sind überhöht“, sagte ADAC-Sprecher Andreas Hölzel am Donnerstag. Zwar seien die Ölpreise leicht gestiegen. Dies rechtfertige jedoch nicht die Erhöhungen beim Benzinpreis. „Unserer Meinung nach hängt das ganz klar mit Ostern zusammen“, sagte Hölzel.

Unmittelbar vor den Ostertagen waren die Benzinpreise in Deutschland auf ein neues Jahreshoch gestiegen. Die Mineralölkonzerne erhöhten den Preis für einen Liter Benzin auf durchschnittlich 1,27 Euro und für Diesel auf 1,09 Euro. Das Ausmaß der Preiserhöhungen war regional sehr unterschiedlich; in einzelnen Städten wie zum Beispiel Lübeck stiegen die Preise innerhalb kurzer Zeit um bis zu zehn Cent je Liter. In anderen Regionen waren es drei bis vier Cent. Der Automobilclub nannte die Benzinpreise angesichts des Rohölpreisniveaus „deutlich überhöht“.

Der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) verwies dagegen darauf, dass die Beschaffungskosten seit Beginn des Jahres um 54 Prozent zugelegt hätten. „Es liegt nicht an Ostern“, sagte MWV-Hauptgeschäftsführer Klaus Picard. Für die Preiskalkulation seien die Einkaufskosten entscheidend.

Autoclub vermutet Preisabsprachen

Der Auto Club Europa (ACE) bezweifelte die Begründung, die Großmarktpreise seien gestiegen, und forderte zudem das Bundeskartellamt auf, den Tankstellenmarkt zu kontrollieren. „Das Amt muss endlich klären, ob es verbotene Preisabsprachen gibt. Im vergangenen Jahr wurde den Verbrauchern eine Marktüberprüfung versprochen, aber Ergebnisse stehen bis heute aus“, sagte ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner. Wenn es möglich sei, den Strom- und Gasversorgern auf die Finger zu klopfen, müsse das auch bei den Mineralölkonzernen machbar sein.

Einer aktuellen Studie des ADAC zufolge müssen Autofahrer generell freitags höhere Benzinpreise zahlen als an anderen Wochentagen. Zu Wochenbeginn seien die Preise an den Tankstellen am niedrigsten. Ein Liter Benzin kostete laut Untersuchung im vergangenen Jahr zu Wochenbeginn durchschnittlich 1,370 Euro im Vergleich zu 1,402 Euro am Freitag und damit 3,2 Cent mehr. Der Dieselpreis lag montags bei 1,305 Euro, freitags bei 1,336 Euro. Zweitteuerster Wochentag sei der Mittwoch, zweitbilligster der Sonntag. Auch zu Ferienbeginn seien deutliche Preiserhöhungen zu beobachten. Der ADAC ermittelte die durchschnittlichen Tagesspritpreise des gesamten vergangenen Jahres.

Auch diese Vorwürfe wies die Mineralölwirtschaft zurück. Deutschland sei der wettbewerbsintensivste Tankstellenmarkt Europas, was sich unter anderem in mehr als 100 Preisbewegungen jährlich niederschlage. Dabei seien die Tankstellen bemüht, möglichst viele Kunden auf ihre Stationen zu ziehen und die Preise unter denen der Konkurrenz zu halten, sagte eine Sprecherin des MWV.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: ADAC, ASSOCIATED PRESS, obs

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