Tausende Stellen gefährdet

„Schwarzer Montag“ bei der Post

Von Georg Meck

Post-Vorstandschef Frank Appel muss einen massiven Stellenabbau verkünden

Post-Vorstandschef Frank Appel muss einen massiven Stellenabbau verkünden

09. November 2008 Es ist die Zeit der düsteren Nachrichten. Reihenweise senken die Konzerne ihre Gewinnprognosen, verkünden Sparprogramme und Stellenstreichungen. Am Montag ist der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post dran. Einmal hat Frank Appel seine Vorschau schon nach unten korrigiert, jetzt legt er nach.

Die Botschaft, die der Manager seinem Aufsichtsrat wie der Öffentlichkeit zu präsentieren hat, ist wenig erfreulich, um nicht zu sagen rabenschwarz: Die Milliardenverluste in Amerika sind nicht mehr zu tragen, das transatlantische Abenteuer ist missglückt. Nichts wie raus aus dem inneramerikanischen Geschäft, heißt die Devise.

„Ein Blutbad“

Dunkle Wolken ziehen auf: Mit 1,3 Milliarden Dollar Verlust rechnet die Post in diesem Jahr alllein in Amerika

Dunkle Wolken ziehen auf: Mit 1,3 Milliarden Dollar Verlust rechnet die Post in diesem Jahr alllein in Amerika

Der Post-Chef will sich aus allen Engagements zurückziehen, deren Risiken er für nicht mehr überschaubar, deren Kosten er für nicht mehr beherrschbar hält. Und natürlich hat dies Folgen für die Beschäftigten in Amerika. Appel wird nicht anders können, als einen massiven Stellenabbau zu verkünden: 40.000 Jobs in dem verlustreichen Bereich sind akut bedroht; 20 000 bei der Post direkt, noch mal so viele bei ihren amerikanischen Partnern. Von einem „Blutbad“ ist intern die Rede.

Appels Vorgänger Klaus Zumwinkel, der noch heute stolz darauf ist, die deutsche Schneckenpost zum Global Player aufgerüstet zu haben, hat Milliarden an Euro - erwirtschaftet mit dem langweiligen Briefporto in der Heimat - in Amerika investiert. Zu einem globalen Logistikkonzern gehöre eine starke Stellung in den Vereinigten Staaten, hat Zumwinkel stets argumentiert - und einen Rückschlag nach dem anderen einstecken müssen. Ein ums andere Mal hatte der silberhaarige Chef versichert, jetzt gehe es in Amerika bergauf (“Wir haben die Kurve gekriegt“). Geklappt hat es nie. Nachfolger Appel muss nun keine Rücksichten mehr nehmen auf den einstigen Förderer. Er greift durch, allein schon, weil es nicht mehr anders geht.

„„Das ist schrecklich“

Mit 1,3 Milliarden Dollar Verlust kalkuliert er allein in diesem Jahr in Amerika - fünf Millionen Dollar jeden Tag. „Das ist schrecklich“, sagt Appel dazu. Gegen die Platzhirsche FedEx und UPS hatte die Post mit ihren diversen Zukäufen nie einen Stich gemacht. Das inneramerikanische Geschäft mit Paketen, gerichtet an kleine Selbständige und mittlere Betriebe, hat sich nie gelohnt. Im Mai hat Appel deshalb gesagt, dem verlustreichen Treiben könne er nicht mehr länger zusehen - und eine Kooperation mit UPS als Königsweg ins Spiel gebracht. Die Konkurrenten sollten für DHL die Pakete durchs Land fliegen, so der Plan. Der Kunde bekomme davon nichts mit. Die Verhandlungen zogen sich hin. Zum einen, weil die Nachfrage in Amerika eingebrochen ist, zum anderen, weil die Post in den amerikanischen Wahlkampf verwickelt wurde. Appels Notfallplan bedeutet das Ende für das DHL-Luftdrehkreuz in Wilmington (Ohio), immerhin 8000 Jobs sind davon betroffen - deswegen war der Aufschrei in Amerika groß. Dies wiederum hat die DHL-Kunden noch mehr verunsichert. Das Abkommen mit UPS kam bisher nicht zustande. Es werde noch verhandelt, heißt es jetzt, die Gespräche seien „sehr komplex“. Sicher ist nur: Die Post muss sparen, an allen Ecken und Enden, nicht nur in Amerika. In jedem Teil des Konzerns will Appel an die Kosten: manchmal mit Personalabbau, manchmal ohne. Schön ist das alles nicht.

Text: F.A.S.
Bildmaterial: ddp

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