Von Uta Bittner
03. März 2008 Notebooks - egal, ob Premiumprodukt oder abgespeckte Billigvariante - befinden sich auf dem Vormarsch. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr erstmals mehr kleine flache Rechner verkauft als Standgeräte (Desktops). Eine einheitliche Tendenz gibt es aber nicht: Die Bandbreite reicht von voll ausgestatteten und leistungsfähigen Luxusnotebooks für Geschäftskunden bis hin zu abgespeckten 300-Euro-Laptops, mit denen vor allem neue Zielgruppen wie Kinder oder Auszubildende für die tragbaren Computer begeistert werden sollen.
Der Erfolg des Eee-PC von Asus zeigt, wie schnell Nischen geschaffen werden können. Das Billignotebook, mit dem seine Besitzer im Internet surfen, Texte bearbeiten und E-Mails verschicken können, steht derzeit ganz oben auf der Bestsellerliste des Online-Händlers Amazon. Und in Elektronikmärkten heißt es auf die Frage nach dem Eee-PC meist nur lapidar: Ausverkauft. Asus berichtet von 20.000 verkauften Geräten innerhalb der ersten Wochen.
Die Anforderungsprofile werden viel differenzierter
Branchengrößen wie der Weltmarktführer Hewlett-Packard (HP) oder der deutsche Branchenprimus Fujitsu Siemens Computers (FSC) beobachten die Entwicklungen ganz genau. Im Vergleich zu ihren Absatzzahlen - HP und FSC verkaufen in einem Dreimonatszeitraum in Deutschland zusammen etwa 750.000 Desktops und Notebooks - dürfte der Eee-PC aber keine Gefahr für das Geschäft bedeuten.
Martin Kinne, zuständig für die Computersparte von HP in Deutschland, rechnet mit einer steigenden Produktvielfalt: Die Anforderungsprofile werden viel differenzierter. Die Vorstellungen der Kunden, welche Funktionalität ein Notebook haben müsse, seien sehr unterschiedlich. Der Markt biete daher Platz für viele Nischenprodukte. Es ist also nicht verwunderlich, dass HP in Deutschland wieder die Altmarke Compaq revitalisiert hat. Sie ist im unteren Preissegment angesiedelt und soll nach Angaben von HP den preisbewussten Kunden ansprechen.
Die Wunschliste der Kunden ist lang
Kleiner, leichter, schneller, leistungsfähiger - und gern auch billiger: Die Wunschliste der Kunden ist lang und stellt die Hersteller vor immer neue Herausforderungen. Kleiner ist zwar leichter, aber nicht unbedingt ergonomisch sinnvoller. Die Größe setzt auch der Ausstattung Grenzen, sagt Kinne. Der Anwender muss beim noch nicht einmal zwei Zentimeter dicken Apple-Notebook MacBook Air beispielsweise auf ein DVD-Laufwerk verzichten. Und auch beim etwa DIN-A5-großen Eee-PC ist Kompromissbereitschaft gefragt: Das Gerät wird derzeit nur mit dem Linux-Betriebssystem ausgeliefert. Doch das muss nicht das letzte Wort in dem dynamischen Notebookmarkt sein. So sagte jüngst Achim Berg, der Deutschland-Chef von Microsoft, es sei durchaus denkbar, dass es bald auch Eee-PCs mit Microsoft-Betriebsprogrammen zu einem ähnlich niedrigen Preis geben könnte. Schon an diesem Dienstag geben Microsoft und Asus auf der Cebit eine gemeinsame Pressekonferenz, in der Branchenkenner die Ankündigung einer entsprechenden Kooperation der beiden Unternehmen erwarten.
Und wem die Auswahl an tastaturlosen Tablet-PCs mit berührungsempfindlichem Bildschirm, Billiglaptops mit Schmalspurfunktionalität oder besonders kompakten, aber voll ausgestatteten sogenannten Ultra-Mobile PCs nicht genügt, der kann immer noch auf Taschencomputer oder Smartphones - also Handys mit E-Mail-Funktion und Bürosoftware - zurückgreifen.
Text: F.A.Z., 03.03.2008, Nr. 53 / Seite 15
Bildmaterial: AFP, AP, ddp, dpa, F.A.Z., REUTERS
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