Automobilindustrie

BMW baut 8100 Stellen ab

27. Februar 2008 Der Münchener Autobauer BMW will weltweit 8100 Stellen abbauen - davon 7.500 in Deutschland. Das teilte BMW am Mittwoch in München mit. Personalvorstand Ernst Baumann sagte, der Autokonzern müsse seine Rendite wieder verbessern. Die IG Metall reagierte empört. BMW hatte bereits im Dezember angekündigt, dass der Konzern seine Personalkosten senken und mehrere tausend Stellen abbauen werde.

Baumann sagte, bei den Zeitarbeitskräften werde BMW bis zum Jahresende 5.000 Stellen streichen. „Etwa die Hälfte davon haben das Unternehmen bereits verlassen.“ Bei der Stammbelegschaft in den deutschen Werken baut BMW weitere 2.500 Stellen ab. Der Abbau erfolge durch Nichtbesetzung frei werdender Stellen, Altersteilzeit oder freiwilliges Ausscheiden mit Abfindungen. Kündigungen schloss der Personalchef aus. Die restlichen 600 Stellen fallen im Ausland weg.

BMW will sechs Milliarden Euro einsparen

Der Arbeitsplatzabbau trifft vor allem die bayerischen Standorte wie München, Dingolfing und Regensburg. Im BMW-Werk Leipzig dagegen werde es nur kleinere Korrekturen geben, sagte der Personalchef. Die 5.000 Zeitarbeiter würden auch nicht arbeitslos, sondern behielten ihre Stellen bei den Zeitarbeitsfirmen. Die Nachfrage nach Fachkräften in Bayern sei hoch, betonte Baumann.

BMW ist wegen des schwachen Dollarkurses und steigender Produktionskosten unter Druck geraten, die Gewinnmarge ist immer weiter gesunken. Mit dem Personalabbau sowie und der Senkung der Materialkosten will BMW sechs Milliarden Euro einsparen und die Umsatzrendite wieder auf acht bis zehn Prozent steigern. Derzeit hinkt der Münchner Autokonzern mit einer Umsatzrendite von unter sechs Prozent weit hinter Konkurrenten wie Mercedes oder Audi her.

BMW brauche in den nächsten Jahren weniger Arbeitskräfte. Statt jährlich zehn Prozent mehr Autos werde das Unternehmen in den nächsten Jahren nur noch drei bis vier Prozent mehr verkaufen. Die Produktivität wachse aber um fünf bis zehn Prozent jährlich.

Mehr Stellen in Amerika

Der bayerische IG-Metall-Chef und BMW-Aufsichtsratsmitglied Werner Neugebauer warf BMW einen Kulturbruch vor und warnte vor kurzsichtigem Renditedenken. „Herr Baumann glaubt offenbar, den Scharfmacher spielen zu müssen und durch eine permanente Verunsicherung der Belegschaft den Börsenkurs in die Höhe treiben zu können“, kritisierte der Gewerkschafter. Wenn BMW „diese Kultur ändern will, wird sich auch die IG Metall anders aufstellen.“ Der IG-Metall-Beauftragte für BMW, Horst Lischka sagte, betriebsbedingte Kündigungen seien für die nächsten sieben Jahre ausgeschlossen. „Wir haben eine knallharte Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung, an der kommt keiner vorbei.“

Baumann sagte, BMW werde in den Vereinigte Staaten Stellen aufbauen. Wenn der Dollarkurs nachhaltig bei 1,50 Euro bleibe, „werden wir auch beim Personal weitere Maßnahmen brauchen“.

Stichwort: BMW-Werke

BMW ist dabei, in Deutschland 7.500 Stellen zu streichen. Davon sind 5.000 Zeitarbeiter betroffen, weitere 2.500 Stellen sollen bei der Stammbelegschaft wegfallen. Derzeit beschäftigt BMW in Deutschland rund 80.000 Mitarbeiter.

Der weltweit größte Produktionsstandort von BMW ist das Werk Dingolfing in Niederbayern mit 22.000 Beschäftigten. Wo früher Goggomobile vom Band liefen, werden heute täglich rund 1.200 BMW 5er, 6er, 7er gebaut. Außerdem werden hier die Rohkarosserien für den Rolls-Royce Phantom hergestellt.

Im Stammwerk München, das 1916 als Fabrik für Flugmotoren gegründet worden war und ab 1928 in Lizenz den Kleinwagen Dixi fertigte, arbeiten heute rund 10.000 Mitarbeiter. Im Werk neben der Konzernzentrale und dem Entwicklungszentrum werden BMW 3er sowie Motoren und Karosserieteile für andere Autos produziert.

In Regensburg bauen 10.000 Mitarbeiter täglich etwa 1.000 BMW 1er und 3er und pressen Türen und Karosserieteile für den 3er. Im nahen Landshut produzieren 3.300 BMW-Mitarbeiter Gelenkwellen, Motoren- und Kunststoffteile, im Werk Wackersdorf bauen 2.700 Menschen Karosserien und Cockpits für den 3er.

In Leipzig eröffnete BMW erst vor drei Jahren das modernste Werk mit den flexibelsten Produktionsstraßen. Rund 5.400 Mitarbeiter stellen hier 3er Limousinen und 1er her.

Im traditionsreichen Berliner BMW-Werk bauen 2.600 Beschäftigte täglich 500 Motorräder, aber auch Bremsscheiben für BMW-Autos.

In den Vereinigte Staaten bauen 4.700 BMW-Mitarbeiter in Spartanburg in South Carolina täglich rund 500 X5-Geländewagen und Z4-Roadster. BMW will künftig aber alle Geländewagen in den Vereinigte Staaten herstellen und die Produktion dort um die Hälfte auf 240.000 Autos im Jahr erhöhen.

Im chinesischen Shenyang baut BMW in einem Gemeinschaftswerk mit einem chinesischen Partnerunternehmen BMW 3er und 5er für Kunden in der Volksrepublik.
(AP)

AP



Text: dpa
Bildmaterial: AP, dpa

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