Vorstände sagen ab

Schäuble allein mit der Telekom

Von Johannes Winkelhage

Selbstverpflichtung? Schäubles Vorschlag verfängt nicht

Selbstverpflichtung? Schäubles Vorschlag verfängt nicht

30. Mai 2008 Die meisten von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) zu einer Diskussion über Datenschutz eingeladenen Telekommunikationsunternehmen haben dem Minister abgesagt. Einzig die wegen der Bespitzelung von Führungskräften und Journalisten in Schwierigkeiten geratene Deutsche Telekom wird am Montag mit dem Vorstandsvorsitzenden René Obermann teilnehmen. Die Bonner Staatsanwaltschaft nahm derweil am Freitag weitere Razzien vor (Staatsanwälte weiten Telekom-Ermittlungen aus ).

E-Plus, Vodafone und Arcor haben nicht vor, Vertreter nach Berlin zu schicken. Auch Telefónica und deren deutsche Tochtergesellschaft O2 werden nicht an dem Gespräch teilnehmen. Kein Unternehmen hat derzeit Interesse daran, mit dem Telekom-Skandal in Verbindung gebracht zu werden – in dem am Freitag auch Vorwürfe über die Ausspitzelung von Bankdaten oder die Erstellung von Mobilitätsprofilen die Runde machten (Kommentar: Vorstände sagen Schäuble ab).

Vodafone-Chef: Kein mangelndes Bewusstsein in der Branche

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In seiner Absage schrieb Vodafone-Chef Fritz Joussen: „Mir liegt daran klarzustellen, dass es sich bei den Vorkommnissen in der Deutschen Telekom... offensichtlich um Gesetzesverstöße in einem Unternehmen handelt, nicht aber um grundsätzliche Sicherheitsfragen oder ein mangelndes Bewusstsein der Branche.“ In der Branche heißt es, daher sei auch eine von Minister Schäuble vorgeschlagene Selbstverpflichtung zu einem sorgsamen Umgang mit den Teilnehmerdaten nicht erforderlich. Zudem gebe es Gesetze für den Umgang mit den Verbindungsdaten. Deshalb sei es ausreichend, wenn die Verbände zu dem Thema gehört würden. Entsprechend haben die Branchenvereinigung Bitkom und der Kölner Verband der Anbieter von Telefon- und Mehrwertdiensten (VATM) zugesagt. Auch das Bundeswirtschaftsministerium wird teilnehmen.

Kritisch wird in vielen Unternehmen auch gesehen, dass man im Rahmen eines solchen Gespräches mit Vertretern des größten Aktionärs der Telekom verhandeln würde.

Schäuble mahnt zur Teilnahme

Schäuble rief die Verbände und Unternehmen am Abend eindringlich zur Teilnahme an dem von ihm anberaumten Treffen auf. „Das ist ein Angebot an die Branche, und sie ist gut beraten, wenn sie es annimmt“, sagte Schäuble am Rande einer Tagung in der Akademie für politische Bildung in Tutzing. Die Vorwürfe gegen die Telekom seien schwerwiegend und geeignet, „Vertrauen in die Seriosität der Telekommunikationsunternehmen im Umgang mit Daten zu erschüttern“. Nun müsse gemeinsam beraten werden, wie der entstandene Schaden begrenzt oder behoben werden könne.

Der Innenminister erklärte, zunächst müsse sichergestellt werden, dass bestehende Gesetze und Vorschriften eingehalten würden. Zudem müsse man klären, ob zusätzliche „institutionelle Vorkehrungen“ in den Unternehmen möglich seien und ob es gesetzlichen Handlungsbedarf gebe. Man werde dies seriös prüfen, aber schnell handeln. Die Bürger hätten einen Anspruch darauf, dass mit ihren Daten angemessen und geltenden Datenschutz-Regeln entsprechend umgegangen werde, betonte der Minister. Hier hätten die Telekommunikationsunternehmen, insbesondere die Deutsche Telekom, eine besondere Verantwortung. Schäuble betonte ausdrücklich, dass die übrigen Unternehmen nicht in den Verdacht gerückt werden sollten, ebenfalls Missbrauch mit Daten betrieben zu haben: „Wir führen kein Vermittlungsverfahren“.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp, reuters

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Allein mit Obermann

Abgesagt

Warum sollte die Konkurrenz mit Obermann gemeinsam vor die Kameras?

Es ist schon reichlich unverfroren, wenn Innenminister Schäuble anlässlich der Spitzelvorwürfe gegen den ehemaligen Staatskonzern mit den Wettbewerbern der Telekom über Datensicherheit in ihren Unternehmen reden will. Deren klare Absage ist verständlich. Von Johannes Winkelhage

Spitzel-Affäre

Staatsanwälte weiten Telekom-Ermittlungen aus

Der ehemalige Bundesrichter Schäfer (l.) soll´s richten für René Obermann

Nachdem ihm der Aufsichtsrat am Mittwoch noch den Rücken gestärkt hatte, gerät Telekom-Vorstandschef Obermann zunehmend unter Druck. Er hat sich einen externen Sachverständigen zu Hilfe gerufen. Die Razzia ging nach F.A.Z.-Informationen weiter. Von Helmut Bünder

Telekom-Affäre

Weitere Vorwürfe gegen ehemalige Manager

In Rahmen der Spitzelaffäre bei der Telekom sind weitere Vorwürfe laut geworden. In Medienberichten war davon die Rede, dass auch Bankdaten ausspioniert und mithilfe von Handys Bewegungsprofile überwachter Personen erstellt worden sein sollen. Laut Staatsanwaltschaft gibt es dafür allerdings bisher keine konkreten Belege. Unterdessen geraten auch die Sicherheitsfirmen, die für die Telekom aktiv wurden, ins Visier der Justiz.

Oberstaatsanwalt Apostel

Déjà vu in Sachen Telekom

Der Ermittler: Oberstaatsanwalt Apostel

In der Öffentlichkeit zu stehen, dürfte dem beredten Medienprofi Friedrich Apostel bekannt sein: Gegen die Telekom hat er schon ermittelt, als Ron Sommer und Kollegen Falschbilanzierung im Zusammenhang mit dem Börsengang der Telekom vorgeworfen wurde.

Spitzelaffäre

Razzia bei der Telekom - Schäuble bestellt Topmanager ein

Im Visier der Justiz: der frühere Konzernchef Ricke (l.) und der ehemalige Vorsitzde des Aufsichtsrats Zumwinkel

Die Staatsanwaltschaft hat in der Spitzelaffäre bei der Telekom Ermittlungen gegen den früheren Konzernchef Ricke und den ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Zumwinkel aufgenommen. Innenminister Schäuble will nach F.A.Z.-Informationen mit den Chefs der deutschen Telekommunikationsanbieter über den Datenschutz sprechen. Von Helmut Bünder, Kerstin Schwenn und Johannes Winkelhage

Akteure der Telekom-Spitzelaffäre

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