03. Juli 2008 Das war ein kurzes Intermezzo. Thomas Hübner war gerade einmal zwei Monate lang Vorsitzender der Geschäftsführung des Molkereikonzerns Müller. Ende Juni haben sich die Wege des Schweizer Managers und von Theo Müller schon wieder getrennt. Das Unternehmen begründete den Abschied mit grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten über die strategische Ausrichtung des Unternehmens. Vor seinem Wechsel nach Aretsried bei Augsburg hatte Hübner noch von einem guten Kontakt zu Müller gesprochen.
Der 50 Jahre alte Hübner war von 2002 bis Januar 2008 Chef der Metro-Großhandelsgesellschaft Cash & Carry gewesen. Mit Eckard Cordes, dem neuen Vorstandsvorsitzenden der Metro-Gruppe, habe sich der Schweizer nicht verstanden, heißt es. Auch das Zusammenspiel mit dem 68 Jahre alten Theo Müller hat nun nicht geklappt. Dem Patriarchen wird nachgesagt, zu viel von seinen Managern zu verlangen.
Vor Hübner waren schon andere gescheitert, Müller als Chef und geschäftsführender Gesellschafter nachzufolgen. Ende März hatte Christoph Weiß das Handtuch geworfen. Zuvor hatte sich auch Axel Dietz versucht, der danach Geschäftsführer des Modelleisenbahnherstellers Märklin wurde.
Der eigensinnige Müller hat in der deutschen Wirtschaft den Ruf eines Enfant terrible. Vor einigen Jahren ist er in einer Rangelei mit zwei Fotoreportern sogar handgreiflich geworden. Die Fotografen zeigten ihn wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung an, und Müller musste 45 000 Euro als Geldauflage an gemeinnützige Vereinigungen überweisen.
Für Aufsehen sorgt der Unternehmenspatriarch immer wieder: Im Sommer 1995 verhinderte er mit eigener Kraft, von zwei Männern entführt zu werden. 2003 trat er mit seinem Protest und Umzug in die Schweiz eine Debatte über die Erbschaftsteuer in Deutschland los. Seitdem wohnt er mit seiner Familie am Zürichsee. Müllers Vermögen wird auf 1,5 bis 2 Milliarden Franken geschätzt. Den Chefposten in der Unternehmenszentrale in Aretsried nach dem Abschied von Hübner neu zu besetzen ist angeblich nicht geplant. Langsam, aber sicher dürfte Müller sämtliche Kandidaten verschreckt haben. him.
Text: F.A.Z.
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