Bankenkrise

Ackermann gesteht Fehler ein

Vor der Kamera: Josef Ackermann bei “Maybrit Illner“

Vor der Kamera: Josef Ackermann bei "Maybrit Illner"

20. September 2007 Der Deutsche-Bank-Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann hat angesichts der Finanzmarktkrise Ergebnisbelastungen und den Verzicht auf Neueinstellungen angekündigt. Der Vorstandsvorsitzende gestand in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“ zudem eigene Versäumnisse ein. „Auch die Deutsche Bank hat Fehler gemacht, auch in dieser Krise.“ Mit diesen Äußerungen setzte er den Kurs der Deutsche-Bank-Aktie am Donnerstag kräftig unter Druck. In der Spitze fiel der Kurs um mehr als 3 Prozent. Er erholte sich ein wenig, nachdem die Investmentbank Goldman Sachs Quartalszahlen bekanntgab, die über den Erwartungen lagen.

Ackermann ging auf die Folgen der Finanzmarktkrise für sein Institut ein. Dazu gehört, dass in diesem Jahr nicht mehr eingestellt wird. Die Bank habe derzeit 76.000 Mitarbeiter. „Wir hatten Pläne, auf 80.000 zu gehen. Das werden wir jetzt wohl nicht machen“, meinte er. Der Bankmanager sprach auch offen eigene Defizite an. „Wir haben Fehler bei den Eigenpositionen gemacht. Wir haben uns sehr stark engagiert bei großen Akquisitionsfinanzierungen. Wir haben dort ein Volumen von über 29 Milliarden Euro.“ Weil diese Kredite nicht mehr plaziert werden könnten, müssten sie nun anders bewertet werden, und „das belastet unsere Erfolgsrechnung im dritten Quartal“, erläuterte er. „Wir korrigieren jetzt die Werte all dieser Kreditversprechungen über die nächsten neun Monate.“ Nach groben Schätzungen von JP-Morgan-Analysten müssten 2,5 Prozent dieses Kreditvolumens abgeschrieben werden – eine Summe von 625 Millionen Euro.

Auch an der Krise der IKB verdient

Ackermann lehnte es ab, mitverantwortlich für die Schieflage der IKB Deutsche Industriebank zu sein, die eine gemeinsame Rettungsaktion der deutschen Finanzinstitute erforderlich machte. Bei Privatkunden sei es natürlich „Teil der Beratung“, vor finanziellen Schwierigkeiten zu warnen. Bei Banken als Kunden sei dies aber schwierig, weil diese eigene Aufsichtsorgane und ein eigenes Management hätten. „Wir würden damit nicht gerade viele Freunde gewinnen.“ Auf den Vorwurf, die Deutsche Bank habe gut an der Krise der IKB verdient, entgegnete Ackermann: „Ja, wir haben Produkte verkauft.“ Man sei aber da nicht in vorderster Front gewesen.

Auf die Frage, ob in Deutschland Bilder wie in England möglich seien, wo die Menschen Schlange standen, um ihr Geld von der in Schieflage geratenen Bank Northern Rock abzuheben, antwortete Ackermann: „Gott sei Dank sehen wir die nicht.“ Zur Begründung sagte er halb im Ernst, halb spöttisch: „Ganz einfach, weil wir gut sind.“ Anschließend lieferte er noch zwei sachliche Gründe: Die Deutschen Banken seien gut rekapitalisiert, weil sie sich mehr über die Einlagen der Kunden refinanzierten als die britischen Banken. „Wir haben natürlich auch am Schluss Einlagensicherungsinstrumente, die viel weitergehen, als es in England der Fall ist.“

Deutsche Banken „stark genug“

Analysten äußerten sich ähnlich. Die Gewinne und Bilanzen der deutschen Banken seien stark genug, um die Herausforderungen der Hypothekenkrise, die damit verbundene Neubewertung von Vermögensteilen und die Liquiditätsknappheit zu überstehen, sagte Stefan Best von Standard & Poor’s.

Die Folgen des „plötzlichen Schwächeanfalls“ des Finanzsystems sind nach Ackermanns Worten noch nicht ausgestanden, aber begrenzt. „Seither sind wir mindestens etwas gelähmt. Wir haben uns noch nicht voll erholt.“ Man sei nach wie vor in einer schmerzhaften Korrekturphase. Zuversichtlich meinte er aber: „Ich gehe davon aus, dass keine großen Zeitbomben ticken.“ Auch blieben die positiven Grundtrends für die Banken aus Globalisierung, zunehmender Kapitalmarktfinanzierung und wachsenden Vermögensbeständen bestehen. „Davon werden wir weiter profitieren.“ In Amerika sei jedoch infolge der Immobilienkrise eine leichte Wachstumsabschwächung um „vielleicht 0,5 bis ein Prozent“ möglich.

Text: mas./da. / F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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