Regierung macht Druck

Postbank-Verkauf noch in diesem Jahr

Von Daniel Schäfer, Helmut Bünder, Manfred Schäfers

18. Februar 2008 Die andauernde Finanzkrise und der Führungswechsel der Deutschen Post könnten die Konsolidierung der deutschen Bankenbranche in den kommenden Monaten beschleunigen. Vor dem Sommer dürfte die Deutsche Post ihren Anteil von 50 Prozent plus einer Aktie an der sehr begehrten Deutschen Postbank zum Verkauf stellen. Denn die Bundesregierung als Großaktionär der Postbank macht nun offenbar Druck und will den Verkauf noch vor dem Jahresende erzwingen.

Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums hat sich der Bund vertraglich ein zehnjähriges Zustimmungsrecht für den Weiterverkauf des Kapitalanteils gesichert. Dieses Recht endet Anfang 2009. Einen Bericht der F.A.Z., wonach die Bundesregierung aus industriepolitischen Gründen den Verkauf an die in Frankfurt sitzende Commerzbank favorisiert, kommentierte ein Sprecher mit den Worten: „Es gibt keine Vorentscheidung seitens des Bundes.“ Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte am Rande einer Sitzung der SPD-Spitze in Hamburg: „Das sind alles Spekulationen.“ Entscheidenden Einfluss auf den Käufer hat die Bundesregierung ohnehin nicht: Wie zu hören ist, gilt das Vetorecht nur für die Grundsatzentscheidung des Verkaufs. Für oder gegen einen bestimmten Käufer habe die Regierung dagegen kein Vetorecht.

Neue Nummer zwei in Deutschland

Nach Informationen aus Frankfurter Bankenkreisen haben der Commerzbank-Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller sowie sein designierter Nachfolger Martin Blessing gleichwohl mehrfach mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über einen Zusammenschluss mit der Postbank gesprochen. Allerdings seien diese Gespräche nicht mit konkreten Verhandlungen gleichzusetzen. „Das ist noch in einem sehr frühen Stadium. Wir reden hier nicht über einen Zeitraum von Wochen, sondern über Monate“, heißt es in Bankenkreisen. Eine Kombination aus Postbank und Commerzbank wäre mit einem Börsenwert von gut 23 Milliarden Euro die deutsche Nummer zwei hinter der Deutschen Bank und mit gut 20 Millionen Kunden die größte deutsche Privatkundenbank.

Nach Informationen der F.A.Z. hat die von der Deutschen Post mit einer Sondierung des Marktes beauftragte Investmentbank Morgan Stanley zudem nach dem Rücktritt des Post-Vorstandsvorsitzenden Klaus Zumwinkel erst einmal alle Vorgespräche eingestellt. „Das liegt nun auf Eis“, heißt es. Aus allen beteiligten Banken ist überdies zu hören, dass es bislang noch gar keine wie auch immer gearteten Verkaufsverhandlungen gegeben habe. Der Deutsche-Bank-Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann hatte erst vor zwei Wochen gesagt, bislang habe noch niemand mit der Deutschen Bank Kontakt aufgenommen.

Die potenziellen Bieter stehen Schlange

Gleichwohl drängt die Zeit. Da ein Verkaufsprozess nach der Erfahrung der Investmentbanker in der Regel rund sechs Monate dauert, müsste er noch vor dem Sommer beginnen. Falls es überhaupt zu einem Bieterverfahren kommt. Denn in Finanzkreisen wird schon eine andere, ebenfalls die Commerzbank favorisierende Option ins Spiel gebracht: Eine Mischung aus Geld- und Aktiengeschäft, an dessen Ende die Bundesregierung über die Staatsbank KfW sowohl Minderheitsaktionär der Deutschen Post als auch der Commerzbank wäre. Damit könnte die Regierung verhindern, dass ein neugeschaffener „National Champion“ der deutschen Bankenwelt von einer ausländischen Bank übernommen würde.

Die Schlange der möglichen ausländischen Interessenten für die Postbank ist groß. Neben der niederländischen ING Bank werden die britischen Finanzinstitute HSBC und Royal Bank of Scotland sowie die französische Bank BNP Paribas genannt. Doch auch das Duo Allianz und Dresdner Bank dürfte nicht außen vor bleiben: Die Allianz werde an einem möglichen Bieterverfahren teilnehmen, heißt es im Umfeld des Münchner Versicherungskonzerns.

Doch auch die Postbank selbst versucht, in dem Prozess mitzureden. Der Vorstandschef der Postbank, Wolfgang Klein, sieht sein Institut bei der Konsolidierung des deutschen Bankenmarktes in einer „selbstbewussten Rolle“. Wegen der einzigartigen Kunden- und Vertriebsplattform werde man an der Postbank nicht vorbeikommen, hatte er erst Ende vergangener Woche bekräftigt. Seine Äußerungen deuten darauf hin, dass die Postbank an einem Modell interessiert sein könnte, das lediglich die Privatkundenaktivitäten mit denen eines zweiten Instituts verbindet - was dem Postbank-Vorstand in dem neugeschaffenen Institut eine stärkere Machtstellung sichern würde.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, F.A.Z.

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