27. November 2009 Der Korruptionsskandal im MAN-Konzern hat nach dem überraschenden Ausscheiden des Vorstandsvorsitzenden Hakan Samuelsson Anfang dieser Woche zu weiteren Nachbeben geführt. Nun ist auch Finanzvorstand Karlheinz Hornung auf eigenen Wunsch zurückgetreten.
Das teilte der Münchener Nutzfahrzeug- und Industriegüterhersteller am Freitagnachmittag mit. Allerdings wurde in einer Pressemitteilung betont, dass Hornung nicht im Zusammenhang mit der Affäre um seinen Rücktritt zum 11. Dezember gebeten habe. Mit dem Hinweis will er offenbar betonen, dass er sich nichts hat zu Schulden kommen lassen und auch er, wie Samuelsson, nicht als Beschuldigter von der ermittelnden Staatsanwaltschaft geführt wird.
Dennoch dürfte der Finanzchef ebenso die Konsequenzen aus den internen Untersuchungen in Sachen Korruption gezogen haben, die Versäumnisse und ein mangelndes Durchgreifen ausgemacht haben.
Rücktritt von Weinmann steht unmittelbar bevor
Eine weitere Personalie wird in den nächsten Tagen folgen: Die Demission von Konzernvorstand Anton Weinmann, der Vorstandschef des Teilkonzerns Nutzfahrzeuge ist, steht nach Informationen der F.A.Z. unmittelbar bevor. Offensichtlich werden ihm die gleichen Versäumnisse vorgeworfen. Damit sind insgesamt fünf Mitglieder des Topmanagements im MAN-Konzern abgetreten: Im September ging der Nutzfahrzeug-Vertriebsvorstand Peter Erichreineke, im Oktober folgte Nutzfahrzeug-Controlling-Vorstand Sabine Drzisga.
Die Personalien Hornung und Weinmann zeichneten sich zu Beginn dieser Woche ab, nachdem der Schwede Samuelsson die Verantwortung für den Skandal übernommen hatte (siehe Nach Korruptionsskandal: MAN-Chef Samuelsson tritt zurück). Nach dem bisherigen Kenntnisstand sollen im Lastwagen- und Busgeschäft Bestechungsgelder von 1 Million Euro im Inland und von 15 Millionen Euro im Ausland zwischen 2002 bis 2005 geflossen sein, um so das Geschäft anzukurbeln.
Bestechungsvorwürfe gegen MAN Turbo
Immer mehr rückt auch ein Fall außerhalb der Nutzfahrzeugsparte in den Vordergrund, nämlich bei der Tochtergesellschaft MAN Turbo (F.A.Z. vom 22. Mai). Der Bestechungsvorgang aus dem Jahr 2004 wurde zwar durch die eigene Revision im Jahr 2007 aufgedeckt. Die Korruption im Zusammenhang mit einem in Osteuropa getätigten Geschäft soll aber sehr schwer gewesen sein und das Ausmaß in der Nutzfahrzeugsparte übertreffen. Deswegen musste der damalige Turbo-Vorstandschef Jürgen Maus zum 1. August 2007 in Pension gehen.
Der tatsächliche Grund seines Ausscheidens wurde verschwiegen. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft. Hier könnte schon bald ein gerichtliches Verfahren eingeleitet werden. Zudem mussten rund 20 Mitarbeiter in diesem Zusammenhang MAN verlassen. Im Zuge der Großrazzia Anfang Mai wurden nicht nur Konzernzentrale und Geschäftsräume der Nutzfahrzeugsparte von Staatsanwaltschaft und Polizei durchsucht, sondern auch die Zentrale von MAN Turbo in Oberhausen (siehe auch Bestechungsverdacht bei MAN).
Nicht hart genug durchgegriffen
Samuelsson hat mit seinem Rücktritt vor wenigen Tagen die Konsequenzen gezogen, nachdem der Prüfungsbericht fertig gestellt worden war. Er wird auf der Aufsichtsratssitzung am 11. Dezember vorgestellt und behandelt. Ursprünglich sollte die Korruptionsaffäre auf dieser Sitzung weitgehend abgearbeitet sein, was nun nicht mehr der Fall sein wird. Samuelsson hatte es versäumt hat, in der Affäre richtig durchzugreifen. Dabei hatte er nach seinem Aufstieg vom Nutzfahrzeug-Chef zum Konzern-Vorstandsvorsitzenden Anfang 2005 schärfere Richtlinien für eine regelkonforme Unternehmensführung (Compliance) eingeführt. Und nach Bekanntwerden der Korruptionsfälle in diesem Mai hatte er auf eine vorbehaltlose schnelle Aufarbeitung gedrungen.
