Übernahmekampf

Conti sucht den „Weißen Ritter“

Von Henning Peitsmeier und Johannes Ritter

18. Juli 2008 Der Vorstand von Continental arbeitet mit Hochdruck an einer Strategie, um die Übernahme durch die Schaeffler-Gruppe doch noch abzuwehren. Die Zeit drängt, denn der eigene Aufsichtsrat will von Vorstandschef Manfred Wennemer bis zum kommenden Mittwoch Klarheit.

„Wir stehen an der Seite des Vorstands“, sagte der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und IG-BCE-Vorstand Werner Bischoff der F.A.Z. „Der Vorstand muss jetzt Lösungswege bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung aufzeigen.“Bis dahin muss Wennemer seine ablehnende Haltung in eine Verteidigungsstrategie umgesetzt haben.

Conti-Chefkontrolleur soll von Plänen gewusst haben

Doch der Aufsichtsrat steht keinesfalls geschlossenen hinter dem Conti-Verteidiger. Ausgerechnet Chefkontrolleur Hubertus von Grünberg spricht sich für die Offerte von Schaeffler aus. Angeblich soll Grünberg sogar schon Wochen vorher von den Schaeffler-Plänen gewusst haben. Grünberg nahm zu seiner möglichen Interessenkollision nur per schriftlicher Mitteilung und sehr vage Stellung: Demnach werde sich der Conti-Aufsichtsrat erst äußern, sobald das Schaeffler-Angebot „ausreichend konkretisiert“ sei und es im Aufsichtsgremium dazu einen Meinungsbildungsprozess gegeben habe. D

abei sollen die Interessen der Aktionäre im Vordergrund stehen. Weiter erklärte Grünberg: „Als Vorsitzender des Aufsichtsratsgremiums, das in der Regel zu einem gemeinsamen Votum gelangt, ist es mir deshalb heute - vor Abschluss dieses Meinungsbildungsprozesses - noch nicht möglich, eine derartige Stellungnahme abzugeben.“

Potente Investoren gesucht

Der kommende Mittwoch könnte also schon eine Vorentscheidung im Übernahmekampf bringen. Gelingt es Wennemer und seinem Finanzvorstand Alan Hippe nicht, Zweifel am Sinn einer Verteidigung zu beseitigen, könnte der Aufsichtsrat den Vorstand zum Einlenken auffordern. Doch der Vorstand, beraten von der Investmentbank Goldman Sachs, zeigt sich kämpferisch. Am Freitag gaben sich am Hauptsitz in Hannover die Investmentbanker die Türklinke in die Hand, hieß es in unternehmensnahen Kreisen.

Offenbar liegt bereits eine Vielzahl von Vorschlägen auf dem Tisch, wie die feindliche Attacke der Franken abgeschmettert werden könnte. Auch werden etliche Namen potenter und möglicherweise einstiegswilliger Investoren ventiliert. Im Mittelpunkt der Überlegungen scheint im Moment die Suche nach einem „Weißen Ritter“ zu stehen.

Ein solcher, dem Conti-Vorstand und dessen Strategie zugeneigter Investor, müsste seinerseits große Aktienpakete des Unternehmens erwerben. Dabei könnte er auch versuchen, an den rund 28-prozentigen Conti-Anteil (oder einen Teil davon) zu kommen, den sich Schaeffler über Swap-Geschäfte gesichert haben will. Es liegt eigentlich in der Natur dieses speziellen Derivate-Geschäfts, dass die dazu eingeschalteten Banken die zugrundeliegenden Aktien an den meistbietenden Interessenten verkaufen müssen - und das muss ja nicht zwangsläufig Schaeffler sein.

Wennemer will Conti nicht auseinanderreißen

Eine Strategie zur Abwehr feindlicher Übernahmen ist auch, wertvolle Unternehmensteile zu verkaufen, um den Anreiz für den Angreifer zu schmälern. Eine solche Selbstzerschlagung dürfte jedoch mit Wennemer nicht zu machen sein. Dem Vernehmen nach hat er intern klar gemacht, dass er nichts unternehmen werde, was das bestehende Unternehmensgebilde auseinanderreiße. Auch eine Kapitalerhöhung, über die immer wieder spekuliert wird, scheint derzeit nicht auf der Agenda zu stehen.

Unterdessen hat Europas größter Autokonzern, Volkswagen, Schaeffler vor einer feindlichen Übernahme von Continental gewarnt. Er stehe einem Zusammenschluss zwar aufgeschlossen gegenüber, dieser ergebe aber nur Sinn, wenn er nicht gegen den Willen von Conti erfolge, sagte der VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn in Wolfsburg. „Was ich nicht positiv sehen würde, wäre, wenn hier ein Machtkampf entstünde mit feindlicher Übernahme und solchen Dingen. Das könnte unser Geschäft schädigen.“

VW will nicht als „Weißer Ritter“ einspringen

VW ist größter Kunde sowohl von Schaeffler als auch von Continental. „Wenn sich zwei solche Unternehmen zusammensetzen, dann klingt das Ganze zunächst positiv.“ Er hätte allerdings „ein Problem, wenn die sich ein halbes Jahr lang bekriegen“, sagte Winterkorn. Er stellte überdies klar, dass VW Conti keinesfalls als „Weißer Ritter“ helfen werde. Man werde sich nicht an einem Zulieferer beteiligen: „Sobald wir einsteigen würden, wäre der Zulieferer für andere Automobilbauer blockiert.“

Winterkorns Einlassung wird in der Branche mit dem VW-Chefkontrolleur Ferdinand Piëch in Zusammenhang gebracht: Gerüchten zufolge sollen die Familien Piëch und Porsche in gutem Kontakt zur Familie Schaeffler stehen. Manche glauben gar, dass hinter dem Schaeffler-Vorstoß die Idee stehe, Teile der deutschen Autoindustrie in Familienhände zu legen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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