Nach Kontroversen über Spottpreis

JP Morgan verfünffacht Bear-Stearns-Gebot

24. März 2008 Nach heftiger Kritik an dem geplanten „Spottpreis“ für die angeschlagene amerikanische Traditionsbank Bear Stearns will JP Morgan sein Angebot verfünffachen. Der Kaufpreis werde auf rund zehn Dollar pro Aktie von bislang zwei Dollar angehoben, teilte JP Morgan am Montag mit. Die Bear-Stearns-Aktien schossen zeitweilig mehr als 100 Prozent in die Höhe und notierten über dem neuen Gebotspreis. Die „New York Times“ hatte zuvor berichtet, mit einer Anhebung der Offerte sollten die erbosten Aktionäre von Bear Stearns beruhigt werden.

Das erste, von Bear Stearns bereits akzeptierte Gebot, wurde in der Branche als Preis für einen Notverkauf gesehen. Das 85 Jahre alte Wall-Street-Institut hatte sich am amerikanischen Immobilienmarkt mit Ramschhypotheken verspekuliert. Die Lage hatte sich im März zugespitzt, als Gerüchte über Geldprobleme der Bank aufkamen. Bear Stearns dementierte dies zunächst. Doch dann musste die amerikanische Notenbank Fed zusammen mit JP Morgan für die Bereitstellung von Krediten einspringen.

Bear Stearns hatte dem Angebot schon zugestimmt

Bear Stearns hatte vor rund einer Woche dem Übernahmeangebot von JP Morgan von 236 Millionen Dollar oder zwei Dollar pro Aktie zugestimmt. Das Gebot lag zu dem Zeitpunkt 93 Prozent unter dem damals letzten Aktienkurs der fünftgrößten Investmentbank der Vereinigten Staaten. Vor einem Jahr war das Papier noch 172 Dollar wert. Wegen des niedrigen Angebots stürzte der Kurs zu Beginn der vergangenen Woche zeitweise ab.

In einem Zeitungsbericht hatte es vor wenigen Tagen geheißen, zwei Großaktionäre von Bear Stearns würden versuchen, die Übernahme durch JP Morgan zu verhindern. Der frühere Chef von Bear Stearns, James Cayne, und der Anteilseigner Joe Lewis würden hinter JP Morgans Rücken nach einem anderen Bieter suchen, hatte die „New York Post“ berichtet. Dazu seien sie an europäische Banken wie Barclays, HSBC, Credit Suisse und Royal Bank of Scotland sowie an Beteiligungsgesellschaften wie J.C. Flowers und
Kohlberg Kravis Roberts & Co herangetreten. Cayne und Lewis halten gemeinsam knapp 15 Prozent der Bear-Stearns-Anteile.

Aktie legte kräftig zu

Da Anleger deshalb auf ein höheres Gebot spekulierten, zog die Aktie an und schloss am Donnerstag bei rund sechs Dollar. Am Montag legten die Papiere nach ersten Nachrichten über die mögliche Aufstockung vorbörslich um rund 50 Prozent auf 9,15 Dollar zu. Nach dem Höhenflug mit einem Aufschlag von 100 Prozent notierten die Anteile später noch weiter kräftig im Plus.

Nach dem neuen Vorschlag für das reine Aktiengeschäft soll jedes Bear-Stearns-Papier gegen 0,21753 JP-Morgan-Anteile eingetauscht werde. JP Morgan will zudem 95 Millionen neue Stammaktien von Bear Stearns kaufen, was 39,5 Prozent des Umlaufkapitals entspricht.



Text: Reuters
Bildmaterial: AFP

 
Kursabfrage 
NamePunkteProzent
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TecDax 734,26 -0,60
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Nasdaq 2.245,38 -0,27
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