17. November 2006 MAN-Chef Håkan Samuelsson über die Chancen der Scania-Übernahme, die Aufwertung des Standorts Södertälje und eine Gegenofferte der Schweden.
Herr Samuelsson, Sie haben Ihr heute vorgelegtes Übernahmeangebot für Scania nicht verändert, die Schweden weisen es als feindlich zurück. Was nun?
Wir sehen das anders. Es ist eine Initiative für eine industriell richtige Kombination von zwei Nutzfahrzeugherstellern. Jetzt geht das Übernahmeangebot seinen formellen Weg. Das Angebot läuft bis zum 11. Dezember, und schon am 6. Dezember erwarten wir die Stellungnahme der Wettbewerbshüter in Brüssel. Wir haben im übrigen den Preis für Scania nicht erhöht, weil wir der Meinung sind, daß Scania richtig bewertet wird. Jeder Scania-Aktionär hat nun alle nötigen Informationen, um sich zu entscheiden. Wir sind optimistisch, die nötige Unterstützung zu erhalten.
Und wenn nicht, übernehmen Sie Scania feindlich?
Unser Konzept sieht ja eine notwendige Akzeptanz von 90 Prozent der Scania-Anteile vor. Volkswagen hat uns früh die Unterstützung signalisiert.
VW ist im Umbruch. Haben Sie schon mit dem designierten VW-Chef Martin Winterkorn und vor allem mit dem VW-Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch gesprochen?
Ich möchte nicht kommentieren, mit wem ich gesprochen habe. Für den MAN-Scania-Zusammenschluß ist auf seiten von VW weiter Herr Pischetsrieder verantwortlich. Die endgültige Antwort von VW bekommen wir vor dem 11. Dezember. Und auch von den wichtigsten Scania-Aktionären, mit denen wir ja auch Gespräche geführt haben, erwarten wir eine Zustimmung. Wir glauben an unser Angebot.
Aber mit Investor hat der wichtigste Scania-Aktionär Ihr Angebot abgelehnt, 90 Prozent Zustimmung sind damit ausgeschlossen.
Investor sagt, unser Angebot reflektiere nicht den wahren Wert von Scania. Diese Haltung ist uns nicht neu. Aber unsere Angebotsfrist läuft ja bis zum 11. Dezember ...
... Sie könnten Ihr Angebot noch verändern.
Theoretisch ja, aber ich glaube, das ist nicht notwendig.
Investor scheint es nicht um den Preis zu gehen. Wäre nicht denkbar, daß MAN beispielsweise die Nutzfahrzeugzentrale an den Scania-Hauptsitz nach Södertälje verlegt?
Södertälje bleibt natürlich der Hauptsitz von Scania. Wir können uns vorstellen, daß wichtige Funktionen der Zentrale ebenfalls dort angesiedelt werden. Uns ist ein internationaler Zusammenschluß wichtig, dafür spricht auch eine starke Präsenz in Schweden. Am Ende muß es eine faire Kombination aus beiden Häusern sein, es darf keinen Gewinner und keinen Verlierer geben. Nach einigen Monaten wird niemand mehr nach der reinen Transaktion fragen, sondern sich darauf konzentrieren, was MAN und Scania gemeinsam in der Zukunft schaffen können.
Die Gespräche mit Scania sind in der vorigen Woche ergebnislos beendet worden. Werden Sie noch mal einen Anlauf unternehmen?
Das stimmt so nicht. Wir haben die Gespräche nicht abgebrochen. Der Dialog wird fortgesetzt, und ich habe auch einen positiven Eindruck von den Gesprächen. Jeder von uns braucht noch Zeit.
Ist MAN auf ein Gegenangebot von Scania vorbereitet?
Wir sind auf alle möglichen Fälle vorbereitet, aber das ist reine Spekulation ...
... an der Börse wird sogar schon über einen Preis spekuliert: 76,50 Euro für die MAN-Aktie.
Es gibt viel zu viele Spekulationen. Worüber man jetzt konkret reden kann, ist nur unser Angebot. Und das ist der schnellste und risikoloseste Weg, um zwei Nutzfahrzeughersteller zusammenzubringen.
Die Schweden fürchten, daß sie Opfer des Zusammenschlusses sind ...
... das ist völlig grundlos. Fakt ist: Die Synergien kommen nicht aus einem Personalabbau in den Werken. Sowohl Scania als auch MAN brauchen eigene Montagewerke und übrigens auch eigene Motoren. Die Synergien kommen daher, daß man voneinander lernt. Beide Seiten müssen ihre Effektivität steigern. Die Schweden werden nicht die Rationalisierung bezahlen.
Das Gespräch führte Henning Peitsmeier.
Text: F.A.Z., 17.11.2006, Nr. 268 / Seite 17
Bildmaterial: AP
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