15. Mai 2008 Der frühere WestLB-Chef Jürgen Sengera kann im Untreueprozess vor dem Düsseldorfer Landgericht mit einem Freispruch rechnen. Unmittelbar vor Schluss der Beweisaufnahme erklärte die Vorsitzende Richterin der 14. Großen Strafkammer, Brigitte Koppenhöfer, das Gericht sehe keine Beweise für eine strafbare Handlung des Managers. Der britische Fernsehverleiher Boxclever hatte vor gut vier Jahren mit seiner Insolvenz die bis dahin größte Krise der WestLB mit einem Schaden von fast 500 Millionen Euro ausgelöst. Sengera ist wegen des Verdachts der schweren Untreue angeklagt.
Zwar sei die Vergabe des Milliardenkredits an das britische Fernseh-Verleihunternehmen Boxclever im Jahr 1999 offensichtlich ohne ausreichende Prüfung erfolgt und letztlich pflichtwidrig gewesen. Das Risiko des Geschäfts habe Sengera auf Grund seiner Erfahrung auch bewusst sein müssen, sagte die Richterin. Doch fehlt es nach Auffassung des Gerichts an dem für den Tatbestand der Untreue notwendigen Tatvorsatz.
Staatsanwalt hat wenig Hoffnung
Der von der Staatsanwaltschaft erhobene Vorwurf, der Manager habe aus einem übersteigerten beruflichen Erfolgsstreben gehandelt sei nicht belegbar. Herr Sengera hat nach Auffassung der Kammer nur fahrlässig gehandelt. Fahrlässige Untreue ist nicht strafbar, sagte Koppenhöfer. Nach der Bekanntgabe der Zwischenbilanz schloss die Vorsitzende Richterin die Beweisaufnahme. Das Urteil soll am 19. Juni verkündet werden. Staatsanwalt Henning Wilke räumte nach der Stellungnahme des Gerichts ein, dass nun mit einem Freispruch Sengeras zu rechnen sei.
Zwar werde die Staatsanwaltschaft noch einmal versuchen, in ihrem Schlussplädoyer die Kammer von ihrer Sichtweise zu überzeugen. Doch sei eine grundlegende Neubewertung des Falles durch das Gericht unwahrscheinlich. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Manager vor, er habe aus übersteigertem beruflichen Erfolgsstreben 1999 einen Milliardenkredit an das britische Unternehmen Boxclever ohne ausreichende Risikoprüfung vergeben. Der Bank sei dadurch ein Schaden von mindestens 427 Millionen Euro entstanden. Auch das Gericht schätzt den Schaden auf mindestens 200 Millionen Euro.
Text: AP
Bildmaterial: ddp
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