Allerdings soll er, wie zu hören ist, früheren Hinweisen der Revision nicht nachgegangen sein, die auf Unregelmäßigkeiten aufmerksam machte. Er hätte es wissen können und auch müssen, sagt ein Insider. Da spielte es keine Rolle, dass es sich bei den gemeldeten Vorgängen mitunter auch um Bagatellfälle mit Zahlungen von 300 Euro gehandelt hatte.
Nachdem der Aufsichtsrat ohne Gegenstimmen zu Wochenbeginn den Rücktritt von Samuelsson und dessen Auflösungsvertrag bestätigt hatte, sind auch Hornung und Weinmann unter Druck geraten. Die Untersuchungen der Korruption wurden im Sommer auf den Zeitraum 2009 ausgeweitet. Die beiden Vorstände kamen in das Visier der internen Prüfer, zwei Rechtsanwaltskanzleien - eine vom Vorstand, eine vom Aufsichtsrat beauftragt. Finanzvorstand und Nutzfahrzeug-Chef hätten ebenso Kenntnis haben müssen wie Samuelsson, heißt es.
In die Hände von Ferndinand Piëch gespielt
Im Aufsichtsrat stehen zwar die Vorgänge um die Schmiergelder im Vordergrund. Dennoch spielen die Absichten des MAN-Großaktionärs Volkswagen eine zentrale Rolle. VW ist mit 29,9 Prozent an MAN beteiligt. Der VW-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch ist auch oberster Aufseher bei MAN.
Piëch will die zu 70 Prozent zu VW gehörende schwedische Scania mit MAN zusammenschmieden, wobei die Marken jedoch erhalten bleiben. Die große Nutzfahrzeug-Allianz soll einmal dem Marktführer Daimler Paroli bieten .
Der bisherige MAN-Vorstandschef Samuelsson hatte oftmals auf die Unabhängigkeit von MAN als börsennotierter Dax-Konzern gepocht. Zu oft für Piëch. Die Stimmung zwischen beiden wurde immer kühler und angespannter. Daher, so ist zu hören, sei für Samuelsson nicht allein die Korruptionsaffäre Grund für den Rücktritt gewesen. Es handele sich um eine Gemengelage: Zur Spannung mit Piëch kam die Aussichtslosigkeit hinzu, später einmal die neue VW-Nutzfahrzeugsparte zu führen; und schließlich gab es den nun nicht mehr zu verhehlenden Vertrauensverlust im Aufsichtsrat.
So ist es konsequent, dass auch die Weggefährten Hornung (seit Oktober 2004 bei MAN) und Weinmann (seit 2001) in diesem Spannungsfeld und somit im Interesse von Piëch abtreten. Für den VW-Strategen eröffnet sich nun die Chance, schneller eine Kooperationsbasis mit Scania zu schaffen, ohne gleich eine gesellschaftsrechtliche Lösung mit einer Mehrheitsübernahme von MAN anstreben zu müssen. Denn die kann sich VW derzeit wegen der teuren Porsche-Übernahme nicht leisten.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa
Italien sieht sich als ungeeignetes ![]()
Google ergänzt Mail-Angebot um Soziales Netzwerk
Hartz-Urteil: Der soziale Zusammenhalt
Hinweise auf Hilfen für Griechenland verdichten sich
Opel-Sanierungsplan: GM will 1,5 Milliarden Euro Hilfe von Deutschland
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.498,26 | +0,24% |
| TecDAX | 784,18 | +1,64% |
| MDAX | 7.289,16 | +0,59% |
| SDAX | 3.557,03 | +0,21% |
| REX | 378,94 | +0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.668,43 | +0,16% |
| Dow Jones | 10.058,60 | +1,52% |
| Nasdaq 100 | 1.753,84 | +1,09% |
| S&P500 | 1.070,52 | +1,30% |
| Nikkei225 | 9.982,51 | +0,50% |
| EUR/USD | 1,3763 | −0,24% |
| Rohöl Brent Crude | 71,54 $ | −0,64% |
| Gold | 1.071,25 $ | +0,68% |
| Bund Future | 123,45 € | −0,48% |