31. März 2005 Ein Rückruf hier, ein Rückruf da: Bei Mercedes hat man langsam Schwierigkeiten, den Überblick zu behalten. Jetzt ruft der Stuttgarter Nobelhersteller wieder 1,3 Millionen Autos in die Werkstätten. Wieder müssen 1,3 Millionen Kunden, die für teures Geld ein Auto mit dem Stern gekauft haben, unfreiwillig in die Werkstatt fahren.
Dies ist an sich schon lästig. Vor allem aber werden sich die Kunden fragen, ob es sinnvoll war, so viel Geld ausgegeben zu haben für ein Auto, das vielleicht ein Statussymbol sein, vor allem aber ihnen treu dienen sollte. Spätestens bei einer Neuanschaffung werden sie ins Grübeln kommen. Die Schlußfolgerungen, die selbst treue Mercedes-Kunden ziehen, sind augenfällig an den Taxi-Ständen: Wo früher E-Klasse neben E-Klasse stand, ist heute eine bunte Markenmischung zu finden. Die Absatzrückgänge dieses Modells lassen sich nicht mehr mit dem Lebenszyklus erklären, sondern nur mit der Reaktion auf die Qualitätsmängel.
Mit Sicherheit werden die Probleme von Mercedes auch zu einem herausragenden Thema in der Hauptversammlung von Daimler-Chrysler in der nächsten Woche. Die großen Fonds haben bereits angekündigt, daß sie den Finger in diese Wunde legen werden. Während in der Vergangenheit die Milliardenverluste bei Chrysler oder bei Mitsubishi als Probleme einzelner Sparten betrachtet wurden, geht es jetzt ans Eingemachte: Mercedes war der Star des Konzerns, die Sparte, die den meisten Ertrag brachte. Doch der Stern glänzt nicht mehr.
Text: sup. / F.A.Z., 01.04.2005, Nr. 75 / Seite 20
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