Luftschiffahrt

Neuer Anlauf für Cargolifter

Cargolifter-Neustart, diesmal ohne Halle

Cargolifter-Neustart, diesmal ohne Halle

09. September 2005 Der Absturz vor drei Jahren war hart und spektakulär, jetzt aber soll das Luftschiffprojekt Cargolifter langsam wieder aufsteigen. Dessen einstiger Gründer Carl von Gablenz und der frühere Aktionär Mirco Hörmann haben eine neue Firma eröffnet, um die Idee vom Schwerlasttransport über weite Strecken per Luftschiff weiter zu verfolgen.

Geld erhoffen sich die beiden ausgerechnet von anderen ehemaligen Aktionären - doch die hatten schon zur ersten Pleite Millionen verloren. „Die Idee ist abgestürzt, aber nicht geplatzt“, sagte von Gablenz mit Blick auf die Insolvenz im Juni 2002 während der Vorstellung des neuen Projekts am Donnerstagabend in Berlin. Kurz zuvor hatten er und Hörmann die „Cargolifter NEU GmbH & CO KGaA“ beim Handelsregister Berlin-Charlottenburg eintragen lassen.

Bescheidene Ansprüche

Der Freizeitpark „Tropical Islands” in der alten Cargolifter-Halle

Der Freizeitpark „Tropical Islands” in der alten Cargolifter-Halle

Die neue Gesellschaft habe zwar nichts mit der alten Cargolifter AG zu tun, aber die Personen seien die selben wie damals, sagte Hörmann. Diesmal aber sollen die Fehler des ersten Versuchs vermieden werden. „Wir werden nicht selbst entwickeln oder selbst ein Luftschiff bauen“, erklärte von Gablenz. Stattdessen wolle „Cargolifter Neu“ zunächst den Markt erforschen, das gesammelte Fachwissen in Deutschland halten und Ansprechpartner für die Altaktionäre sein. Einen Auftraggeber für ein Forschungsprojekt soll es bereits geben, Namen aber wollte Hörmann nicht nennen.

Im Vergleich zum ersten Versuch sind die Ansprüche bescheiden. Mit seinem 1996 gegründeten Unternehmen wollte von Gablenz seinen Riesen-Cargolifter, der Lasten bis 160 Tonnen heben sollte, noch
selbst entwickeln und produzieren. Dazu hatte er die größte freitragende Halle der Welt für 78 Millionen Euro in den märkischen Sand bei Brand 100 Kilometer südlich von Berlin gesetzt. 40 Millionen Euro schoss das Land Brandenburg damals zu. Etwa 500 Angestellte arbeiteten kurzzeitig für Cargolifter, das Vorhaben kam aber nie über die Entwicklungsphase hinaus.

Bloß kein Risiko

Nach seinem Börsengang im Jahr 2000 hatte die Firma zwar 320 Millionen Euro eingenommen, die laufenden Kosten aber zehrten das Geld bis Juni 2002 komplett auf. Trotz monatelanger Suche hatte von Gablenz damals keine Großinvestoren finden und auch Zweifel an der technischen Machbarkeit seiner Pläne nie ganz ausräumen können.

Am Ende standen 120 Millionen Euro an Verbindlichkeiten gegenüber Gläubigern und ein weiteres geplatztes Brandenburger Großprojekt. „Es hat damals viele offene Fragen gegeben und man hat sich auch teilweise übernommen“, resümierte Hörmann. „Diesmal haben nur Projekte eine Chance, die durchfinanziert sind. Wir gehen keine Risiken ein.“

Aktie nur noch wenige Cent wert

Wieder hoffen die Neustarter auf größere Investitionen aus der Industrie, auch wenn von Gablenz einräumt: „Der Markt ist nicht bereit, die Kosten für die Entwicklung eines solchen Luftschiffes zu tragen.“ Der einstige Vorstandschef der Cargolifter AG fungiert bei der Neuauflage als Aufsichtsratschef. Geschäftsführer und bisher einziger Angestellter der in einem Berliner Büro residierenden neuen Firma ist Hörmann, der während des Cargolifter-Zusammenbruchs eine Aktionärsinitiative geführt hatte. Sein Investment hatte der studierte Maschinenbau-Ingenieur ebenso wie alle 72.000 Aktionäre verloren.

Carl-Heinrich Freiherr von Gablenz übernimmt den Vorsitz des Aufsichtsrats

Carl-Heinrich Freiherr von Gablenz übernimmt den Vorsitz des Aufsichtsrats

Auf ihrem Höchststand hatte eine Cargolifter-Aktie 27 Euro gekostet, am Ende war sie nur noch wenige Cent wert. Trotzdem bieten die Initiatoren der Neuauflage den Altaktionären jetzt Anteile an der neuen Firma an.

„Branche muss zusammenrücken“

„Kann natürlich sein, daß jeder zweite sagt: Lass mich in Ruhe“, schwante dem neuen Geschäftsführer. Allerdings habe er auch schon positive Reaktionen erhalten. „Vielen Anteilseignern ging es ohnehin weniger ums Geld als um Unterstützung der visionären Idee“, sagte Hörmann.

Nie über die Entwicklungsphase hinausgekommen

Nie über die Entwicklungsphase hinausgekommen

Um das Know-how der „Leichter-als-Luft-Technologie“ in Deutschland weiter zu entwickeln, wollen er und von Gablenz ein Forschungsinstitut gründen. Allerdings hatte die Zeppelin GmbH in Friedrichshafen erst vor wenigen Wochen die wissenschaftlichen Unterlagen von Cargolifter gekauft. Von Gablenz wünscht sich
deshalb eine Zusammenarbeit mit dem früheren Konkurrenten. „Die Branche muss zusammenrücken“, sagte er. Gespräche liefen bereits.

Im der alten Halle residiert „Tropical Islands“

Ohnehin denken die Cargolifter-Neugründer mittlerweile in längeren Zeiträumen. „Experten rechnen mit mindestens zehn Jahren Entwicklungszeit für ein Schwerlast-Luftschiff“, erklärte Hörmann. Frühestens dann würde auch ein Produktionsort gebraucht.

„Die Idee ist abgestürzt, aber nicht geplatzt”

„Die Idee ist abgestürzt, aber nicht geplatzt”

In der alten Luftschiffwerft residiert mittlerweile der Freizeitpark „Tropical Islands“, der die weithin sichtbare Halle für ein Viertel der Baukosten übernommen hatte. „Aber wir hätten sie natürlich gerne - wenn sie nochmal frei würde“, sagte Hörmann.

Text: AP
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