25. September 2006 Die geplante Übernahme der Schwarz Pharma durch das belgische Pharmaunternehmen UCB wird mit einem Abbau von Arbeitsplätzen verbunden sein. Das teilten die beiden Vorstandsvorsitzenden Patrick Schwarz-Schütte und Roch Doliveux am Montag vor Journalisten in Düsseldorf mit. Über den Umfang und den Zeitplan könne man noch nichts sagen. Ende des laufenden Jahres werde aber Klarheit darüber herrschen, sagte Schwarz-Schütte.
Das Zusammengehen werde zum einen zu Kostensenkungen und zum anderen zur Kostenvermeidung führen, sagten beide Manager. Synergien ergäben sich beispielsweise aus der gemeinsamen größeren Einkaufsmacht.
Zu kleiner Forschungsetat, um allein zu bestehen
Schwarz-Schütte versicherte, der Stellenabbau werde mit großer sozialer Verantwortung vorgenommen. Man werde sich daran orientieren, wo es die jeweils besten Mitarbeiter, Kompetenzen und Ressourcen gebe. Für Schwarz Pharma sei das Zusammengehen mit UCB im besten Interesse der Beschäftigten, denn es wäre viel schlimmer, wenn das Unternehmen allein weitermache. Schwarz Pharma habe einen zu kleinen Forschungsetat und eine zu geringe Marktposition, um langfristig ohne Partner im globalen Wettbewerb zu
bestehen, erläuterte der Vorstandsvorsitzende.
Als weiteren Vorteil des Zusammenschlusses nannte der Manager die Möglichkeit der Risikodiversifizierung. Einen solchen Trend sieht er in der Branche insgesamt. Außerdem erhalte Schwarz Pharma so Anschluß an die Biotechnologie. UCB habe von Anfang an auf einer kurzen Liste mit möglichen Partnern oben gestanden, sagte Schwarz-Schütte.
Belgier haben sich mehr als zwei Drittel gesichert
UCB bietet 50 Euro in bar und 0,8735 eigene Aktien für jedes Schwarz-Pharma-Papier, wie die Unternehmen am Montag mitteilten. Das entspreche einem Wert von 91,10 Euro für jede der im MDax gelisteten Schwarz-Pharma-Aktien, ein Aufschlag von 20 Prozent zum Schlußkurs am Freitag.
Mehr als zwei Drittel der Anteile haben sich die Belgier bereits gesichert: Die Familie Schwarz-Schütte, die rund 60 Prozent der Anteile des Unternehmens aus Monheim bei Köln besitzt, hat sich zur Annahme des Angebots verpflichtet. Schroders Investments und Capital Research and Management, die zusammen 7,9 Prozent halten, wollen ihre Anteile ebenfalls abgeben.
Eigentümerfamilie bleibt weiter engagiert
Die Eigentümerfamilie will den Angaben zufolge bis 2010 mindestens 41,5 Prozent der UCB-Aktien zu behalten, die sie im Zuge des Verkaufs erhält. Vorstand und Aufsichtsrat hätten dem Angebot der Belgier bereits zugestimmt. Diese Transaktion wird unser Geschäft verbreitern und die kommerziellen Aussichten für unsere Pipeline im fortgeschrittenen Entwicklungsstadium deutlich verbessern, erklärte Schwarz-Pharma-Vorstandschef Patrick Schwarz-Schütte.
Die Schwarz-Pharma-Aktie notierte vorbörslich 18 Prozent im Plus. Die Übernahme ist für UCB extrem teuer, sagte ein Marktstratege in einer ersten Reaktion. Das 1928 gegründete Brüsseler Unternehmen erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von 2,3 Milliarden Euro und beschäftigt mehr als 8300 Mitarbeiter. Es ist damit mehr als doppelt so groß wie Schwarz Pharma. UCB hat sich auf unter anderem auf Medikamente gegen Allergien, für Erkrankungen des zentralen Nervensystems, Atemwegsbeschwerden sowie gegen Krebs spezialisiert und gehört zu rund 42 Prozent der belgischen Beteiligungsfirma Financiere de Tubize der Gründerfamilie Janssen.
Monheim soll wichtiger Standort bleiben
Gemeinsam kommen beide Unternehmen auf einen Umsatz von 3,3 Milliarden Euro im Jahr und verfügen über ein Forschungsbudget von 770 Millionen Euro. Innerhalb von drei Jahren sei mit Synergien von 300 Millionen Euro zu rechnen. Schon nach zwei Jahren sollen die positiven Effekte aus der Übernahme die Kosten und Goodwill-Abschreibungen übersteigen. UCB will die Übernahme, die bis Jahresende abgeschlossen sein soll, mit Fremdkapital und neuen Aktien aus einer Kapitalerhöhung finanzieren.
Von Monheim im Rheinland aus werde künftig das gemeinsame allgemeinmedizinische Geschäft unter dem Namen Schwarz Pharma geführt, zudem werde der Standort eines der Forschungs- und Entwicklungszentren des Unternehmens. Schwarz Pharma setzte im vergangenen Jahr mit Arzneien in den Bereichen Herz-Kreislauf, Magen-Darm, Asthma, und Neurologie gut 990 Millionen Euro um und hat rund 4.400 Mitarbeiter. Das Unternehmen hat derzeit drei neue Wirkstoffe in der fortgeschrittenen klinischen Entwicklung.
Mit dem Verkauf setzt sich die Konzentrationswelle unter den mittelständischen Unternehmen in der Pharmabranche fort. Erst am Donnerstag hatte der Pharma- und Spezialchemiekonzern Altana den Verkauf seines Pharmageschäfts an den dänischen Arzneimittelhersteller Nycomed bekannt gegeben. Der Darmstädter Pharmakonzern Merck KGaA übernimmt das Schweizer Biotechunternehmen Serono.
Text: FAZ.NET mit Material von Dow Jones und Reuters
Bildmaterial: dpa/dpaweb
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