Telekommunikation

Motorola mit Gewinnrückgang wegen Netzwerksparte

Mit dem “Razr“ den Abstand zu Nokia verkürzt

Mit dem "Razr" den Abstand zu Nokia verkürzt

19. April 2006 Der Handyhersteller Motorola hat vor allem wegen der schwachen Geschäfte seiner Netzwerk-Sparte in Asien einen Gewinnrückgang im ersten Quartal verbucht. Das Handy-Geschäft verlief dagegen deutlich besser: Die Nummer zwei hinter Weltmarktführer Nokia weitete ihren Marktanteil auf gut ein Fünftel aus. Vor allem dank der erfolgreichen Handy-Modellreihe Razr verkaufte das amerikanische Unternehmen deutlich mehr Mobiltelefone als vor einem Jahr. Motorola-Aktien gaben nachbörslich aber um rund fünf Prozent nach.

Wie Motorola am Dienstag abend nach Börsenschluß in Amerika mitteilte, lag die Schwäche des Netzwerkgeschäfts in Asien vor allem an politischen Verzögerungen in China. Viele Mobilfunkbetreiber hätten Investitionen in Netzwerke verzögert, weil sie auf die Vergabe von Lizenzen für besonders schnelle Netzwerke durch die Regierung warteten. Die Geschäfte sollten sich aber im zweiten Quartal und in der zweiten Jahreshälfte verbessern, sagte Motorola-Chef Ed Zander. Mit Erlösen aus der neuen Netzwerktechnik in China rechne Motorola aber 2006 nicht mehr.

Der Nettogewinn sank den Angaben nach um knapp ein Prozent auf 686 Millionen Dollar oder 27 Cent je Aktie. Dabei schlugen zudem Kosten für Aktienoptionen von zwei Cent je Papier zu Buche. Der Gewinn fiel damit wie von Analysten erwartet aus. Der Umsatz dagegen kletterte um 23 Prozent auf 10,01 Milliarden Dollar und damit stärker als erwartet. Diese hatten mit lediglich 9,54 Milliarden Dollar gerechnet. Im Handy-Geschäft kletterte der Umsatz um 45 Prozent auf 6,4 Milliarden Dollar. Der Umsatz aus der Netzwerksparte sank dagegen um 14 Prozent auf 1,43 Milliarden Dollar. Der Betriebsgewinn ging um fast 44 Prozent zurück, und ohne Restrukturierungskosten von 21 Millionen Dollar lag der Spartengewinn noch fast 35 Prozent unter dem Vorjahresergebnis.

Einige Analysten sähen es gerne, wenn Motorola einen größeren Schritt in dem Bereich wagen würde: eine Akquisition oder den Verkauf des Geschäfts. Die Sparte konkurriert künftig mit einer deutlich größeren Alcatel, wenn diese erst Lucent Technologies vollständig integriert haben wird. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hatte über einen möglchen Kauf der Telekommunikationssparte Com von Siemens durch Motorola berichtet (siehe: Steht Siemens vor der Zerschlagung?). Zander stellte jedoch am Dienstag vor Analysten klar, ein eiliger Zukauf, um die Margen zu verbessern, stehe nicht auf dem Programm. Die Probleme seien schließlich nur in Asien aufgetreten, fügte er hinzu.

Analysten zeigten sich vor allem von der gesunkenen Umsatzrendite enttäuscht. Sie fiel trotz des starken Handy-Geschäfts auf 30,2 Prozent von fast 33 Prozent vor einem Jahr.“Das ist der Grund, weshalb sie abgestraft werden“, sagte Ed Snyder von Charter Equity Research. Motorola verkaufte im Quartal 46,1 Millionen Handys und damit 61 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Marktanteil erhöhte sich um zwei Prozentpunkte auf 21 Prozent.

Für das zweite Quartal erwartet Motorola den Angaben nach einen Gewinn von 30 bis 32 Cent je Aktie, ohne Kosten für Aktienoptionen von zwei Cent je Papier. Der Umsatz soll zwischen 10,3 Milliarden und 10,5 Milliarden Dollar liegen. Analysten rechneten zuletzt im Schnitt mit einem Gewinn von 29 Cent je Aktie bei einem Umsatz von zehn Milliarden Dollar. Dabei haben sie gewöhnlich Ausgaben für Aktienoptionen in ihre Schätzungen einkalkuliert.

Der Kurs der Motorola-Aktien sank nachbörslich um 1,28 Dollar auf 22,80 Dollar.

Text: Reuters
Bildmaterial: AP

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